Fünf deutsch-afrikanische Netzwerke zur Gesundheitsforschung starten

Im Fokus der Forschungsarbeiten stehen vor allem Infektionskrankheiten / Wanka: "Ergebnisse müssen schnell bei den Menschen ankommen"

Die Gesundheitssituation in vielen Ländern Subsahara-Afrikas ist durch eine hohe Krankheitslast bei zugleich fehlenden Versorgungs-, Ausbildungs- und Forschungskapazitäten geprägt. Die wenigen auf wissenschaftlich hohem Niveau arbeitenden Institute forschen unter äußerst schwierigen Bedingungen, weil nicht ausreichend Geld für qualifiziertes Personal oder auch Laborausstattung zur Verfügung steht. Außerdem sind afrikanische medizinische Forschungseinrichtungen in der Regel nur in schwach entwickelte nationale Forschungssysteme eingebunden, so dass ein wissenschaftlicher Austausch fehlt.

Heute nehmen fünf Gesundheits-Forschungsnetze ihre Arbeit auf, die diesen wissenschaftlichen Austausch möglich machen:  26 afrikanische vorwiegend universitäre Forschungsinstitutionen aus 14 Ländern arbeiten eng mit insgesamt sieben deutschen Einrichtungen der Tropenmedizin und Internationalen Gesundheit zusammen.  Erstmalig liegt die Federführung und Koordination bei den afrikanischen Partnern. Das Bundesministerium fördert die fünf Forschungsnetze mit rund 50 Millionen Euro.

"Es ist wichtig, dass Wissenschaftler aus den Partnerländern die für ihr Land wichtigsten Forschungsthemen auswählen und die Projekte anschließend leiten. Die Expertise und Erfahrung der deutschen Partnereinrichtungen gewährleistet, dass in den Netzen wissenschaftliche Arbeit auf höchstem internationalen Niveau erfolgen kann, auch hinsichtlich der Ausbildung von wissenschaftlichem Personal", so Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. "Wir wollen, dass die Ergebnisse der Forschungsarbeitenmöglichst schnell bei den Menschen ankommen. Deshalb unterstützen wir diese Forschungsaktivitäten."

Der offizielle Startschuss für den Beginn der Forschungsarbeiten fällt in dieser Woche im Rahmen einer Auftaktveranstaltung in Daressalam, Tansania.

Im Fokus der Forschungsarbeiten stehen vor allem Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Tuberkulose. Infektionen sind – anders als in den meisten Weltregionen – in Afrika noch immer für einen Großteil der Todesfälle verantwortlich. Aber auch nicht-übertragbare Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck sind Teil des umfangreichen Forschungsprogramms. Diese Krankheiten erfordern in Sub-Sahara Afrika wegen der Lebensverhältnisse der Patienten andere Präventions- und Behandlungskonzepte als in entwickelten Ländern.

Aber auch das in Afrika wegen der wirtschaftlichen Gegebenheiten notwendige enge Zusammenleben von Mensch und Tier ist verantwortlich für zahlreiche schwere Krankheiten, die hierzulande unbekannt sind:  Die Arbeit des Forschungsnetzwerk "Cystinet-Afrika" beispielsweise verdeutlicht diese Herausforderungen besonders drastisch. Der in Afrika hohe Befall von Nutztieren mit dem Schweinebandwurm führt einerseits zu hohen Erkrankungszahlen beim Menschen und gleichzeitig zu hohen wirtschaftlichen Verlusten in der Landwirtschaft. In Afrika ist der Schweinebandwurm die häufigste Ursache für schwere Epilepsien, weil der Parasit auch das Nervengewebe befällt. Das Forschungsnetzwerk greift hier an zwei Stellen an: Durch verbesserte Diagnose und Therapieansätze sollen die Erkrankungsraten langfristig gesenkt werden. Weiter sollen umfangreiche Studien am Nutzviehbestand helfen, befallene Tiere frühzeitig zu erkennen und damit die Ansteckung über die Nahrung zu reduzieren.

Rund 80 Prozent der Fördermittel gehen unmittelbar an afrikanische Forschungseinrichtungen. Die afrikanischen Partner haben so gute Voraussetzungen, ihre Forschungsarbeiten zielgerichtet an die nationalen und regionalen Herausforderungen anzupassen und eigenverantwortlich umzusetzen.

Neben exzellenter Forschung zielt die Förderinitiative aber ebenso auf den Auf- und Ausbau der afrikanischen Forschungskapazitäten mit Karriereoptionen für einheimische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie eine Verbesserung der Versorgungs- und Ausbildungsstrukturen.


 

Weitere Informationen unter:

https://www.bmbf.de/de/armutsassoziierte-krankheiten-275.html

http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/Gesundheitsnetze-Afrika.php


 

Folgende Netzwerke werden gefördert:
 

Akronym

Koordination/

Land
Beteiligte deutsche Einrichtungen

Thema

ANDEMIA

Prof. Akoua-Koffi

University Teaching Hospital, University of Bouaké
Elfenbeinküste

Robert-Koch-Institut Berlin

Charité Berlin
Afrikanisches Netzwerk für verbesserte Diagnostik, Epidemiologie und Management häufig vorkommender Infektionskrankheiten
CEBHA+

Prof. Mayanja-Kizza

Makerere University
Uganda

LMU München

Cochrane Zentrum Freiburg
Netzwerk für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung und Public Health in Afrika
CYSTINET- Afrika

Dr. N. Ngowi

Sokoine University of Agriculture
Tansania
TU München Zystizerkose-Netzwerk Subsahara-Afrika
TakeOFF

Dr. Debrah

Kumasi Centre for Collaborative Research
Ghana

Universität Bonn

LMU München
Netzwerk zur Überwindung der Schwierigkeiten bei der Bekämpfung von Filariose
TB-Sequel

Dr. Churchyard

Aurum Institute
Südafrika

LMU München

Forschungszentrum Borstel
Begleiterkrankungen, Risikofaktoren und Langzeitkomplikationen, welche den individuellen Therapieerfolg der Tuberkuloseerkrankung sowie deren Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit definieren