Forschungspreise 2018 der Alexander von Humboldt-Stiftung

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Michael Meister, anlässlich der Urkundenverleihung in Berlin

Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, während seines Grußwortes im Rahmen der Festveranstaltung zur Verleihung des Forscherpreises 2018 © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren,

I.

Es ist mir eine große Freude, heute im Rahmen der Jahrestagung der Alexander von Humboldt-Stiftung und dieser Preisverleihung als Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu Ihnen sprechen zu dürfen. Die Humboldt-Stiftung ist ein einzigartiger Akteur unserer internationalen Wissenschaftspolitik. Seit vielen Jahrzehnten bringt sie exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Deutschland und schafft ein großes Netzwerk der Exzellenz und des Vertrauens.

Dass dies so gut gelingen würde, war bei ihrer Gründung im Jahr 1953 sicher kaum abzusehen. Nach Jahren verbrecherischer Politik, Unfreiheit und Bedrohung für Leib und Leben musste die junge Bundesrepublik alle Anstrengungen unternehmen, wieder Anschluss an die internationale – die westliche – Staatengemeinschaft zu finden.

Zugleich brachte der Kalte Krieg bereits neue Unfreiheit. Es ist daran zu erinnern, dass 1953 auch das Jahr der Niederschlagung des Aufstands vom 17. Juni durch die Sowjetarmee war, eines Aufstands übrigens, der hier ganz in der Nähe begann.

Leider sind Freiheit, internationale Zusammenarbeit und Vertrauen auch heute keine Selbstverständlichkeiten.

Lieber Herr Pape,

Sie haben zu Recht die Bedeutung der akademischen Freiheit für unser gesellschaftliches Zusammenleben und die gemeinsame Gestaltung unserer Zukunft mit unseren Partnern in Europa und der Welt betont. Dass die Freiheit der Forschung und Lehre heute in vielen Ländern der Welt unter Druck gerät, muss uns alarmieren. Faktengeleiteter Diskurs wird untergraben, Hochschulangehörige entlassen. Dies reicht bis hin zu Versuchen, politisch unliebsame Einrichtungen zu schließen. Wissenschaft braucht Freiheit. Beide sind für eine aufgeklärte Gesellschaft unverzichtbar. Nur solange die Freiheit der Forschenden und Lehrenden garantiert ist bleibt eine Gesellschaft offen, erfolgreich und innovativ.

Im vergangenen Monat haben sich die für Hochschulen zuständigen Ministerinnen und Minister der 48 Bologna-Staaten in Paris dieser Diskussion gestellt. Für Deutschland war dabei klar, dass die Werte, die dem Europäischen Hochschulraum zugrunde liegen – namentlich die Wissenschaftsfreiheit, die institutionelle Autonomie der Hochschulen, die Partizipationschancen von Studierenden, Lehrenden und Forschenden – nicht verhandelbar sind. Deshalb begrüßen wir es auf deutscher Seite sehr, dass die Bologna-Konferenz diese gemeinsamen Werte bestätigt und einen intensiveren politischen Dialog angestoßen hat.

II.

Die Forschungspreise der Alexander von Humboldt-Stiftung würdigen Menschen, die Neues in die Welt gebracht haben: grundlegende Entdeckungen, neue Theorien, neue Erkenntnisse.  

Erkenntnisfortschritt und darauf aufbauend Innovation sind Quellen unseres Wohlstands. Bildung, Wissenschaft und Forschung dienen der Gesellschaft, der Wirtschaft und jedem einzelnen Menschen. Es geht um Lösungen für globale Herausforderungen, um Wettbewerbsfähigkeit und zukunftsfähige Arbeitsplätze.

Die Bundesregierung setzt auf exzellente Forscherinnen und Forscher genauso wie auf gut ausgebildete Fachkräfte. Besonders erfreulich ist es, wenn international ausgewiesene Spitzenwissenschaftlerinnen und Spitzenwissenschaftler wie Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, zu uns kommen.

Es freut mich sehr, dass besonders viele von Ihnen aus den USA gekommen sind. Auch das starke transatlantische Bündnis ist längst nicht mehr so selbstverständlich, wie es einmal war. Dabei verbinden uns gemeinsame Werte wie individuelle Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Umso wichtiger ist es, dass angesehene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit gemeinsamer Forschung Beispiele an Kooperation und Vertrauen setzen.

III.

Deutschland gehört in Europa und weltweit zu den attraktivsten Wissenschaftsstandorten und führenden Innovationsnationen. Um sich frei und über Grenzen hinweg entfalten zu können, braucht Wissenschaft neben Freiheit und Dialog auch eine verlässliche Finanzierung. Dafür steht die Bundeskanzlerin Angela Merkel seit dem Jahr 2005.

Seit 2005 ist der Etat des BMBF um über 130% auf 17,6 Milliarden Euro angestiegen. Das ist der viertgrößte Etat der Bundesregierung und ein klares Bekenntnis zur Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für das Wohlergehen unserer Gesellschaft.

Auch in der neuen Legislaturperiode werden wir diesen Weg weiter beschreiten. Wissenschaft, Lehre und Forschung in Deutschland sollen weiterhin zur Weltspitze gehören.

Erlauben Sie mir, einige Beispiele zu nennen.

Im Koalitionsvertrag haben wir beschlossen, dass wir den Pakt für Forschung und Innovation ab 2021 fortsetzen werden. Er stärkt die großen außeruniversitären Forschungsorganisationen und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Wir halten dabei an der Eigenverantwortung der Wissenschaft fest. Wir entwickeln die Ziele und Instrumente dieses Pakts weiter. Wir wollen die dynamische Entwicklung und Strategiefähigkeit befördern, den Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft intensivieren, die nationale und internationale Vernetzung ausbauen.

Die Hochschulen werden wir insbesondere durch eine Nachfolgevereinbarung zum Hochschulpakt unterstützen. Der Bund ist bereit, seine Mittel zu verstetigen. Wir wollen gemeinsam mit den Ländern ein stabiles und transparentes System entwickeln, in dem Kapazitätserhalt und Qualitätsausbau Hand in Hand gehen. Von den Ländern erwarten wir, dass sie ihrer ureigenen Aufgabe einer auskömmlichen Grundfinanzierung der Hochschulen gerecht werden.

Der Qualitätspakt Lehre steht für unsere Förderung guter Lehre und innovativer Lehrformate an Hochschulen in Deutschland. Wir wollen ihn weiterentwickeln und für gute Lehre eine neue, eigenständige Organisation gründen.

Bereits in der vergangenen Legislaturperiode haben Bund und Länder das Tenure-Track-Programm für die Universitäten beschlossen. Damit wollen wir den Karriereweg der Tenure-Track-Professur flächendeckend in Deutschland etablieren und stellen insgesamt eine Milliarde Euro für 1.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren bereit, verteilt über eine Laufzeit von 15 Jahren.

IV.

Es ist nicht zu verkennen, dass sich das wissenschafts- und forschungspolitische Umfeld Deutschlands und Europas in den vergangenen Jahren spürbar gewandelt hat.

Die Konkurrenz ist größer geworden. Aufstrebende Schwellenländer haben gegenüber den traditionellen Industrieländern weiter aufgeholt und sich zu starken Wissenschafts- und Innovationsakteuren entwickelt. Ich denke allen voran an China, aber auch an Südkorea oder Singapur. Daher brauchen wir auch in Europa und Deutschland mehr zielstrebige Forschung und risikobereite Innovation, bei den Grundlagen genauso wie bei der Anwendung. Die Humboldt-Forschungspreise sind nicht zuletzt Einladungen solch anspruchsvolle Forschung gemeinsam anzugehen.

Damit Forschung Lebensqualität verbessert, entwickelt das BMBF federführend die Hightech-Strategie weiter. Wir richten sie konsequent auf die großen Herausforderungen aus: Digitalisierung und Zukunft der Arbeit, Gesundheit und Pflege, Klima und Energie, Mobilität und Sicherheit.

Insbesondere in den Schlüsseltechnologien der Digitalisierung wie Mikroelektronik, Biotechnologie, moderne Kommunikationstechnik, Robotik, Datenwissenschaften, IT-Sicherheit, Quantentechnologien oder Künstliche Intelligenz brauchen wir in Deutschland und Europa noch mehr Dynamik.

Solche Herausforderungen werden wir nur gemeinsam mit unseren Partnern in Europa erfolgreich meistern können. Das hat zuletzt das Forum zur deutsch-französischen Forschungskooperation erneut gezeigt, das vergangene Woche in Berlin stattfand. 

Dort wurde auch über die kluge Initiative des französischen Staatspräsidenten Macron und der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union gesprochen, neue Europäische Hochschulnetzwerke aufzubauen. Wenn es gelingt, die Kooperation unserer Hochschulen in Lehre, Forschung, Innovation und Transfer auf ein neues Niveau zu heben, kann Europa in wichtigen Zukunftsfeldern voranschreiten. Daher unterstützt die Bundesregierung die Europäische Kommission, solche Europäische Hochschulnetze bereits im nächsten Jahr zu fördern. Wir planen in Deutschland, diese Netze komplementär national zu fördern. Frankreich hat dies auch bereits angekündigt. Eine vernetzte Hochschullandschaft in Europa, die Menschen umfassend bildet, schafft nicht nur eine Basis für technologischen Fortschritt, sondern auch für Frieden und Freiheit.

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger,

Netzwerke geben unseren Gesellschaften in turbulenten Zeiten Halt. Das Netzwerk der Alexander von Humboldt-Stiftung wäre ohne Sie und Ihre mutige Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, nicht möglich.

Herzlichen Glückwunsch und herzlich willkommen!