Für mehr Sicherheit im Fußballstadion

Bei Fußballspielen kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Fans und Polizei. Ein vom Bundesforschungsministerium gefördertes Projekt untersucht, wie Kommunikation in diesem Spannungsfeld deeskalierend wirken kann.

Sport verbindet: Das Fußballstadion ist ein Schmelztiegel der Kulturen. © thinkstock

Jeder Fußballfan kennt das Gefühl: Der gegnerischen Mannschaft den Sieg gönnen? Undenkbar. Das Herz schlägt nun mal für den Heimatverein. Ein Fußballstadion ist ein Ort großer Emotionen: Es geht um Sieg oder Niederlage, Aufstieg oder Abstieg. Ein Stadion ist auch ein Schmelztiegel der Kulturen – unterschiedliche Fankulturen sowie unterschiedliche Interessen prallen aufeinander. Viele Fans wollen ihren Verein und ihre Spieler mit Choreographien und Gesängen unterstützen, das Sicherheitspersonal will die Situation im Griff haben.

Dabei kann es an den Schnittstellen zwischen einzelnen Gruppen zu Konflikten kommen. Die Kontrolle dieser Konflikte verursacht derzeit einen enormen personellen und infrastrukturellen Aufwand der Sicherheitsakteure. Dazu gibt es eine kleine Gruppe gewaltaffiner Fans, der eben jene Konfliktsituationen mit Vorliebe aufsuchen.

Laut Zahlen der Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) wurden in der Saison 2013/14 rund 1.300 Menschen bei Spielen der ersten beiden Bundesligen aufgrund von Auseinandersetzungen verletzt. Weiterhin wurden knapp 7.900 Strafverfahren eingeleitet. In Relation zur Gesamtbesucherzahl von über 18 Millionen Menschen ein sehr geringer Wert. Dennoch will man diese Konflikte, die sich zu großen Teilen an der Schnittstelle zwischen Fans und Polizei abspielen so gut wie möglich verhindern.

Gewalt vermeiden

Um solche Ausschreitungen und jene in der Fankurve von vornherein zu vermeiden und den enormen Aufwand des Sicherheitspersonals zu reduzieren, sind vor allem Kommunikation, Transparenz und eine gute Beobachtung der Situation entscheidend. Mit diesem Thema beschäftigen sich Wissenschaftler des Projektes „Mehr Sicherheit im Fußball - Verbessern der Kommunikationsstrukturen und Optimieren des Fandialogs“ (SiKomFan). Sie wollen Fragen nach dem Verhältnis von Fans und Sicherheitspersonal, nach der Transparenz der Kommunikation zwischen diesen Gruppen, nach der Entstehung von Konflikten und der Möglichkeit ihrer Deeskalation beantworten. Aber auch die Optimierung der Kommunikation von Sicherheitsakteuren untereinander soll untersucht werden, um einen gemeinsamen Informationsstand und eine einheitliche Einsatzlage am Spieltag zu ermöglichen?

„Kernthema des Forschungsprojekts SiKomFan ist die Kommunikation sowohl zwischen Sicherheitsakteuren als auch zwischen Sicherheitsakteuren und Fans. Wir denken, dass Transparenz, Dialog sowie ein verstärktes Einbeziehen der Fanperspektive in Sicherheitsstrategien deeskalierend wirken und Konflikte an der Schnittstelle zwischen Fans und Sicherheitsakteuren vermeiden können“, beschreibt Gabriel Duttler von der Universität Würzburg das Gemeinschaftsprojekt

Im interdisziplinären Projekt arbeiten Soziologen, Sportwissenschaftler, Juristen und Kommunikationswissenschaftler empirisch an diesen Fragen. Sie versuchen unter anderem, sich in die Situation der Fans zu versetzen und die Welt aus ihren Augen zu sehen. Gespräche mit Fans, Zuschauern und Fanexperten erlauben ihnen einen Einblick in den Mikrokosmos der Fußballbegeisterten. Gleichzeitig werden die Konzepte der Sicherheitsakteure untersucht.

Den richtigen Umgang finden

Für Einsätze bei Hochrisikospielen wie Derbys oder Spielen mit einer Vorgeschichte wird von Seiten der Sicherheitsakteure ein enormer Aufwand betrieben. Bei einigen Spielen sind bis zu 3000 Polizisten vor Ort. Großeinsätze wie diese bedeuten nicht nur großen Aufwand, sondern auch hohe Kosten.

Die Hypothese der Wissenschaftler von „SikomFan“ ist deshalb: Bestehende Konfliktfelder, und damit auch der Aufwand und die damit verbundenen Kosten, können verringert werden, wenn sowohl Sicherheitsakteure als auch Fans mit mehr gegenseitigem Verständnis miteinander umgehen. Dazu können Kommunikation und Dialog der Schlüssel sein. Denn das Verhältnis zwischen ihnen ist nach wie vor ein schwieriges. Beide Seiten haben Vorurteile und sogar Feindbilder aufgebaut. Die Wissenschaftler von „SikomFan“ vertreten daher die These, dass Transparenz, Dialog sowie ein verstärktes Einbeziehen der Fanperspektive in Sicherheitsstrategien deeskalierend wirken und Konflikte an der Schnittstelle zwischen Fans und Sicherheitsakteuren reduzieren können.

Ziel des Projekts ist es, mit den Forschungsergebnissen die Strategien des Sicherheitspersonals zu verbessern, um den richtigen Umgang mit Fans zu finden und besonders konfliktträchtige Situationen frühzeitig erkennen und vermeiden zu können ohne das Fußballerlebnis an sich zu beeinträchtigen.

Förderung für drei Jahre

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Forschungsprojekt "SiKomFan" im Rahmen des Programms "Forschung für die zivile Sicherheit 2012 - 2017" der Bundesregierung mit insgesamt 3,3 Millionen. Die Förderung läuft über drei Jahre.

Die sieben Verbundpartner von „SiKomFan“ sind die Deutsche Hochschule der Polizei mit dem Fachgebiet Grundlagen der polizeilichen Einsatzlehre und dem Fachgebiet Öffentliches Recht mit dem Schwerpunkt Polizeirecht, die Westfälische Wilhelms-Universität Münster mit der Forschungsgruppe BEMA am Institut für Soziologie, die Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit dem Institut für Fankultur und dem Institut für Sportwissenschaft, das Fraunhofer ESK in München, das Fraunhofer IOSB in Karlsruhe sowie die Firma Airbus Defence and Space mit dem Bereich Studies and Innovative Concepts.