"Gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft begegnen"

Seit 50 Jahren arbeiten Deutschland und Israel in der Berufsbildung zusammen. Der fachliche Austausch trage dazu bei, dass beide Staaten ihren Wohlstand auch in Zukunft bewahren und weiter ausbauen könnten, sagt Staatssekretär Rachel.

"Es ist uns wichtig, die israelisch-deutsche Freundschaft zu hegen und zu pflegen. Sie beruht auf einem gemeinsamen Wertefundament.", so Thomas Rachel. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel (MdB), anlässlich der 50-jährigen Jubiläumsfeier des Deutsch-Israelischen Programms zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung am 9. September 2019 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte, liebe Frau Büdenbender,

sehr geehrter Herr Botschafter,

liebe israelischen Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

ganz herzlich begrüße ich Sie auch im Namen von Bundesministerin Karliczek, die morgen zu Ihnen stoßen wird, zur Feier des 50-jährigen Geburtstages des Deutsch-Israelischen Programms zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung.

Ich freue mich, dass Sie so zahlreich unserer Einladung gefolgt sind, um heute Abend das Jubiläum dieses Programms, inklusive vielen Möglichkeiten für interessante Gespräche und Kontakte, zu begehen. Ganz besonders freue ich mich, Frau Elke Büdenbender, Ehefrau von Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier  begrüßen zu dürfen. Ganz herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, heute bei uns zu sein. Bundespräsident Steinmeier hat die Schirmherrschaft über die heutige und morgige Veranstaltung übernommen. Dies zeigt einmal mehr, welch hohe Bedeutung den Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland auch an allerhöchster Stelle eingeräumt wird.

Diese Wertschätzung unserer Beziehung und des Programms in der Berufsbildung wird durch Ihre Teilnahme, sehr geehrter Herr Botschafter Issacharoff und sehr geehrte Frau Kam, gespiegelt. Auch Sie, Herr Botschafter und Ihre Gattin, heiße ich herzlich willkommen und danke sehr für Ihre Teilnahme.

Gleichermaßen freue ich mich, dass auch viele unserer Kolleginnen und Kollegen des Programms so zahlreich aus Israel angereist sind, um heute und morgen mit uns zu feiern. Besonders begrüße ich Herrn Mordechai Elisha, Abteilungsleiter in unserem israelischen Partnerministerium, dem Arbeitsministerium.

Deutschland und Israel verbinden heute nicht nur enge diplomatische Beziehungen, sondern auch starke Partnerschaften im Bereich Bildung und Forschung. Dafür sind wir sehr dankbar und auch ein wenig stolz, dass es gelungen ist, über viele Jahre hinweg eine Zusammenarbeit aufzubauen, die von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist und sowohl im Bereich Bildung, als auch im Bereich Forschung zu den intensivsten und erfolgreichsten Kooperationen gehört, die Deutschland unterhält.

Wir alle leben in einer globalisierten Welt, in der kein Land mehr die großen Herausforderungen alleine lösen kann. Um nur einige Beispiele zu nennen: Klimawandel, Energieversorgung, Digitalisierung, Sicherheit  – nur wenn wir eng in einem regelbasierten soweit als möglich auch multilateralen Ansatz zusammenarbeiten, werden wir diese Probleme lösen können.

Besonders in der Arbeitswelt erleben die Menschen tagtäglich die Herausforderungen stetigen Wandels bedingt durch Automatisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Auch die Unternehmen erleben diesen Wandel sehr stark– insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen sehen sich hier mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Die neuen Technologien sind aus unserer modernen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Der digitale Wandel bietet viele Chancen, beeinflusst aber auch nachhaltig unsere Art zu leben und zu arbeiten.

In Deutschland wie in Israel müssen wir dieser Herausforderung insbesondere auch mit geeigneten Maßnahmen im Bereich Aus- und –Weiterbildung begegnen. Denn wenn die Arbeit sich verändert, brauchen wir andere Kompetenzen. In Deutschland unterstützen wir dies, indem wir die Ausbildung entsprechend modernisieren, großen Wert auf Weiterbildung legen und dafür werben, mehr junge Menschen für eine Berufsausbildung zu interessieren.

Deutschland hat eine lange Erfahrung mit der dualen Ausbildung. Die berufliche Bildung in Deutschland ist ein ausgesprochenes Erfolgsmodell. Für die Unternehmen ist die Berufsbildung zur Sicherung des Fachkräftebedarfs unverzichtbar. Aus diesem Grund beteiligen sie sich mit einem sehr hohen Anteil an der Finanzierung des Berufsbildungssystems. Für die Jugendlichen schafft es verlässlich gute Chancen für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn.

Israel ist u.a. bei den digitalen Technologien ganz vorne mit dabei und nimmt hier in vielen Bereichen weltweit eine Vorreiterrolle ein. Israel verfügt darüber hinaus über eine langjährige Erfahrung mit der Integration von Einwanderern in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft, von der deutsche Initiativen auch bei der Integration von Flüchtlingen in Berufsbildung und in den Arbeitsmarkt viel lernen können.

Aufgrund der gemeinsamen Herausforderungen und den jeweiligen Stärken unserer Länder sind der fachliche Austausch und das voneinander Lernen von besonderer Bedeutung. So finden im Rahmen unseres gemeinsamen Programms regelmäßig Wissens- und Erfahrungsaustausche in Form von Auszubildendenaustauschen, gemeinsamen Kooperationsprojekten aus Wissenschaft und Praxis, gegenseitigen Studienreisen, Seminaren und Konferenzen statt.

Besonders betonen möchte ich an dieser Stelle die regelmäßigen Austausche von Berufsbildungspersonal und jungen Auszubildenden. Unser gemeinsames Programm bietet Berufsbildungspersonal, -expertinnen und –experten sowie seit 2012 auch Auszubildenden die Möglichkeit, Lernaufenthalte im jeweiligen Partnerland zu verbringen. Davon profitieren beide Seiten fachlich, aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern werden gestärkt.

Seit einiger Zeit beobachten wir ein steigendes Interesse an internationalen Lernaufenthalten im Rahmen der beruflichen Erstausbildung und Weiterbildung. Der Deutsche Bundestag hat das Ziel verkündet, dass 10% aller Auszubildenden einen lernbezogenen Auslandsaufenthalt durchlaufen sollten. Wir sind dabei auf gutem Wege. Das ist nicht ganz einfach, weil in Deutschland der entsendende Betrieb die jungen Menschen freistellen muss. Nach letzten Schätzungen durchlaufen derzeit immerhin schon rund 7% einen solchen Aufenthalt. Dadurch werden den Auszubildenden internationale Kompetenzen vermittelt, die sich auf dem global ausgerichteten Arbeitsmarkt zu Schlüsselkompetenzen entwickeln. Auch erfahrenes Berufsbildungspersonal kann von einem solchen Blick über den Tellerrand profitieren: Es erweitert seine ausgeprägte Methodenkompetenz, indem es einen Einblick in andere Arbeits- und Ausbildungskulturen erhält.

Der Austausch in der beruflichen Bildung, der fachliche Austausch und das voneinander lernen tragen dazu bei, dass beide Staaten ihren Wohlstand und ihre Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft bewahren und weiter ausbauen können. Dieser Zielsetzung tragen die vielfältigen Aktivitäten im Deutsch-Israelischen Programm zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung Rechnung. Darüber hinaus leistet das Programm einen Beitrag dazu, die deutsch-israelischen Beziehungen mit Leben und Inhalten zu füllen. Das interkulturelle Zusammenarbeiten und die Erweiterung des Horizonts sind dabei bis heute von besonderer Bedeutung. Denn solange wir noch mit Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus konfrontiert sind, müssen wir ganz besonders beherzt für ein tolerantes Miteinander, ein gutes Zusammenleben der Religionen und den kulturellen Austausch eintreten. Auch deswegen ist dieses Programm so wichtig, auch deswegen müssen insbesondere junge Menschen das jeweils andere Land mit seiner Vielfalt und den verschiedenen Religionen kennenlernen.

Es ist uns wichtig, die israelisch-deutsche Freundschaft zu hegen und zu pflegen. Sie beruht auf einem gemeinsamen Wertefundament. Auch zukünftig wollen wir die deutsch-israelische Partnerschaft stärken und gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft begegnen. Der Austausch in der beruflichen Bildung bildet hierfür einen wichtigen Grundstein.

Unsere Jubiläumsfeier bietet am heutigen Abend, aber auch während der morgigen Festveranstaltung die Möglichkeit, zurückzublicken, sich über das Erreichte zu informieren aber vor allem auch gemeinsam nach vorne zu blicken und zu schauen, wie wir weiterhin durch unsere gemeinsamen Vorhaben ein klein wenig zu einem guten Miteinander und zur weiteren Wohlfahrt unserer Bürgerinnen und Bürger beitragen können.

Ich wünsche Ihnen allen viele interessante Begegnungen, gute Kontakte und viele Möglichkeiten zum Austausch auch unter alten Bekannten.

Ich freue mich sehr auf den Abend mit Ihnen und darf jetzt S.E. Herrn Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Jeremy Issacharoff, bitten das Wort zu ergreifen.