Forschungsprojekt zu Warburgs „Bilderfahrzeugen“

Konferenz zum 80. Jahrestag der Rettung der „Kulturwissenschaftlichen Bibliothek“ / Quennet-Thielen: „Strahlkraft für den europäischen Kulturraum“


Heute ist in London der 80. Jahrestag der Rettung der „Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg“ begangen worden. Der jüdische Kunsthistoriker Aby Warburg begründete die heute am Warburg Institut der Londoner Universität beheimatete Bibliothek 1903 in Hamburg. Wissenschaftlern wie Fritz Saxl, Gertrud Bing, Erwin Panofsky und Ernst Cassirer ist es zu verdanken, dass die Bibliothek 1933 vor dem Zugriff der Nationalsozialisten bewahrt und nach London transferiert wurde. Seit den 1920er Jahren ist sie ein zentraler Ort der interdisziplinären Forschung in den Kunst- und Kulturwis-senschaften.

Der Jahrestag bildet den Auftakt des internationalen Forschungsprojekts „Bilderfahrzeuge - War-burg's Legacy and the Future of Iconology“. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 5,4 Millionen Euro für fünf Jahre gefördert. Die Staatssekretärin im BMBF, Cornelia Quennet-Thielen, dankte anlässlich des Jahrestages der Universität London, das bedeutende Archiv aufgenommen, bewahrt und weitergeführt zu haben.
Der Projektverbund erforscht ausgehend von Warburgs Metapher der „Bilderfahrzeuge“, wie Medien die verschiedenen Kulturräume in ihren zeitlichen, räumlichen und in ihren bedeutungs- bzw. ideen-bezogenen Dimensionen „durchwandern“. „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden damit verflochten. Angesichts der Bilderflut und der Gefahr, die historische Fundierung der Gegenwart zu vergessen, ist das von ganz aktueller Relevanz“, sagte Quennet-Thielen.

Das Warburg Institute in London fungiert als Zentrum eines Kooperationsnetzwerkes, bestehend aus dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte der Max Weber Stiftung in Paris, dem Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, dem Kunsthistorischen Max-Planck-Institut in Florenz sowie dem Warburg-Haus der Aby-Warburg-Stiftung an der Universität Hamburg. Projektlei-ter sind: Andreas Beyer (Paris; Sprecher), Horst Bredekamp (Berlin), Uwe Fleckner (Hamburg), Peter Mack (London) sowie Gerhard Wolf (Florenz). „Mit fünf bedeutenden kunst- und kulturhistorischen Instituten in vier europäischen Ländern gewinnt dieser Verbund Strahlkraft für den gesamten europäischen Kulturraum“, sagte Quennet-Thielen.

Der Bundesrepublik Deutschland ist es ein besonderes Anliegen, die vielfältigen, zum Teil noch unerschlossenen Artefakte von Sammlungen, Archiven und Bibliotheken wissenschaftlich zu erschließen und die Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das BMBF fördert daher im Bereich „Kulturelles Erbe“ eine Vielzahl von Projekten.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.bmbf.de/de/21592.php