Gemeinsam forschen im Kampf gegen Krankheiten in Entwicklungsländern

Produktentwicklungspartnerschaften haben das Ziel, kostengünstige Medikamente gegen armutsbedingte Krankheiten zu entwickeln und Wissenschaftler mit Unternehmen aus der ganzen Welt zusammenzubringen.

Untersuchung von Malaria-Proben: Die Wissenschaftler der Produktentwicklungspartnerschaft "Foundation for Innovative New Diagnostics" (FIND). © FIND/Xavier Ding

Mehr als eine Milliarde Menschen leiden an armutsbedingten und vernachlässigten Krankheiten wie Dengue, Chagas oder zahlreichen Wurmerkrankungen. Diese Infektionen machen rund 90 Prozent der globalen Krankheitslast aus. Aber nur jedes zehnte Medikament wirkt gegen die armutsbedingten Krankheiten. Denn jahrzehntelang sind gegen Infektionskrankheiten in den Entwicklungsländern kaum neue Medikamente entwickelt worden. Wirtschaftsschwache Regionen stellen für Pharmaunternehmen keinen Absatzmarkt dar. Die Bundesregierung hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen in den Entwicklungsländern durch gezielte Forschungsförderung zu verbessern.

Um im Kampf gegen armutsbedingte Krankheiten erfolgreich zu sein, setzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf Produktenwicklungspartnerschaften („PDPs“ für Product Development Partnerships). Das sind internationale Bündnisse von öffentlichen und privaten Förderern. Gemeinsam engagieren sie sich dafür, Medikamente, Impfstoffe und Diagnoseverfahren gegen armutsbedingte und vernachlässigte Krankheiten zu entwickeln und zu geringen Kosten den Menschen in einkommensschwachen Ländern bereitstellen. Sie arbeiten nicht profitorientiert.

Um die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen, bringen die Partnerschaften Experten aus unterschiedlichen Branchen zusammen: Akademischen Institute, öffentlichen Forschungseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und forschenden Pharma-Unternehmen bündeln ihre Kompetenzen im Kampf gegen armutsbedingte Krankheiten.

Ein Arzt versucht Ganglien zu ertasten. Sie sind ein Symptom der Schlafkrankheit. © Benoît Marquet

Vor allem Kindern muss geholfen werden

Die Produktentwicklungspartnerschaften werden von mehreren Förderern finanziell unterstützt – auch vom Bundesforschungsministerium. Sie sind eine Säule im Förderkonzept „Globale Gesundheit im Mittelpunkt der Forschung“ des Bundesforschungsministeriums.

Derzeit werden vier PDPs unterstützt. Sie forschen zu Chagas, Dengue, Bilharziose und Elefantiasis, sowie zu Krankheiten, die zu einer hohen Sterblichkeit von Kindern in Entwicklungsländern führen, wie beispielsweise bakterielle Pneumonie und Meningitis, Durchfallerkrankungen oder Malaria. Die vom Bundesforschungsministerium unterstützten Partnerschaften sind:

  • Damit Kindern geholfen werden kann: Die Partnerschaft "Drugs for Neglected Diseases Initiative" (DNDi) arbeitet daran, neue Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten zu finden, unter anderem zur Behandlung von Chagas, Malaria und HIV bei Kindern.
  • Im Kampf gegen das Dengue-Fieber: Die „Dengue Vaccine Initiative“ (DVI) ist ein internationales Konsortium unter südkoreanischer Führung, das an einen Impfstoff gegen das Dengue-Virus arbeitet.
  • Neue Medikamente auf den Markt bringen: Die in Heidelberg ansässige „European Vaccine Initiative“ (EVI) hat das Ziel, wirksame, zugängliche und erschwingliche Impfstoffe gegen Malaria und andere armutsassoziierte Krankheiten zu entwickeln.
  • Für schnellere und genauerer Diagnosen: Die „Foundation for Innovative New Diagnostics“ (FIND) entwickelt innovative Diagnostika für mehrere Krankheiten wie Tuberkulose, Leishmaniose und Schlafkrankheit. Während der Ebola-Krise in Westafrika hat die Produktentwicklungspartnerschaft entscheidend dazu beigetragen, zügig geeignete Testmethoden einzusetzen.

Neues Förderkonzept zu armutsbedingten Krankheiten

Als ein Ergebnis der G7-Wissenschaftsministerkonferenz  im Oktober 2015 in Berlin hat das BMBF sein strategisches Förderkonzept zu vernachlässigten und armutsassoziierten Krankheiten von 2011 aktualisiert und unter dem Titel "Globale Gesundheit im Mittelpunkt der Forschung" mit neuen Schwerpunkten versehen. Im Rahmen des aktualisierten Förderkonzepts hat das Bundesforschungsministerium eine zweite Förderrunde für Produktentwicklungspartnerschaften bekanntgeben. Bereits zwischen den Jahren 2011 und 2015 wurden Produktentwicklungspartnerschaften mit rund 25 Millionen Euro gefördert. Für die zweite Förderrunde werden die Mittel für die nächsten fünf Jahre auf rund 50 Millionen Euro verdoppelt. Zusätzlich wird das Bundesforschungsministerium weiter die nationale Forschungslandschaft stärken und die Entwicklungsländer dabei unterstützen, eigene Gesundheitsnetze aufzubauen.

"Wir engagieren uns noch stärker für die globale Gesundheit, denn Gesundheit ist ein Menschenrecht, auch in den ärmsten Regionen der Erde. Wir brauchen dringend neue Medikamente, Impfstoffe und Diagnoseverfahren. Das Förderkonzept wird dazu beitragen, armutsassoziierte Krankheiten wirksamer zu bekämpfen."

Johanna Wanka, Bundesforschungsministerin