Gebündelte Erforschung von Volkskrankheiten

Was haben Krebs, Demenz, Infektionen, Diabetes sowie Erkrankungen von Herz-Kreislauf und Lunge gemeinsam? Es sind weit verbreitete Volkskrankheiten. Die Gesundheitsforschung entwickelt neue Wege zur Behandlung und Vorbeugung.

Eine gute Nachricht: Dank verbesserter Lebensbedingungen und einer guten medizinischen Versorgung werden wir immer älter. Schätzungen zufolge wird in Deutschland im Jahr 2050 jeder Dritte 65 Jahre oder älter sein. Doch mit der wachsenden Lebenserwartung steigt auch der Bedarf an medizinischem Fortschritt. Die Zahl der Menschen, die an Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, steigt weiter an. Dies stellt die medizinische Forschung und Versorgung vor neue Herausforderungen. Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, hat das Bundesforschungsministerium gemeinsam mit den Ländern seit 2009 stufenweise neue Forschungsstrukturen geschaffen: die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung.

Dank verbesserter Lebensbedingungen und einer guten medizinischen Versorgung werden wir immer älter. © DLR Projektträger / BMBF

Deutschlandweit arbeiten die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam daran, die wichtigsten Volkskrankheiten zukünftig wirksamer zu bekämpfen. Denn die großen Fragen der Gesundheitsforschung können nur disziplin- und einrichtungsübergreifend sowie mit einer langfristigen Strategie gelöst werden. Die Finanzierung der Deutschen Zentren ist langfristig angelegt und erfolgt zu 90 Prozent durch den Bund. Jedes Land finanziert die bei ihm ansässigen Einrichtungen mit einem anteiligen Beitrag in Höhe von zehn Prozent. Von 2009 bis 2014 förderten Bund und Länder den Aufbau der Deutschen Zentren mit über 600 Millionen Euro. Aktuell werden jährlich rund 250 Millionen Euro für die Deutschen Zentren bereitgestellt.

Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung

Die sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) erforschen besonders bedeutsame Volkskrankheiten. Sie bestehen aus mehreren Partnerstandorten. Es werden folgende Zentren gefördert:

Forschung für den Menschen

Ein Ziel der Deutschen Zentren: Forschungsergebnisse sollen in Zukunft schneller aus den Forschungslaboratorien in die medizinische Versorgung gelangen.

  • Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung
  • Deutsches Zentrum für Diabetesforschung
  • Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung
  • Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
  • Deutsches Zentrum für Lungenforschung
  • Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

In den einzelnen Zentren arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Universitäten, Universiätskliniken, der Helmholtz- Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft und den Ressortforschungseinrichtungen fachübergreifend zusammen. Die Mitglieder der Deutschen Zentren sind nicht nur intern innerhalb der jeweiligen Zentren, sondern auch darüber hinaus vernetzt mit den anderen Zentren und auch weiteren universitären und außeruniversitären Partnern in Deutschland. Die Forschungsaktivitäten in den Zentren zielen auf eine verbesserte Vorsorge, Diagnose und Therapie bis hin zu Konzepten für individualisierte Behandlungen.

Translation: Forschungsergebnisse schneller nutzbar machen

Der Leitgedanke der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung ist: Forschungsergebnisse sollen in Zukunft schneller und effektiver aus den Forschungslaboratorien in die medizinische Versorgung – zu den Menschen – gelangen. Denn oft dauert dieser als Translation bezeichnete Prozess noch zu lange.

Eine effiziente Translationsforschung macht die Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Unternehmen notwendig. Die DZG legen deshalb einen Schwerpunkt auf die Verwertbarkeit von Forschungsergebnissen und kooperieren mit Unternehmen. Die langfristig angelegte Förderung der DZG stärkt somit auch das Innovationspotential der deutschen Gesundheitswirtschaft.

Beratungsgremien, die mit international hochrangigen Expertinnen und Experten besetzt sind, begleiten die Arbeit der DZG. Hierdurch soll garantiert werden, dass die Zentren an der Spitze des wissenschaftlichen Fortschritts bleiben. In regelmäßigen Abständen evaluieren externe, ebenfalls international besetzte Begutachtungsgremien die Zentren mit Blick auf wissenschaftliche Exzellenz und strategische Ausrichtung.

Neben den DZG fördert das Ministerium in der krankheitsbezogenen Projektförderung die Erforschung weiterer Volkskrankheiten. So wird beispielsweise ein bundesweites Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen und eines zu muskuloskelettalen Erkrankungen gefördert.