GARDP-Pledging Konferenz

Statement des Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Georg Schütte, anlässlich der Pressekonferenz im Bundesministerium für Gesundheit, Berlin

Georg Schütte, Staatssekretär im BMBF, während seines Statements © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Thema Globale Gesundheit erfährt gerade eine hohe politische Aufmerksamkeit – und ich freue mich sagen zu können, dass Deutschland daran großen Anteil hat. Wir sind fest davon überzeugt, dass in wichtigen Fragen der Gesundheitsforschung bedeutende Fortschritte nur durch länderübergreifende Kooperationen zu erzielen sind. Deshalb setzte sich die Bundesregierung auch beim diesjährigen G20-Gipfel dafür ein, Gesundheitskrisen durch Pandemien und Antibiotikaresistenzen mit gebündelten Kräften zu bekämpfen.

Die Dringlichkeit der Aufgabe verdeutlicht zum Beispiel das BCG Gutachten (2017): Seit dreißig Jahren wurde kein wirklich neues Antibiotikum mehr entwickelt. Gleichzeitig arbeiten derzeit nur etwa 500 Wissenschaftler weltweit an der Erforschung neuer Antibiotika. Man bräuchte etwa 200 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr, um die Forschungs-Community so aufzubauen, dass sie die drängendsten Fragen adressieren kann. Wir begrüßen daher den Beschluss der G20 Staats- und Regierungschefs, Forschung und Entwicklung zu antimikrobiellen Resistenzen zu stärken und eine internationale Plattform – einen Globalen AMR Hub - für die Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung zu antimikrobiellen Resistenzen einzurichten. Die Vision des Globalen AMR Hubs ist es, Forschung und Entwicklung für dringend benötigte Produkte wie zum Beispiel neue Antibiotika oder Diagnostika deutlich zu stärken und besser zu koordinieren– und dies in allen Bereichen der Entwicklungskette, von der Grundlagenforschung bis hin zur Markteinführung. Das Bundesforschungsministerium wird den Aufbau des Globalen AMR Hubs von deutscher Seite für die Bundesregierung vorantreiben und mit bis zu 500 Millionen Euro für die kommenden zehn Jahre dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.

Dabei geht es uns nicht darum, möglichst viele neue Maßnahmen ins Leben zu rufen. Stattdessen ist es wichtig, laufende nationale und internationale Aktivitäten fortzusetzen, zu stärken und besser miteinander zu verzahnen. Für Deutschland sind Produktentwicklungspartnerschaften wie die „Global Antibiotic Research and Development Partnership“, GARDP, ein wichtiges Instrument, um neue Antibiotika erfolgreich und schnell zu entwickeln. GARDP kann dabei auf das Know-how und die Strukturen der etablierten Produktentwicklungspartnerschaft „Drugs for Neclected Diseases initiative“, DNDi, zurückgreifen, die vom Bundesforschungsministerium seit 2011 Förderung erhält. Die Tatsache, dass DNDi seit 2003 bereits sieben (davon drei seit 2011) neue Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten bis zur Einsatzreife entwickelt hat, zeigt, dass hier auf die Erfahrungen eines starken Partners aufgebaut werden kann. Es ist beeindruckend, welche Fortschritte GARDP seit seiner Gründung im Mai 2016 erzielen konnte und welche ehrgeizigen Ziele sich die Initiative für die nächsten Jahre gesteckt hat. Dazu werden wir gleich noch mehr erfahren. Wir haben uns daher entschlossen, GARDP in den nächsten fünf Jahren mit bis zu 50 Millionen Euro zu unterstützen.

Es bedarf aber mehr als nur klinischer Entwicklung. Das zeigen eindrücklich die Empfehlungen der OECD und der Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften – die Grundlagenforschung auszubauen. Die Stärkung der nationalen Projektförderung ist dabei ein wichtiger Aspekt. Zusammen mit der Finanzierung von Forschungseinrichtungen vergrößert das BMBF dadurch die Kapazität in der Grundlagen- und der präklinischen Forschung. Damit verbessern wir auch die Basis für internationale Kooperationen unserer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

Für diese Kooperationen bildet die europäische „Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance“, JPIAMR, eine ideale Plattform, die wir in den kommenden Jahren ausbauen werden. Zusätzlich werden wir mit der Nationalen Wirkstoffinitiative die Entwicklung neuer Medikamente insbesondere im Bereich der Infektionskrankheiten voranbringen. Dazu gilt es neue Formen der Zusammenarbeit zwischen öffentlich finanzierter und industrieller Forschung und Entwicklung in Deutschland zu finden. Dies hat auch das vom Bundesforschungsministerium ins Leben gerufene „Forum Gesundheitsforschung“ empfohlen. Darum werden wir in den kommenden Jahren in neue Kooperationsformate investieren. Ein Teil dieses Engagements wird gezielt der Entwicklung neuer Antibiotika oder alternativer Therapieansätze für Infektionskrankheiten zugutekommen und damit auch Teil unseres Beitrags für den Globalen AMR Hub sein.

Mit diesem starken und vielseitigen Engagement verbinden wir hohe Erwartungen: Ziel ist es, Infektionskrankheiten in naher Zukunft weltweit wirkungsvoller bekämpfen zu können. Wir sind überzeugt: GARDP wird mit seinen schlagkräftigen Partnern in Akademie, Industrie und der WHO vor allem bei der klinischen Entwicklung neuer Antibiotika entscheidend dazu beitragen, dass die Vision des Globalen AMR Hubs Wirklichkeit werden kann. Wir wünschen GARDP viel Erfolg bei dieser äußerst wichtigen Arbeit.