Für ein würdevolles Lebensende

Um sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten, müssen ihre Wünsche berücksichtigt werden und Angehörige, Pflegende und Ärzte eng zusammenarbeiten. Eine neue Förderinitiative wird die Forschung zur Palliativversorgung stärken.

Die Bundesregierung wird die Forschung zur Palliativmedizin mit einer neuen Förderinitiative stärken. © Thinkstock

Menschen auf dem letzten Stück ihres Weges zu begleiten, ist eine wichtige Aufgabe. Sie benötigen die bestmögliche menschliche Zuwendung, Versorgung und Pflege. Mit der Palliativversorgung soll die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten so lange wie möglich erhalten werden.

Viele Fragen rund um die Palliativmedizin sind aber noch nicht beantwortet: Welche Versorgung wünschen sich die Patientinnen und Patienten? Wie kann man die Familienangehörigen, die einen schwerkranken Menschen pflegen, unterstützen? Welche palliativen Therapien sind wirksam?

Mit der neuen Initiative zur Forschung in der Palliativversorgung wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung Vorhaben der Versorgungsforschung, klinische Studien sowie Projekte zur Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses fördern. Die Förderinitiative ist eingebettet in das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung.

Bereits seit dem Jahr 2012 hat das Bundesforschungsministerium die Forschung in der Palliativversorgung mit fünf Millionen Euro unterstützt. Diese Fördermittel sind beispielsweise in Projekte zur Versorgungssituation in Deutschland geflossen. Die Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, die Betreuung der Menschen entscheidend zu verbessern.

Wie sich ältere Menschen ihre letzte Lebensphase vorstellen, kann man nur durch Gespräche herausfinden. © Thinkstock

Welche Versorgung wünschen sich ältere Menschen?

Dabei geht es auch darum, wie sich ältere Menschen eigentlich ihren Lebensabend vorstellen. Wie wollen sie betreut und versorgt werden? Das waren die Kernfragen in einer Längsschnittstudie, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover mit Förderung des Bundesforschungsministeriums durchgeführt haben. In dem Forschungsprojekt  „Gebrechliche alte Menschen in der Hausarztpraxis“ wurden ältere Patientinnen und Patienten über einen längeren Zeitraum in ihrer häuslichen Umgebung begleitet und befragt. So konnten Erkenntnisse über ihre Wünsche und Bedürfnisse insbesondere in Hinblick auf die letzte Lebensphase  gewonnen werden. Das Projekt wurde seit dem Jahr 2012 vom Bundesforschungsministerium gefördert und ist kürzlich abgeschlossen worden.

„Die Gespräche mit den Patientinnen und Patienten waren sehr intensiv und haben uns tiefgehende Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Menschen gewährt. Sie haben den großen Wunsch, auch bei fortschreitender Gebrechlichkeit möglichst selbstbestimmt zu Hause zu leben und zu sterben. Eine kontinuierliche, verlässliche Begleitung durch den Hausarzt ist dafür eine wesentliche Voraussetzung“, sagt Nils Schneider von der Medizinischen Hochschule Hannover, wissenschaftlicher Leiter des Projektes.

In Folgeprojekten sollen die Ergebnisse aus der Studie nun weiter verarbeitet werden, um langfristig die Palliativversorgung durch Hausärzte zu verbessern. Außerdem soll ein regionales Netzwerk den Austausch zwischen Ärzten, Krankenhäusern, Heimen sowie Politik und Verwaltung erleichtern.

Auf die kulturelle Herkunft des Sterbenden eingehen

Andere Kulturen haben andere Sitten – auch Menschen aus anderen Kulturkreisen sollen die letzten Schritte auf ihrem Weg nicht allein gehen müssen. Doch in der Realität nehmen Migrantinnen und Migranten die Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung nur selten wahr. Zu hoch sind die Barrieren. Oftmals machen es ihnen die fehlenden Sprachkenntnisse unmöglich, Informationen einzuholen oder Hilfe in Anspruch zu nehmen. Um auch Menschen mit Migrationshintergrund am Lebensende würdevoll zu begleiten, muss genau verstanden werden, wo die Barrieren sind und wie sie überwunden werden können.

Im Projekt „Palliative Lebensqualität - Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten durch russischsprachige Migrantinnen und Migranten“ untersuchen Psychologen und Gesundheitswissenschaftler der Freien Universität Berlin, welche Vorstellungen russischsprachige Migrantinnen und Migranten von würdevollem Sterben haben und welche Erfahrungen sie mit den Angeboten der Palliativversorgung gemacht haben.

Ziel der Erhebung ist es, die subjektiven Bedürfnisse von Migrantinnen und Migranten in der Palliativversorgung zu identifizieren und dadurch die Versorgungssituation so zu verbessern, dass Hospize und Palliativmediziner in der Lage sind auf Patienten individuell einzugehen – insbesondere wenn sie schlecht oder gar kein Deutsch sprechen.

„Unsere Studie zeigt, dass es russischsprachigen Migrantinnen und Migranten besonders wichtig ist, dass sie auch am Lebensende an ihre bisherigen Lebensgewohnheiten anknüpfen, das Geschehen um sie herum verstehen und daran teilhaben können. Voraussetzungen sind für sie muttersprachliche Kommunikation, Einbindung familiärer Unterstützung und Zugang zu Medien, Musik oder Literatur aus der russischen Kultur. Dies fehlt jedoch häufig in der Versorgung am Lebensende. Vor allem in der stationären Hospiz- und Palliativversorgung sind muttersprachliche Informationen professionelle kultur- und Sprachmittler und Zugang zu entsprechenden kulturspezifischen Angeboten dringend erforderlich“, fasst der wissenschaftliche Leiter Uwe Flick von der Freien Universität Berlin die ersten Ergebnisse zusammen. Sie sollen in ein Handbuch für die Verbesserung der zielgruppenspezifischen Palliativ- und Hospizversorgung für Migrantinnen und Migranten aus russischsprachigen Ländern übertragen werden. Noch bis zum Jahr 2016 wird das Projekt vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Der Deutsche Bundestag hat am 5. November 2015 mit großer Mehrheit das Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung beschlossen. Das Gesetz sieht zahlreiche Maßnahmen vor, um die Betreuung schwerkranker Menschen in ganz Deutschland zu stärken. Die ambulante Palliativversorgung, Hospizdienste, Krankenhäuser und Pflegeheime sollen gezielt unterstützt werden.