„Forschung ist der Schlüssel im Kampf gegen das Coronavirus“

Ministerin Karliczek hat sich heute in Hamburg und Lübeck über die Fortschritte in der Coronavirus-Forschung informiert. „Durch Ihr Engagement erhalten wir täglich neue Erkenntnisse, die später bei der Behandlung Erkrankter helfen können“, sagte sie.

Anja Karliczek besucht das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf informiert sich Forschungsministerin Anja Karliczek über den Stand der Corona-Forschung - unter anderem bei Impfstoffforscherin Prof. Marylyn Addo (rechts) und Dr. Saskia Borregaard, Clinical Trial Center North © BMBF

Die Universitätskliniken leisten einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der Corona-Pandemie: Sie versorgen und behandeln nicht nur die Erkrankten auf Spitzenniveau. Sie verbinden dies auch mit medizinischer Forschung und Lehre mit höchstem Anspruch. Davon hat sich Bundesforschungsministerin Anja Karliczek heute bei ihrem Besuch des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (Pressemitteilung) und der Universität zu Lübeck (Pressemitteilung) überzeugt. „Ich bin froh, dass ich von Seiten der Bundesregierung Ihre Arbeit an vielen Stellen immer wieder unterstützen kann“, betonte sie dabei.

Erst kürzlich hat das Bundesforschungsministerium beschlossen, den Aufbau eines Forschungsnetzes der Universitätsmedizin in Deutschland zur Behandlung von COVID-19 zu fördern. 150 Millionen Euro stehen dafür bereit. „Unser Ziel ist es, damit die Forschungsaktivitäten der deutschen Universitätsmedizin zur Bewältigung der aktuellen Pandemie-Krise zu bündeln und zu stärken. Und dieses Netzwerk ist sehr gut angelaufen. Alle Universitätskliniken in Deutschland sind mit dabei – das ist ein starkes Signal für gute Zusammenarbeit“, sagte Karliczek bei ihrem Besuch in Hamburg.

Nur Impfstoff bringt Normalität zurück

Auch das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf engagiert sich im Forschungsnetz. Ein Schwerpunkt dabei ist die Forschung für einen neuen Impfstoff gegen SARS-CoV-2, für die sich Karliczek bei den Forscherinnen und Forschern bedankte. Denn klar sei, so die Ministerin, dass Deutschland und die Welt nur mit einem Impfstoff wieder dauerhaft zu einer Form der Normalität zurückkehren könne. Sie freue sich daher besonders, dazu einen Beitrag leisten zu können. Die bald anlaufende klinische Phase I Studie der Hamburger Forschenden wird mit knapp einer Million Euro durch das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung und mit weiteren rund 2,1 Millionen Euro durch das Bundesforschungsministerium gefördert.

Darüber hinaus unterstützt das BMBF auch die Impfstoffherstellung. Dafür hat das BMBF ein Förderprogramm mit einem Volumen von über 750 Millionen Euro aufgelegt. „Mit diesem Geld wollen wir den Unternehmen in Deutschland, die Impfstoffe entwickeln und sich auf deren Herstellung vorbereiten, noch einmal gezielt unter die Arme greifen. Damit wollen wir die Impfstoffentwicklung und Impfstoffherstellung in Deutschland deutlich verbessern und beschleunigen“, sagte Karliczek.

Bei der Impfstoffentwicklung ist Geduld gefragt

Ergänzt wird die nationale Förderung durch das internationale Engagement des BMBF im Kampf gegen das Coronavirus – etwa in der „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations – CEPI“. Allein dafür gibt Deutschland 230 Millionen Euro. „Ich wünsche mir, dass überall Mediziner bei uns und in aller Welt in absehbarer Zeit einen COVID-19-Impfstoff in den Händen halten können, um den Menschen damit zu helfen“, sagte Karliczek. Doch sie betonte auch, dass dabei Geduld gefragt sei. „Wir müssen davon ausgehen, dass Impfstoffe eher frühestens Mitte nächsten Jahres breit verfügbar sind. Und das wäre immer noch eine rasend schnelle Impfstoffentwicklung.“

Diese Geschwindigkeit ist nur dank engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie in Hamburg möglich, die vielen offenen Fragen in verschiedenen Studien nachgehen – etwa in einer Studie zu Thrombosen und Lungenembolien bei COVID-19-Patienten. „Durch Ihr Engagement erhalten wir täglich neue Erkenntnisse, die unser Verständnis für die Folgen des Virus weiterentwickeln und später bei der Behandlung Erkrankter helfen können“, sagte Karliczek.

„Aufatmen können wir noch lange nicht"

Trotz dieser Erkenntnisse mahnte die Forschungsministerin jedoch auch zur Vorsicht: „Aufatmen können wir noch lange nicht“, sagte sie. „Es gibt also keinen Grund zum Leichtsinn. Wir müssen an der gegenwärtigen Maskenpflicht und den Abstandsregeln festhalten. Denn was wir auf keinen Fall erleben wollen wäre ein großer Rückschlag. Ein solcher Rückschlag würde nicht nur die Gesundheit und das Leben von sehr vielen Menschen gefährden, sondern auch der Wirtschaft, die sich gerade ein wenig erholt, schwer schaden.“ Forschung sei ein Schlüssel dafür, das zu verhindern. „Ich freue mich, dass Sie hier am UKE einen solch großen Schlüssel in den Händen halten“, so die Bundesforschungsministerin.

Zu Gast in Lübeck

Im Anschluss an ihren Besuch in Hamburg ging es für Ministerin Karliczek gleich weiter nach Lübeck. Dort besuchte sie die Universität zu Lübeck, wo sie sich über die Forschungsaktivitäten der Universität sowie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein informierte. Nach ihrem Besuch zeigte sich Karliczek beeindruckt von den Forschungsvorhaben. „Ohne das Engagement von Ihnen allen, hätten wir nicht jetzt schon die Erkenntnisse, die wir heute zu COVID-19 haben und die für uns alle von so hoher Bedeutung sind“, sagte sie.

So konnten etwa Lübecker Forschende um Rolf Hilgenfled die Kristallstruktur eines Schlüsselenzyms von SARS-CoV-2 aufklären und einen Wirkstoff kreieren, der die Vermehrung des Virus unterbindet. Dieser Forschungserfolg hat weltweit Beachtung erhalten. Jetzt muss der nächste Schritt gegangen werden, damit aus dem im Labor gefundenen Wirkmechanismus auch ein Medikament gegen Corornaviren wird. „Wir sind alle gespannt auf die weitere Entwicklung“, betonte Karliczek.

Die Forschenden untersuchen, wie sich das Virus verbreitet

Ebenso bedeutend ist die Lübecker Forschung zu Künstlicher Intelligenz im Kontext von COVID-19, die unter anderem eingesetzt wird, um etwa die neue Corona-Warn App in ihrer Anwendung zu stärken. Und auch auf dem Gebiet der maschinellen Beatmung leisten die Lübecker einen wichtigen Beitrag: Die Forschenden unterstützen beispielsweise ein Projekt zur Entwicklung von COVID-19-Beatmungsgeräten, die mit einer Sonderzulassung schnell weltweit eingesetzt werden könnten. Außerdem arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Assistenzsystemen, die die exakte Einstellung von Beatmungsgeräten für den jeweiligen Patienten erleichtern.

Ganz entscheidend im Kampf gegen das Coronavirus ist auch die ELISA-Studie. Ihr Ziel ist es, Antworten darauf zu finden, wie sich das neuartige Virus verbreitet und wie die Infektionswege sind. „Die Bedeutung Ihrer Studie liegt damit klar auf der Hand“, sagte Karliczek. „Ihre Studien helfen, Rückschläge zu vermeiden. Wir haben in den Wochen des Lockdowns erfahren, wie sehr uns die notwendigen Einschränkungen unserer Freiheit getroffen haben“, so die Ministerin.

Zum Abschluss bedankte sich die Ministerin noch einmal für die vielfältigen Projekte und Studien zu COVID-19, die die Lübecker Forschenden in kurzer Zeit gestartet haben. „Die Pandemie hat uns verdeutlicht, wie großartig die Forschung national und auch international zusammenarbeiten kann. Dies wollen wir weiter nutzen und fördern. Ich danke Ihnen nochmals für Ihren Einsatz für unsere Gesellschaft“, so die Bundesforschungsministerin.