Fraunhofer eröffnet Erlebniswelt zur „Zukunftsarbeit“

„Die Digitalisierung ist nicht der Arbeitsplatzvernichter“, sagt Staatssekretär Thomas Rachel bei der Eröffnung der Fraunhofer-Erlebniswelt in Berlin. Vielmehr werde sie der Auslöser für den Wandel vieler Arbeitsprozesse sein.

Thomas Rachel eröffnet Fraunhofer-Erlebniswelt
Wie sehen die Arbeitswelten der Zukunft aus? Darüber sprachen Staatssekretär Thomas Rachel und Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer bei der Eröffnung der Fraunhofer-Erlebniswelt "Zukunftsarbeit" in Berlin. © DAVID AUSSERHOFER

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel MdB, anlässlich der Eröffnung der FRAUNHOFER-ERLEBNISWELT »#ZUKUNFTSARBEIT«.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Neugebauer,

ich freue mich sehr, heute mit Ihnen die Fraunhofer Erlebniswelt „#Zukunftsarbeit“ zu eröffnen. Sie ist zentrales Element des Fraunhofer-Beitrags zu unserem Wissenschaftsjahr 2018 „Arbeitswelten der Zukunft“ und gleichzeitig ein sehr gelungenes Beispiel für die Wissenschaftskommunikation.

Menschen können hier unmittelbar erfahren, wie Wissenschaft und Forschung die Arbeitswelten der Zukunft mitgestalten.

In der Erlebniswelt erhalten wir mögliche Antworten auf Fragen wie:

  • Wie werden wir in Zukunft arbeiten?
  • Welche Arbeiten können von Maschinen übernommen werden und welche neuen Tätigkeiten ergeben sich daraus für uns?
  • Wie werden unsere Arbeitsplätze in Zukunft aussehen?

Diese Fragen machen deutlich, dass Veränderungen anstehen. Veränderungen, die mit Chancen und Möglichkeiten für jeden von uns verbunden sind, die einige Menschen aber auch mit gewisser Sorge erfüllt.

Doch es liegt an uns, was wir aus den technologischen Möglichkeiten machen. Wir können die Zukunft der Arbeit gestalten – als Individuum, als Betrieb und als Gesellschaft.

Und dies immer unter der Prämisse, dass die Technik dem Menschen dienen muss. Die Fragen der Digitalisierung werden wir nicht beantworten können, wenn wir uns nur auf die Technologie konzentrieren. Wir müssen uns fragen, wie das Zusammenspiel von Mensch und Technik zukünftig aussehen wird.

Denn genau darum geht es: die Menschen steuern die Entwicklung, nicht die Maschinen die Entscheidungen. Wir müssen technisch veränderte Arbeitswelten aus den Konzepten für gute Arbeitsbedingungen entwickeln. Dies gibt auch die Richtung für die Forschungsförderung an: Unser zentrales Anliegen ist die integrative Betrachtung von technologischen und sozialen Innovationen.

Meine Damen und Herren,

wenn wir über die Arbeitswelten der Zukunft reden, reden wir über einen Weg der Veränderung. Auf diesem Weg können wir immer nur mit Sicherheit über das reden, was hinter uns liegt:

Wer hätte beispielsweise vor 10 Jahren gedacht, dass wir in dieser Erlebniswelt sehen können, wie Knochen im 3D-Drucker hergestellt und anschließend in der Medizin genutzt werden können.

Was in 10 Jahren Normalität ist, können wir nur erahnen. Vielleicht werden ja dann wirklich 3D-Drucker in jedem Operationssaal stehen und bei Bedarf jedes benötigte Teil schnell und vor allem individuell drucken.

Was jedoch sicher ist, dass wir alle bereit sein müssen, uns weiterzuentwickeln und kontinuierlich dazu zu lernen. Es gibt einige, die sich sorgen, dass viele Arbeitsplätze wegfallen werden. Diese Ansicht teile ich nicht.

Wir könnten jetzt darüber diskutieren, ob die oftmals zitierten Studien so überhaupt auf Deutschland übertragbar sind. Aber es gibt ja auch andere Prognosen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat errechnet, das bis 2025 die Zahl der wegfallenden Arbeitsplätze durch die Zahl von Neuentstehenden ausgeglichen wird. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sieht sogar bis 2021 einen Beschäftigungszuwachs von 1,8 Prozent durch die geplanten betrieblichen Technologieinvestitionen.

Digitalisierung ist nicht der Arbeitsplatz- und Berufsvernichter, wie einige behaupten. Aber Digitalisierung ist der Auslöser für die Reorganisation von Arbeitsprozessen.

Damit in diesem Prozess die Technik dem Menschen dienen kann, müssen wir Menschen in der Lage sein diese Werkzeuge zu nutzen. Und das geht nur, wenn wir verstehen, wie die neuen Maschinen und Geräte funktionieren.

Deshalb müssen wir die Menschen bestmöglich vorbereiten und Bildungs- und Fortbildungsangebote vorhalten. Nur so können sie den digitalen Wandel erfolgreich bestehen. Dabei können wir mit unserer dualen Berufsausbildung auf einem der weltweit besten Systeme der Berufsbildung aufbauen. Es ist so flexibel gestaltet, dass es immer wieder auf neue Anforderungen ausgerichtet werden kann und wird.

Dies gilt sowohl für die Anpassung von bestehenden als auch für die Entwicklung von neuen Berufen. Ein markantes Beispiel dafür sind die Kaufleute im E-Commerce, die seit dem 01. August erstmalig in diesem neuen Beruf ausgebildet werden. Hier wird deutlich, dass das System sehr gut auf veränderte Rahmenbedingungen und Bedarfe, in diesem Fall im Groß- und Einzelhandel, aber auch in der Tourismusbranche, bei Dienstleistern sowie bei Herstellern etc. reagieren kann. Und wir sind hier auch weiterhin aktiv. So hat zum Beispiel frühzeitig unsere Initiative „Fachkräftequalifikationen und Kompetenzen für die digitalisierte Arbeit von morgen“ die Auswirkungen der Digitalisierung auf Qualifikationsanforderungen ausgewählter Berufsbilder untersucht. Die Ergebnisse werden in die Ordnungsarbeit einfließen.

Eine gute, an den zukünftigen Anforderungen ausgerichtete Ausbildung ist erst der Beginn und eine wichtige Grundlage für weitere berufliche Qualifizierungen. Lebenslanges Lernen ist kein Modebegriff sondern wird zur Königsdisziplin. Deshalb haben wir den Förderschwerpunkt „Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung“ ins Leben gerufen.  Die in diesem Förderschwerpunkt geförderten Projekte geben Anregungen aus der Praxis, wie eine neue Kultur für nachhaltige, innovative berufliche Weiterbildung aussehen kann. Zum Beispiel indem der Einsatz digitaler Medien im formalen Bereich der beruflichen Weiterbildung vorangetrieben wird. Zudem steht auch die Entwicklung einer zeitgemäßen Weiterbildungsdidaktik im Mittelpunkt.

Lassen Sie uns die Digitalisierung als Feld der Möglichkeiten sehen, die uns ganz neue Perspektiven schaffen. Mit Ihrer Erlebniswelt macht die Fraunhofer-Gesellschaft die Zukunftswelten der Produktionsarbeit und der Arbeit im Gesundheitswesen schon heute erlebbar.

Ich danke Ihnen für diesen wertvollen Beitrag zum Wissenschaftsjahr und wünsche allen viel Freunde und neue  Erkenntnisse.