Geistes- und Sozialwissenschaften weltweit

Internationalisierung gehört zu den Kernzielen des Rahmenprogramms für Geistes- und Sozialwissenschaften. Das Bundesforschungsministerium unterstützt die Disziplinen darin, sich in den internationalen Diskurs einzubringen.

Symbolbild für globale Vernetzung
Symbolbild für globale Vernetzung © Thinkstock

Als ein Kernziel ist die Internationalisierung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften Bestandteil der Förderpolitik des Bundesforschungsministeriums. Eingebunden in die Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung richtet sie sich sowohl darauf, die fachliche Kompetenz über Regionen der Welt zu stärken, als auch Forschungskooperationen über Ländergrenzen hinaus zu fördern und die Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu unterstützen.

Transnationale Aktivitäten steigern die Kompetenz

Mit dem Schwerpunkt "Stärkung und Weiterentwicklung der Regionalstudien" (area studies) wird die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung über Länder und Regionen der Welt an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen gefördert. Die in Deutschland vorhandene "Fernkompetenz" soll durch neue Formen der Kooperation gebündelt, weiterentwickelt und erprobt werden.

Die BMBF-Förderung der Regionalstudien trägt wesentlich dazu bei, dass Fragen der Globalisierung sowie Themen sämtlicher Weltregionen in der deutschen Forschung angemessen behandelt werden. Der Bedarf an Wissen über fremde Regionen wächst stetig. Entsprechend eröffnen Forschung und Ausbildung in den Regionalstudien vielfältige Anwendungsfelder.

Gemeinsam forschen in Europa: HERA

Damit Forschende aus den Geisteswissenschaften leichter international kooperieren können und geisteswissenschaftliche Forschung im Europäischen Forschungsraum und in den EU-Forschungsförderungsprogrammen besser verankert werden kann, wurde das europäische Netzwerk HERA Humanities in the European Research Area gegründet. In diesem Netzwerk entwickelt das BMBF mit Forschungsförderern aus über 20 Ländern in Europa gemeinsame Forschungsprogramme und setzt sie über HERA – mit Unterstützung der Europäischen Kommission – in unterschiedlichen Länderkonstellationen in gemeinsame Bekanntmachungen um.

Eine neue HERA-Förderbekanntmachung zum Thema „Public Spaces – Culture and Integration in Europe“/ "Öffentliche Räume: Kultur und Integration in Europa" ist im Sommer 2017 erschienen. Die geisteswissenschaftlich orientierte Bekanntmachung fokussiert den Zusammenhang zwischen Raum/Räumlichkeit, kulturellen Dynamiken und gesellschaftlichen (Des)Integrationsprozessen, mit Schwerpunkt auf Fragen, die das Zusammenleben in Europa betreffen. Erfolgreich evaluierte Projekte werden ab Mai 2019 ihre zwei- bis dreijährigen Arbeiten aufnehmen.

Geschichte(n) erzählen, schreiben – und nutzen

"Uses of the Past", "Vergangenheitsnutzung(en)" – Das ist der Fokus des HERA-Förderprogramms aus dem Jahr 2015. Wer bedient sich der Vergangenheit, konstruiert oder rekonstruiert Geschichte, in welchen Kontexten geschieht eine Reinterpretation von Vergangenem und Erinnerung, und zu welchen Zwecken? Die Beschäftigung mit diesen Fragen soll helfen, gesellschaftliche Transformationen besser zu verstehen und nachzuvollziehen, wie Nutzungen von Geschichte – von individuellen Narrationen bis zu kollektiven Erzähltraditionen – in mannigfaltigster Weise in gesellschaftliche Handlungs- und Reflektionsprozesse eingewoben sind. Im Herbst 2016 starteten 18 internationale Forschungsverbünde, darunter 12 mit deutscher Beteiligung, und forschen zu jenen Fragen aus Geschichte, Politik und Kultur.

Die Wirkung kultureller Begegnungen

Im HERA Förderprogramm "Cultural Encounters" oder "Kulturelle Verflechtungen" arbeiteten 2013-2016 18 Verbünde aus den Geisteswissenschaften inter- und transdisziplinär zu Fragen der kulturellen Verflechtungen und Begegnungen in Geschichte und Gegenwart.

Die Themen umkreisen kulturelle Verflechtungen innerhalb und außerhalb Europas. Sie reichten von Musikerkarrieren im Barock über Kriegserfahrungen im 1. Weltkrieg und Gewaltinterventionen für Frauen und Kinder über religiöse Kultur in Amsterdam, Berlin und London bis hin zur Netzwerkanalyse indigener Völker in der Karibik und den Wegen alleinstehender Frauen in asiatischen Großstädten.

Der Forschungsverbund „Aby Warburgs 'Bilderfahrzeuge“

Der internationale Forschungsverbund "Bilderfahrzeuge – Warburg’s Legacy and the Future of Iconology" arbeitet seit 2013 mit den Beständen der "Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg" (K.B.W.) zu Aby Warburgs Konzept der "Bildwanderung". Das Projekt wird vom BMBF für fünf Jahre gefördert und bringt das Deutsche Forum für Kunstgeschichte der Max Weber Stiftung in Paris, das Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, das Kunsthistorische Max-Planck-Institut in Florenz und das Kunstgeschichtliche Seminar der Universität Hamburg zusammen. In enger Kooperation mit dem Warburg Institut der Universiät London, an der die K.B.W. angesiedelt ist, untersucht der Verbund, wie Bilder die verschiedenen Kulturräume in ihren zeitlichen, räumlichen sowie in ihren bedeutungs- und ideenbezogenen Dimensionen beeinflussen und wie Bilder selbst beeinflusst werden.