Fortschritte für die Gesundheit

Menschen schneller und besser heilen – mit neuesten Technologien und Forschung mit den Patientinnen und Patienten. Das ist ein Ziel des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung. "Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt“, sagt Ministerin Karliczek.

Paradigmenwechsel in der Gesundheitsforschung: "Nicht nur über Patientinnen und Patienten forschen, sondern mit ihnen – darum geht es", sagt Ministerin Anja Karliczek.

© BMBF / Hans-Joachim Rickel

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek (MdB) anlässlich der Plenardebatte zum Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung am 22. Februar 2019 im Deutschen Bundestag.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

Deutschland hat einen guten Ruf:

  • Hier gibt es exzellente Ärzte und Pflegekräfte.
  • Hier gibt es wirksame Therapien und Medikamente.
  • Hier gibt es herausragende Forschende.
  • Und hier gibt es eine Bundesregierung, die gerade auch die Gesundheitsforschung nochmal weiter vorantreiben will.

Gesundheit ist das wichtigste, was wir in unserem Leben haben.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf haben wir unser neues Rahmenprogramm Gesundheitsforschung aufgelegt.

Deutschland muss in der Gesundheitsforschung international spitze sein.

Das sind wir den Menschen in unserem Land schuldig.

Dabei ist eine exzellente Behandlung das eine. Im besten Fall können wir sogar Krankheiten verhindern.

Beispiel Krebs.

Wir haben gerade die Nationale Dekade gegen Krebs gestartet.

10 Jahre lang mobilisieren wir alle Kräfte, um Krebs besser zu verstehen, um Krebs zu verhindern, um Krebs zu heilen.

Ich bin sicher: In den nächsten 10 Jahren werden wir große Schritte nach vorne machen.

Aber nicht nur im Kampf gegen Krebs.

Auch wenn das die in Deutschland gefürchtetste Krankheit ist.

Die häufigsten Todesfälle verursachen in Deutschland Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Millionen Patienten leiden aber auch an Stoffwechsel-, Lungen- oder an Infektionskrankheiten.

Und gleichzeitig breiten sich Antibiotikaresistenzen aus.

All dies haben wir im Blick, wenn wir die Anstrengungen in der Gesundheitsforschung verstärken wollen.

Unser Grundprinzip:

Wir nutzen alle Ressourcen, auch und gerade die neuen technischen Möglichkeiten.

Wie?

I.

Erstens: Wir binden Patienten in die Forschung ein.

Das ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel.

Nicht nur über Patientinnen und Patienten forschen, sondern mit ihnen – darum geht es. Auch die Angehörigen, die Hausärzte und die Pflegekräfte werden von Anfang an in die Forschung eingebunden.

Denn wie ein Mensch seine Krankheit erlebt, wie er Therapien verträgt – das ist nicht nur für den Einzelnen wichtig. Diese Erfahrungen können auch die Forschung voranbringen.

II.

Damit das gelingt, bringen wir zweitens Forschende, Ärzte und Patienten zusammen.

Dafür haben wir in unserem Land die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung gegründet.

Die bestehenden Zentren bauen wir weiter aus.

In Zukunft werden wir außerdem noch weitere Schwerpunkte setzen:

  1. Kinder- und Jugendmedizin
    Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen, die man einfach mit einer geringeren Medikamentendosis behandeln kann.
    Deswegen brauchen wir hier eine gezielte Forschung.
    Und damit ein neues deutsches Forschungszentrum für Kinder- und Jugendgesundheit.
  2. nehmen leider auch die psychischen Krankheiten zu.
    Und auch hier gilt es, die Ursachen besser zu erforschen.
    Nur wenn wir die Ursachen kennen, können werden wir mehr dagegen tun.
    Deshalb errichten wir auch ein Deutsches Zentrum für psychische Gesundheit.

III.

Die Gesundheitszentren sind auch für den dritten Punkt entscheidend:

Neue Therapien schneller raus aus dem Labor, ran ans Krankenbett zu bringen.

Denn Gesundheitsforschung nutzt den Menschen nur dann, wenn sie bei ihnen ankommt.

Deswegen wollen wir in der Nationalen Dekade gegen Krebs mindestens vier weitere Standorte des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen errichten.

Hier setze ich auf Ihre Unterstützung, liebe Kolleginnen und Kollegen.

IV.

Viertens. Wir nutzen neue Technologien:

  • neue molekularbiologische Methoden,
  • Digitalisierung,
  • Künstliche Intelligenz.

Technologien, die ganz neue Behandlungsmethoden ermöglichen.

Individuell. Für jeden Einzelnen.

Das ist eine Riesen-Chance.

Wir werden sie nutzen.

V.

Fünftens: Wir schauen über den Tellerrand hinaus.

Unsere Forschung leistet auch einen gewichtigen Beitrag für Menschen in Entwicklungsländern.

Ebola ist uns allen doch ein warnendes Beispiel.

Wir dürfen nicht einfach zusehen, dass Menschen an Infektionskrankheiten wie Ebola sterben, wenn wir das verhindern können.

Wir brauchen dringend neue Medikamente, Impfstoffe und Diagnoseverfahren. Und sie müssen auch unter den besonderen Bedingungen in Entwicklungsländern einsetzbar sein.

Wir forschen gemeinsam mit den betroffenen Ländern und verbessern die medizinische Versorgung vor Ort.

Auch das gehört zu unserer Verantwortung.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

fast täglich lesen wir in der Zeitung über neue Ansätze für Therapien: gegen Krebs, gegen Alzheimer, auch gegen seltenere Erkrankungen wie zum Beispiel Mukoviszidose.

Das gibt Patienten neue Hoffnung.

Jeder Fortschritt im Kampf gegen diese heimtückischen Krankheiten ist ein wichtiger Schritt zu einem besseren Leben.

Das zeigt, wie wichtig es ist, dass wir in die Gesundheitsforschung investieren.

Unser neues Rahmenprogramm nimmt die neuen Möglichkeiten des technologischen Fortschritts auf.

Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt und treiben personalisierte und digitalisierte Forschung voran.

2,5 Milliarden Euro stecken wir als Bund pro Jahr in die Gesundheitsforschung. Davon kommen mehr als 2 Milliarden Euro aus meinem Haus, dem Bundesforschungsministerium.

2 Milliarden, die wir institutionell oder durch Förderprogramme in die Gesundheitsforschung stecken.

Wir machen in meinem Haus nicht viele Gesetze, dafür aber umso mehr segensreiche Förderprogramme.

Damit wir auch in der Gesundheitsforschung international an der Spitze stehen.

Fortschritt für die Gesundheit der Menschen in Deutschland – das ist das Ziel.