Geistes- und Sozialwissenschaften weltweit

Mit dem neuen Rahmenprogramm “Gesellschaft verstehen – Zukunft gestalten“ unterstützt das Bundesforschungsministerium die Disziplinen darin, sich in den internationalen Diskurs einzubringen.

Symbolbild für globale Vernetzung
Symbolbild für globale Vernetzung © Thinkstock

Eingebunden in die Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung richtet sich die Internationalisierung in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowohl darauf, die fachliche Kompetenz über Regionen der Welt zu stärken, als auch Forschungskooperationen über Ländergrenzen hinaus zu fördern, und die Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu unterstützen.

Transatlantik-Plattform

Die Transatlantik-Plattform (T-AP) ist ein Zusammenschluss von Forschungsförderern im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften aus Südamerika, Nordamerika und Europa. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, transatlantische Forschungsverbünde zu unterstützen. Mit Hilfe von internationalen Expertinnen und Experten werden gemeinsame gesellschaftliche Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auf beiden Seiten des Atlantiks identifiziert. Auf der Grundlage von Bekanntmachungen werden Forschungsverbünde gefördert, die zu den identifizierten Herausforderungen forschen. So veröffentlichte die T-AP 2016 eine erste Bekanntmachung zum Thema “Digging into Data”. Gefördert werden Forschungsprojekte, die "Big Data"-Ansätze, also Techniken zur großformatigen digitalen Datenanalyse, verwenden, um neue und innovative Zugänge zu spezifisch sozial- und geisteswissenschaftliche Fragestellungen zu erschließen. Im Rahmen einer zweiten Bekanntmachung werden transatlantische Forschungsprojekte zum Themenfeld „Social Innovation“ gefördert. Die von einem international zusammengesetzten Gutachtergremium ausgewählten Projekte werden in Kürze ihre Arbeit aufnehmen. Hervorgegangen ist die Transatlanik-Plattform aus einer Förderung der Europäischen Kommission in den Jahren 2013 bis 2016. Aufgrund des Erfolgs der T-AP haben sich die an ihr beteiligten Organisationen nach Auslaufen der EU-Förderung darauf verständigt, die Plattform nicht nur weiterzuführen, sondern auszubauen und so letztlich eine gemeinsame, transatlantische Kultur in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu entwickeln und nachhaltig zu stärken.

Regionalstudien

Unsere Gegenwart ist davon geprägt, dass Weltregionen zunehmend miteinander verflochten sind: von politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen bis hin zu kulturellen, religiösen oder sozialen, von Beziehungen zwischen Staaten und Gesellschaften bis hin zu Kooperationen zwischen zivilgesellschaftlichen oder nichtstaatlichen Akteuren, Gruppen oder Individuen. Diese Verflechtungen müssen erforscht, dokumentiert und interpretiert werden, damit Deutschland in der Welt verantwortungsvoll handeln kann.

Antworten auf viele große, grenzüberschreitende Fragen können nur in internationaler Zusammenarbeit gefunden werden. Das BMBF hat seit nunmehr zehn Jahren mit zwei umfangreichen Fördermaßnahmen die Regionalstudien in Deutschland unterstützt und ihre Verankerung im Wissenschaftssystem nachhaltig gestärkt. Diese Förderung trug wesentlich dazu bei, dass Fragen der Globalisierung und des gesellschaftlichen Wandels sowie Themen zahlreicher Weltregionen in der deutschen Forschung umfassend behandelt werden. Darauf aufbauend wird das BMBF regionalwissenschaftliche Forschungen an deutschen Hochschulen weiter unterstützen. Zugleich sollen neue Möglichkeiten geschaffen werden, die wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnisse an Entscheidungsträger aus Gesellschaft und Politik, Kultur und Medien zu vermitteln.

Gemeinsam forschen in Europa: HERA

Damit Forschende aus den Geisteswissenschaften leichter international kooperieren können und geisteswissenschaftliche Forschung im Europäischen Forschungsraum und in den EU-Forschungsförderungsprogrammen besser verankert werden kann, wurde das europäische Netzwerk HERA Humanities in the European Research Area gegründet. In diesem Netzwerk entwickelt das BMBF mit Forschungsförderern aus über 20 Ländern in Europa gemeinsame Forschungsprogramme und setzt sie über HERA – mit Unterstützung der Europäischen Kommission – in unterschiedlichen Länderkonstellationen in gemeinsame Bekanntmachungen um.

Öffentlicher Raum und Integrationsprozess

Die jüngste HERA-Förderbekanntmachung aus dem Sommer 2017 beschäftigt sich mit dem öffentlichen Raum: Unter dem Titel  „Public Spaces – Culture and Integration in Europe“/ "Öffentliche Räume: Kultur und Integration in Europa" liegt der Schwerpunkt auf dem Zusammenhang zwischen Raum/Räumlichkeit, kulturellen Dynamiken und gesellschaftlichen (Des)Integrationsprozessen. Im Mai 2019 starten 20 Projekte, darunter 14 Teilprojekte aus Deutschland.

Geschichte(n) erzählen, schreiben – und nutzen

"Uses of the Past", "Vergangenheitsnutzung(en)" – Das ist der Fokus des HERA-Förderprogramms aus dem Jahr 2015. Wer bedient sich der Vergangenheit, konstruiert oder rekonstruiert Geschichte, in welchen Kontexten geschieht eine Reinterpretation von Vergangenem und Erinnerung, und zu welchen Zwecken? Die Beschäftigung mit diesen Fragen soll helfen, gesellschaftliche Transformationen besser zu verstehen und nachzuvollziehen, wie Nutzungen von Geschichte – von individuellen Narrationen bis zu kollektiven Erzähltraditionen – in mannigfaltigster Weise in gesellschaftliche Handlungs- und Reflektionsprozesse eingewoben sind. Im Herbst 2016 starteten 18 internationale Forschungsverbünde, darunter 12 mit deutscher Beteiligung, und forschen zu jenen Fragen aus Geschichte, Politik und Kultur.

Die Wirkung kultureller Begegnungen

Im HERA Förderprogramm "Cultural Encounters" oder "Kulturelle Verflechtungen" arbeiteten 2013-2016 18 Verbünde aus den Geisteswissenschaften inter- und transdisziplinär zu Fragen der kulturellen Verflechtungen und Begegnungen in Geschichte und Gegenwart.

Die Themen umkreisen kulturelle Verflechtungen innerhalb und außerhalb Europas. Sie reichten von Musikerkarrieren im Barock über Kriegserfahrungen im 1. Weltkrieg und Gewaltinterventionen für Frauen und Kinder über religiöse Kultur in Amsterdam, Berlin und London bis hin zur Netzwerkanalyse indigener Völker in der Karibik und den Wegen alleinstehender Frauen in asiatischen Großstädten.

Der Forschungsverbund „Bilderfahrzeuge - Aby Warburg's Legacy and the Future of Iconology

Der internationale Forschungsverbund "Bilderfahrzeuge – Warburg’s Legacy and the Future of Iconology" arbeitet in Anlehnung an Aby Warburgs Konzept der "Bildwanderung" zu Migrationsprozessen in der bildenden Kunst. Das Projekt, dessen Zentrum am Warburg Institute der Universität London angesiedelt ist, wird getragen von der Max Weber Stiftung, dem Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, dem Kunsthistorischen Max-Planck-Institut in Florenz und dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg, in Zusammenarbeit mit der Universität Basel. In enger Kooperation untersucht der Verbund, wie Bilder, Formen und Ideen durch die verschiedenen Kulturen migrieren und in ihren zeitlichen, räumlichen sowie in ihren bedeutungs- und ideenbezogenen Dimensionen die Bildkulturen beeinflussen oder selbst beeinflusst werden. Nach einer ersten fünfjährigen Laufzeit arbeitet das Projekt seit 2018 in der zweiten Förderperiode.

Nationale Kontaktstelle Gesellschaft: Kompetente Beratung zum EU Rahmenprogramm für Forschung und Innovation – Horizont 2020

Mit der Nationalen Kontaktstelle (NKS) Gesellschaft stellt das BMBF eine Beratungsinfrastruktur zur Verfügung, die die deutsche Wissenschaftsgemeinde der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften hinsichtlich einer Teilnahme am EU Rahmenprogramm für Forschung und Innovation – Horizont 2020 – unterstützt. Zu den Serviceleistungen der NKS Gesellschaft gehören u.a.:

- Information zu aktuellen Ausschreibungen und Teilnahmekriterien
- Durchführung von individueller Antragsberatung
- Organisation von zielgruppen- und themenspezifischen Veranstaltungen, wie z.B. „Impact-Workshop“, „Antragswerkstatt“ etc.
- Unterstützung bei der Suche nach europäischen/internationalen Projektpartnern.