Frühjahrsreise: Zukunft der Jugend – Berufliche Bildung 2017

Bundesbildungsministerin Wanka besucht bundesweit zwölf Orte der beruflichen Bildung und diskutiert mit Menschen, die sich mit der Ausbildung von Morgen beschäftigen.

Die Zukunft der Jugend in Deutschland ist eng mit der Zukunft der beruflichen Bildung verknüpft. Über 500.000 junge Menschen entscheiden sich jedes Jahr für eine Ausbildung. Sie erleben heute eine noch nie dagewesene Breite fachlicher Ausbildungswege. Und wer die Wahl hat, hat die Qual: Immer mehr Schulabgänger entscheiden sich für ein Studium, so dass nur noch die Hälfte eines Jahrgangs den Weg in berufliche Schulen und das duale System finden. Zugleich verändert sich die Arbeitswirklichkeit in den Betrieben immer schneller. Bei Tätigkeiten, die früher eindeutig der Berufsbildung zugeordnet waren, sind heute durch zunehmende Digitalisierung Schnittmengen zur Hochschulqualifikation entstanden. Gleichzeitig bieten gerade Fachhochschulen Studiengänge an, die große Übereinstimmung mit Lernpfaden in der beruflichen Bildung aufweisen. Die Grenzen zwischen den Bildungswegen verschwimmen. Das ist gut so, aber die Berufsbildung muss beweisen, dass sie den Zielen und Ambitionen der jungen Menschen gerecht wird.

Auf ihrer Reise möchte Bundesministerin Wanka mit denjenigen ins Gespräch kommen, die sich mit dem Morgen der beruflichen Bildung beschäftigen und innovative Ideen umsetzen. Mit ihnen will sie Optionen einer modernen Ausbildung diskutieren und konkrete Ansätze für die Zukunftsfähigkeit des dualen Systems kennenlernen. Zentrale Fragen dabei sind: Wie werden die Ausbildungswege der Zukunft aussehen? Welche Technologien, Lern- und Arbeitsumgebungen und Kompetenzen werden die Berufsbildung prägen? Kann die berufliche Bildung auch in Zukunft viele unterschiedliche soziale Gruppen integrieren und Perspektiven für Benachteiligte eröffnen? Denn gerade hierin liegt eine der großen Stärken der Berufsbildung und ihr Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland.

Karte Frühlingsreise der Ministerin
© BMBF

Teltow – Beruf Weiterbildner

Die Energiewende mit ihren technisch-technologischen Entwicklungen, den Veränderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie dem Entstehen neuer Geschäftsfelder und -modelle führt dazu, dass Beschäftigte Kompetenzen entwickeln, um adäquate, qualifizierte Facharbeit leisten zu können. Am Bildungszentrum der IHK Potsdam in Teltow werden dafür im Projekt „Quali4Pro“ zunächst Lehrkräfte weitergebildet, die diese Qualifizierung und Kompetenzentwicklung unterrichten können. Das Projekt wird seit November 2015 vom BMBF gefördert, im Förderschwerpunkt „Innovative Ansätze zukunftsfähiger, beruflicher Weiterbildung“. Bei ihrem Besuch wird die Ministerin das „online Lernlabor“, das flexibles, zeit- und ortsunabhängiges Lernen unterstützt, selbst testen können und hautnah erleben, wie sich Weiterbildner über den Einsatz digitaler Medien neuen Lernsettings öffnen. Anschließend diskutiert sie mit Weiterbildnern und Vertretern der IHK über spezielle Herausforderungen und deren Lösungsansätze, von denen behauptet wird, dass sie die betrieblich, berufliche Weiterbildung für die Beschäftigten im Energie Cluster Berlin Brandenburg attraktiv machen.

Magdeburg – Wege in Ausbildung und Arbeit

Die KAUSA Servicestelle in Magdeburg ist eine von insgesamt 30 bundesweit vom BMBF geförderten Informations- und Anlaufstellen, bei denen sich Jugendliche, Eltern und Unternehmer/ -innen mit Migrationshintergrund sowie jugendliche Geflüchtete über die duale Ausbildung informieren können. KAUSA eröffnet Wege in Ausbildung und Arbeit. Ministerin Wanka besichtigt bei ihrem Besuch in Magdeburg einen mittelständischen Betrieb, der jungen Geflüchteten eine Chance im dualen System bietet. Im ersten Kontakt werden Ausbildungsberufe und der beruflichen Alltag vorgestellt und über die Chancen einer Ausbildung im dualen System informiert. Die KAUSA Servicestelle Sachsen-Anhalt Nord ist landesweit vernetzt – sie leistet gemeinsam mit den Landesprogrammen einen wichtigen Beitrag an der Schnittstelle Migration, Schule und Beruf.

Magdeburg – Intelligente Kunststoffe

Die TEPROSA GmbH in Magdeburg ist ein start up Unternehmen, dass sich auf die Herstellung von Composit Werkstoffen spezialisiert hat. Im Rahmen des vom BMBF geförderten Projektes „ComWeiter“, das gemeinsam von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Hochschule Magdeburg-Stendal und der RKW Sachsen-Anhalt GmbH bearbeitet wird, ist die TEPROSA einer der Praxispartner für die Entwicklung von Weiterbildungsmodulen, die die zumeist fachfremd qualifizierten Beschäftigten in dieser noch jungen Branche für ihre Tätigkeit der Herstellung intelligenter Kunststoffe qualifizieren. Ministerin Wanka wird bei ihrem Besuch die Möglichkeit haben, selbst an der Werkbank zu stehen und auf Knopfdruck per Laseraktivierung einen spritzgegossenen MID-Grundkörper eines 3D-MID Bauteils herstellen. Das Projekt „ComWeiter“ wird über 3 Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 500.000 Euro gefördert.

Hannover – Chancen auf berufliche Teilhabe

In den Hannoverschen Werkstätten erlernen Menschen mit Behinderung leichte Arbeitstätigkeiten, um sich weiterzuentwickeln und so berufliche und soziale Teilhabe zu erfahren. Als Anwendungspartner im vom BMBF geförderten Projekt Via4all setzen die Werkstätten auf ein inklusives und arbeitsprozessorientiertes E-Learning-Angebot. Mittels Lernvideos, welche die Augenbewegungen eines erfahrenen Ausbilders aufzeichnen (Eye-Tracking), erhalten Menschen mit Behinderung beispielhaft für die Bereiche Bau, Hauswirtschaft, Landschaftsgartenbau und Metalltechnik fundierte zusätzliche Informationen und Unterstützung für ihre berufliche Tätigkeit. Digitale Technologie – in diesem Fall das Lernvideo mit Eye-Tracking – ermöglicht somit Menschen mit Behinderung direktes Lernen am Arbeitsplatz und stärkt ihre Chancen auf berufliche und soziale Teilhabe. Ministerin Wanka wird bei ihrem Besuch ein Wäschestück mangeln – selbstverständlich angeleitet durch ein Lernvideo.

Wolfsburg – Digitalisierung in der Berufsausbildung

Die Automobilindustrie und hier insbesondere Volkswagen gelten als Vorreiter der Digitalisierung. Ministerin Wanka besucht in Wolfsburg ein Trainingscenter der Marke Volkswagen Pkw, wo sie sich über innovative Inhalte und Lernformate sowie Projekte und Konzepte informieren wird. Gespräche über die Entwicklung innovativer Mobilitätskonzepte und Geschäftsmodelle, Elektromobilität, Vernetzung von Fahrzeugen und Autonomes Fahren sowie die effizientere Ausgestaltung von Entwicklungs- und Fertigungsprozessen durch digitale Technologien und Virtual Reality stehen auf der Tagesordnung. Zudem wird die Ministerin unter anderem einige der neuesten Entwicklungen zur Digitalisierung in der Berufsausbildung bei Volkswagen selbst erproben: zum Beispiel das „Virtuellen Schweißen“, ausgerüstet mit Datenbrille und von einem Rechner unterstützt.

Duisburg – Im schwimmenden Klassenzimmer

In Duisburg besucht Ministerin Wanka das Berufskolleg der Binnenschiffer und das Schulschiff RHEIN. Diese Kombination der Lernorte Schulschiff und Berufskolleg ist deutschlandweit einzigartig. Die Auszubildenden verbringen die Zeit vor und nach der Schule auf dem Schiff. Digitale Medien bieten dabei eine hervorragende Möglichkeit, das Gelernte an Bord zu vertiefen. Die Lernangebote werden so mobil, betriebsnah und arbeitsplatzbezogen auf den Schiffen, im Hafen oder am Terminal verfügbar gemacht. Dazu gehört auch, dass durch Fahrsimulationen von Binnenschiffen der Umgang mit Gefahrensituationen trainiert werden kann. Im Projekt SmartQu@lification wird eine digitale Lernplattform aufgebaut, die zeitlich und lernortungebunden einsetzbar ist und die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden ermöglicht. Der Flachwassersimulator an der Schifferberufsschule bildet in Originalgröße die Führerkabine eines Binnenschiffes nach. Hier können Auszubildende das Steuer in die Hand nehmen und mittels 180-Grad-Projektion und Radar realitätsnah nachempfinden, was es heißt, ein Schiff zu steuern. Das Projektkonsortium wird bis Ende dieses Jahres mit ca. 900.000 Euro vom BMBF gefördert.

Essen – Interkulturelle Berufsberatung

Die KAUSA Servicestelle Essen (KSE) in Trägerschaft der Stiftung „Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung“ ist eine zentrale Anlauf-, Verbindungs- und Vermittlungsstelle zwischen Betrieben, Jugendlichen mit Zuwanderungs- und Fluchtgeschichte, ihren Eltern, Migrantenorganisationen und ausbildungsrelevanten Institutionen. Das Ziel der KSE ist es, die Ausbildungsbeteiligung der jungen Migrantinnen und Migranten und geflüchteten Menschen zu erhöhen. Sie berät und informiert rund um das Thema „duale Ausbildung“. Zu den erfolgreichen Konzepten zur Ansprache und Unterstützung der Migrantinnen und Migranten und Geflüchteten zählen die „Lange Nacht der interkulturellen Berufsberatung“, der „Interkultureller Wirtschaftstag Ruhr“, die „Auf zu neuen Wegen! Interkulturelle Berufs- und Ausbildungsmesse“ und eine Fortbildungsreihe für Fachkräfte „Verschieden oder doch gleich“.

Im Gespräch mit den KSE-Mitarbeitern und -partnern wird Ministerin Wanka Aktivitäten und Angebote für Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchtete näher kennenlernen. Sie wird zudem mit Vertreterinnen und Vertretern der migrantischen und einheimischen Unternehmen über die Möglichkeiten diskutieren, die berufliche Bildung über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg attraktiv zu machen. Zudem wird sie auch mit Jugendlichen ins Gespräch kommen, die als Geflüchtete oder Migranten von den Angeboten der KSE profitieren. Die Servicestelle Essen wurde im Januar 2015 im Rahmen der ersten Förderrunde des Ausbildungsstrukturprogramms JOBSTARTER plus aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds eingerichtet.

Dormagen – Kompetenzzentrum Augenoptik

Die duale Ausbildung ist in Deutschland die am häufigsten gewählte Form der Berufsausbildung, die von mehr als der Hälfte aller Jugendlichen durchlaufen wird. Sie ist seit langer Zeit ein bewährtes Modell, um eine Vielzahl ganz verschiedener Berufe zu erlernen – auch und gerade im Handwerk. Bei ihrem Besuch wird Bundesbildungsministerin Johanna Wanka gemeinsam mit Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, am ZVA Bildungszentrum Dormagen (Akademie der Augenoptik) im Gespräch verschiedenen Fragen zur dualen Ausbildung nachgehen: Welche Bedeutung hat diese Ausbildungsform für Arbeitsmarkt und Wirtschaft heute in Deutschland? Welche Chancen zur Verbesserung bestehen – mit Blick auf die Berufsschulen und die überbetrieblichen Lehrwerkstätten sowie die Betriebe? Vor welchen Aufgaben steht die Politik hinsichtlich der Rahmenbedingungen für die duale Ausbildung?

Herne – Hilfe auf dem Ausbildungsweg

Das Talentkolleg will die Bildungsteilhabe und den Bildungserfolg von Schülerinnen und Schüler aus nicht-akademischen und/oder einkommensschwachen Haushalten sowie aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte, für beruflich Qualifizierte sowie ausländische AkademikerInnen aus dem Ruhrgebiet erhöhen. Ziel ist es, für nicht-traditionelle Zielgruppen die Entscheidung zu einem Ausbildungsweg zu erleichtern, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für ein Studium zu aktivieren und deren Studienerfolgsquote zu verbessern. Das TalentKolleg Ruhr ist ein gemeinsames Programm der Stiftung Mercator, der Universität Duisburg-Essen (UDE), der Fachhochschule Dortmund und der Westfälischen Hochschule. Die bundesweit einmalige Kollegstruktur ermöglicht passgenaue Bildungslaufbahnen durch gezielte Förderung.

Dresden – Bauausbildung im digitalen Zeitalter

Das Überbetriebliche Ausbildungszentrum Dresden (ÜAZ) bildet mit modernen Konzepten jährlich circa 300 Auszubildende sächsischer Baufirmen im Hoch-, Tief- und Ausbau aus. Das Kompetenzzentrum „Bau & Bildung“ des ÜAZ ist einer von acht Projektpartnern in einem Netzwerk. Die Projektpartner untersuchen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die überbetriebliche Ausbildung in verschiedenen Berufsfeldern. Sie erarbeiten dazu innovative berufspädagogische Konzepte, erproben sie und tragen sie als Multiplikatoren in die Breite. Das ÜAZ hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, das Building Information Modeling (BIM) in die Bauausbildung aufzunehmen. Mit dem Einsatz eines digitalen Modells soll die Vorstellungskraft der Auszubildenden vor allem für das Bauwerk als Ganzes gestärkt werden. Mit der Unterstützung des Bundesbildungsministeriums beschafft das ÜAZ zudem digitale Ausstattung für die Fachkräfteausbildung, wie Wärmebildkameras, Outdoor-Tablets und neueste Vermessungstechnik. So wandelt sich die Ausbildung: Wo die Auszubildenden ihre Übungsaufgaben früher auf dem Papier gelöst haben, nutzen sie im digitalen Zeitalter beispielsweise Tablets. Auch 3D-Brillen kommen im ÜAZ zum Einsatz. Die Auszubildenden üben damit, wie große Maschinen gesteuert werden. Wie das alles genau geht, wird sich die Ministerin bei ihrem Besuch mit den Auszubildenden und ihren Ausbildern anschauen.

Dresden – Wege in Ausbildung für Geflüchtete

Die Handwerkskammer Dresden beteiligt sich seit Juli 2016 an der Initiative „Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“, die unter anderem vom BMBF gefördert wird. Ziel der Initiative ist die Integration von bis zu 10.000 Geflüchteten in eine Handwerks-Ausbildung. Zudem bietet die Handwerkskammer interkulturelle Schulungen für Ausbilderinnen und Ausbilder, Fach- und Führungskräfte in Handwerksunternehmen sowie Sprachkurse und Kompetenzfeststellungsverfahren für Geflüchtete an, um Geflüchteten eine für sie passende betriebliche Ausbildung in einem Handwerksbetrieb zu ermöglichen. Ministerin Wanka wird direkt an der Werkbank mit den Geflüchteten, ihren Sozialpädagogen und den Projektverantwortlichen über ihre bisherigen Erfahrungen sprechen.

Leonberg – Fit für die Berufe-Olympiade

Abschließen wird Ministerin Wanka ihre Frühjahrsreise mit einem Trainingsbesuch bei der deutschen Nationalmannschaft – der Stuckateure. Diese trainiert im Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade des überbetrieblichen Schulungszentrums in Leonberg bei Stuttgart für die Berufe-Olympiade WorldSkills in Abu Dhabi. Das Kompetenzzentrum erarbeitet ein ganzheitliches Konzept für die Gestaltung eines nachhaltigen Lernortes in einer überbetrieblichen Berufsbildungsstätte gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft, um die Qualität der dualen Ausbildung in der sich wandelnden Arbeitswelt zu verbessern. Neben dem Trainingsbesuch wird die Ministerin junge Fachkräfte kennenlernen, die sich in einer Aufstiegsqualifizierung zum Ausbau-Manager auf künftige Managementaufgaben vorbereiten. Mit ihnen gemeinsam erkundet sie an vier verschiedenen Stationen mit einer App, wie sich Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Stuckateur-Handwerk miteinander verbinden.