Gemeinsam für die Zukunft einer Generation

Wie wichtig europäische Kooperationen in der Berufsausbildung sind, darüber hat Bundesbildungsministerin Johanna Wanka auf einer Podiumsdiskussion gesprochen. Das deutsche Modell der dualen Berufsausbildung ist ein Vorbild für andere Länder Europas.

Mehr Chancen für Europas Jugend: Bundesministerin Johanna Wanka auf der Podiumsdiskussion in Berlin. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Unter dem Titel „Mehr Chancen für Europas Jugend“ hat Bundesbildungsministerin Johanna Wanka mit Vertretern von Verbänden und Unternehmen zur Zukunft der beruflichen Bildung in Europa diskutiert. Die Podiumsdiskussion in Berlin war von der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Hans-Böckler-Stiftung, der Vodafone Stiftung und dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln veranstaltet worden. Hintergrund der Diskussion war eine von den vier Partnern gemeinsam in Auftrag gegebene Vergleichsstudie zu den Berufsbildungssystemen in Italien, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz und Großbritannien.

Das Ergebnis der Vergleichsstudie: Einige Länder haben praxisnahe Ausbildungssysteme, bei denen Betriebe als Ausbilder eine wichtige Rolle übernehmen, während andere Länder schulische und weniger praxisnahe Modelle verfolgen. Die Erhebung hat auch gezeigt, dass junge Menschen mit einer anwendungsorientierten Berufsausbildung schneller eine Anstellung finden. In Ländern mit einer dualen Berufsausbildung ist die Jugendarbeitslosigkeit geringer. Anknüpfend an die Ergebnisse dieser Studie war die zentrale Frage, der sich Bundesministerin Johanna Wanka, Elke Hannack (DGB), Hans Peter Wollseifer (Zentralverband des Deutschen Handwerks), Helga Ellul (Playmobil Malta) und Marion Palme (Sanofi-Aventis) gestellt haben: Wie kann Europa ein Bildungsraum werden, in dem alle Länder voneinander und miteinander lernen können?

Praxisnahe Ausbildung sichert berufliche Chancen

Die duale Berufsausbildung in Deutschland gilt als Erfolgsmodell: Die Unternehmen treten als Ausbilder aus und vermitteln ihren Auszubildenden solides Fachwissen. Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland ist nicht zuletzt dank der dualen Berufsausbildung im europäischen Vergleich besonders niedrig: Nur rund 7 Prozent der Jugendlichen in Deutschland sind ohne Beschäftigung. Der EU-Durchschnitt liegt bei rund 20 Prozent.

Weil die duale Berufsausbildung zu hoher Beschäftigung führt, ist das deutsche Modell ein Vorbild für andere europäische Länder. Das Bundesbildungsministerium unterhält Kooperation zur Beruflichen Bildung mit fünf europäischen Ländern: Griechenland, Italien, Lettland, Portugal und die Slowakei. Im Dezember 2012 hat Deutschland mit diesen Staaten vereinbart gemeinsam Wege zu finden, die duale Berufsausbildung auch im jeweiligen Partnerland einzuführen.

Voneinander und miteinander lernen

Drei Jahre der intensiven Zusammenarbeit zeigen erste Erfolge: In der Slowakei zum Beispiel ist zum 1. September 2015 pilothaft die „Duale Verbundausbildung“ in der Region Nove Mesto gestartet. Deutschland hat Hand in Hand mit dem slowakischen Bildungsministerium und der Regionalregierung sowie fünf Unternehmen daran gearbeitet, dass 26 Jugendliche im September eine duale Ausbildung zum Industriemechaniker beginnen konnten. Bereits zuvor hat das Bundesbildungsministerium das slowakische Partnerministerium bei der Einführung eines neuen Berufsbildungsgesetzes beraten – es ist nur ein Beispiel für das deutsche Engagement, andere europäische Staaten bei der Reform der Berufsausbildung zu begleiten.

Auch über die europäischen Kooperationsländer hinweg besteht Interesse am deutschen Bildungssystem: Das Staatsoberhaupt Belgiens, König Philippe, hat im März 2015 das Bundesbildungsministerium in Berlin besucht, um sich über die Berufsausbildung in Deutschland zu informieren und mit Experten zu diskutieren, wie man die Situation in Belgien verbessern kann.