Galenus-von-Pergamon-Preis

Rede des Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Georg Schütte, anlässlich der Verleihung in Berlin

Georg Schütte, Staatssekretär im BMBF, während seiner Rede © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Krieger,
lieber Herr Minister Gröhe,
sehr geehrter Professor Erdmann und sehr geehrte Mitglieder der Jury,
sehr geehrte Nominierte,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich freue mich, dass ich die Gelegenheit habe, hier auf der Preisverleihung zu sprechen.

Die heute nominierten Arzneimittelinnovationen haben einen langen, teuren und risikoreichen Weg hinter sich von der Forschung bis in die medizinische Versorgung. Sie bringen Fortschritte in der Krebstherapie, bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Krankheiten, Blutgerinnungsstörungen, Entzündungs-krankheiten und angeborenen Stoffwechselkrankheiten. Ich bin sicher, diese Innovationen werden den Versorgungsalltag betroffener Patientinnen und Patienten verbessern.

Klar ist aber auch: es gibt heute noch viele Krankheiten, die nicht heilbar sind oder die nicht zufriedenstellend behandelt werden können. Dazu gehören beispielsweise neurodegenerative Erkrankungen, die unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen. Neben diesen nicht übertragbaren Erkrankungen bedrohen vor allem Infektionskrankheiten in zunehmendem Maße unsere Gesundheit. Der starke Rückgang neu zugelassener Antibiotika und die Ausbreitung von antimikrobiellen Resistenzen sind zentrale Herausforderungen für die nationale aber auch globale Gesundheitspolitik.

Die Gesundheitsforschung kann wichtige Beiträge zur Bewältigung dieser Herausforderungen leisten, Krankheitsursachen können besser verstanden oder Angriffspunkte für neue Wirkstoffe entdeckt werden. Aus Sicht der Bundesregierung sind Investitionen in die Gesundheitsforschung daher von großer Bedeutung. Hierfür haben wir mit der Hightech-Strategie und dem Rahmenprogramm Gesundheitsforschung wichtige Weichen gestellt.

Forschungsergebnisse sollen schnell bei den Menschen ankommen – dies ist ein zentraler Leitgedanke des Rahmenprogramms Gesundheitsforschung. Forschung wird Patientinnen und Patienten nur dann nützen, wenn das, was in der Wissenschaft an Diagnostika und Medikamenten erfunden wird, seinen Weg in die medizinische Versorgung findet.

Deutschland hat eine hervorragend aufgestellte Forschungslandschaft; ein dichtes Netz an Universitäten und Forschungseinrichtungen und eine Vielzahl an kleinen und großen Unternehmen. Allerdings müssen wir besser darin werden, vielversprechende Ansätze aus der Forschung in die Praxis umzusehen. Mit den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung haben wir wichtige Strukturen geschaffen, um das „valley of death“ zwischen frühen und späten Phasen der Wertschöpfungskette zu schließen. Damit die Translation der Forschungsergebnisse aus diesen Einrichtungen in die medizinische Versorgung klappt, brauchen wir eine noch stärkere Kooperation mit der Wirtschaft.

Deshalb suchen wir stets nach neuen Wegen der Förderung. Im „Forum Gesundheitsforschung“ hat das BMBF seit Herbst 2015 Spitzenvertreterinnen und -vertreter bedeutender Wirtschaftsunternehmen, der Forschungsorganisationen und der Universitätskliniken zusammengebracht. Das „Forum Gesundheitsforschung“ soll einen kontinuierlichen Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren ermöglichen. Sie suchen Antworten auf die wichtigen Fragen: Wie können wir die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft noch weiter verbessern? Wie können wir die Translation im Bereich der Wirkstoffforschung vorantreiben? Eines ist klar: Nur gemeinsam können wir eine erfolgreiche Forschungs- und Gesundheitspolitik für den Standort Deutschland gestalten. Darum appelliere ich auch an Sie, liebe Vertreterinnen und Vertreter der akademischen Forschung und der forschenden Pharmaindustrie: Unterstützen Sie uns bei diesem Anliegen, tragen Sie Ihren Teil bei. Ich bin überzeugt, dass davon alle Seiten gleichermaßen profitieren.

Auch wir gehen weiter voran. Die „Nationale Wirkstoffinitiative“ greift viele Empfehlungen des „Forums Gesundheitsforschung“ auf. Ziel der Initiative ist es, die Wirkstoffforschung zu stärken und die Entwicklung neuer Medikamente insbesondere für Infektionskrankheiten zu unterstützen. Das BMBF hat im Rahmen der Wirkstoffinitiative bereits zwei Fördermaßnahmen veröffentlicht. Aus der Fördermaßnahme „Targetvalidierung für die pharmazeutische Wirkstoffentwicklung“ sollen Forscher darin unterstützt werden, die Targets so zu validieren, dass die Ergebnisse anschlussfähig für eine weitere Entwicklung durch die Industrie sind. In Zusammenarbeit mit industriell erfahrenen Mentoren soll hierbei die Qualität der Grundlagenforschung gesteigert und in Folge auch die Translation verbessert werden.

In einer weiteren Maßnahme fördern wir die Entwicklung von Schnelltests und innovativen Behandlungsmethoden für bakterielle Infektionen. Gerade dieses Thema, die Entwicklung neuer Antibiotika, liegt uns besonders am Herzen. Antibiotika haben die Medizin revolutioniert. Aber inzwischen gewinnen multiresistente Erreger immer mehr an Brisanz. (Wegen kostenintensiver Forschung und zu geringen Gewinnmargen haben sich viele pharmazeutische Unternehmen aus der Wirkstoffforschung für Infektionskrankheiten zurückgezogen.) Immer öfter reicht das Repertoire an verfügbaren, wirksamen Antibiotika nicht mehr aus. Das ist ein Zustand, der sich dringend ändern muss.

Das Thema der antimikrobiellen Resistenzen verdeutlicht auch, dass in wichtigen Fragen der Gesundheitsforschung bedeutende Fortschritte nur durch länderübergreifende Kooperationen zu erzielen sind. Ich freue mich sagen zu können, dass Deutschland großen Anteil an dem Bestreben hat, Antibiotikaresistenzen mit gebündelten Kräften zu bekämpfen. Wir haben dieses Thema bereits während der deutschen G7 Präsidentschaft im Jahr 2015 auf die Agenda gesetzt, und auch in der diesjährigen deutschen G20-Präsidentschaft. Dieses Jahr haben wir besonders auch die Forschung und Entwicklung für diesen Bereich in den Fokus gerückt. Ich bin sehr froh, sagen zu können, dass das Bundesforschungsministerium als ein Ergebnis des G20-Gipfels in Hamburg den Aufbau einer globalen Forschungsplattform – einen Globalen AMR R&D Hub –vorantreiben und die Forschung in diesem Bereich mit bis zu 500 Millionen Euro für die kommenden zehn Jahre unterstützen wird. Die Vision des Globalen AMR R&D Hubs ist es, Forschung und Entwicklung für dringend benötigte Produkte wie zum Beispiel neue Antibiotika oder Diagnostika deutlich zu stärken und besser zu koordinieren – und dies in allen Bereichen der Entwicklungskette, von der Grundlagenforschung bis hin zur Markteinführung. Mit diesem starken Engagement verbinden wir hohe Erwartungen: Ziel ist es, Infektionskrankheiten in naher Zukunft weltweit wirkungsvoller bekämpfen zu können. Und wer weiß, vielleicht können wir eines der geförderten Projekte irgendwann einmal hier mit einem Preis auszeichnen.

Meine Damen und Herren,

die heutige Preisverleihung hält uns zweierlei vor Augen:

  • Die Behandlungsmöglichkeiten für unterschiedlichste Krankheiten haben sich im letzten Jahr durch neue Medikamente weiter verbessert.
  • Und es mangelt nicht an innovativen Ideen, Verfahren und Substanzen aus der akademischen Forschung.

Deshalb ist es nur konsequent, dass mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis sowohl Medikamente ausgezeichnet werden, die den langen Weg vom Labor in die Versorgung bereits geschafft haben als auch bahnbrechende Ansätze aus der Grundlagenforschung gewürdigt werden.

Den Nominierten ist gemeinsam, dass sie sich einem Ziel verschrieben haben: Innovative, wirksame und nebenwirkungsarme Medikamente zu erforschen und auf den Markt und zum Patienten zu bringen.

Schon jetzt möchte ich daher allen Nominierten für ihr Engagement danken und zu ihrer Arbeit gratulieren. Unsere Anerkennung ist Ihnen allen sicher – unabhängig davon, ob Sie heute Abend tatsächlich einen Preis erhalten oder nicht. In jedem Falle hoffe ich sehr, dass Sie gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen den medizinischen Fortschritt weiter vorantreiben und so die Lebensqualität der Menschen verbessern.

Vielen Dank.