Gemeinsam Wissen schaffen

Mit einer neuen Förderung will das BMBF die Bürgerwissenschaften voranbringen  / Müller: "Von Citizen Science profitieren alle Beteiligten"

Erstmals fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gezielt Forschungsprojekte, an denen maßgeblich Bürgerinnen und Bürger beteiligt sind. Bürgerwissenschaften, auch Citizen Science genannt, liefern der Forschung bereits detaillierte und umfangreiche Informationen, geben wichtige Impulse für Forschungsfragen und Rückmeldungen zur Relevanz und Anwendbarkeit von wissenschaftlichen Ergebnissen. Dies möchte das BMBF mit der neuen Förderung weiter ausbauen und auch methodisch voranbringen. Ziel ist es, den direkten Austausch zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Forschenden zu stärken, neue wissenschaftliche Fragestellungen zu ermöglichen und die Bürgerwissenschaften insgesamt weiterzuentwickeln.

"Immer mehr Menschen entdecken in ihrer Freizeit die Wissenschaft für sich, beobachten seltene Tiere, erforschen die Geschichte ihrer Stadt oder messen Klimaphänomene. Bürgerinnen und Bürger wollen zunehmend nicht mehr nur über Ergebnisse informiert, sondern in den Forschungsprozess eingebunden werden. Diesen Austausch zwischen Zivilgesellschaft und Wissenschaft möchte das Bundesforschungsministerium vertiefen. Unsere neue Förderung gilt deshalb Projekten, die Menschen unabhängig von ihrem Bildungshintergrund für Wissenschaft begeistern können. Von der Zusammenarbeit können alle Beteiligten profitieren", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Stefan Müller.

Die Förderrichtlinie richtet sich an Projekte von Hochschulen sowie außeruniversitären Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen, die Laien oder Vertreter der organisierten Zivilgesellschaft direkt in die Forschungsarbeit einbinden. Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern können dabei sowohl kurzfristig Daten erhoben und ausgewertet als auch mittel- und langfristig Forschungsfragen und Methoden entwickelt werden. Ziel der über drei Jahre angelegten Förderung ist es, das Gebiet der Bürgerwissenschaften durch ausgewählte Projekte zu stärken. Dafür stellt das BMBF zwischen 2017 und 2019 vier Millionen Euro bereit.

Die strukturelle Verbreitung von Bürgerwissenschaften wird vom BMBF bereits mit zwei zentralen Vorhaben vorangebracht. Über das Webportal www.buergerschaffenwissen.de werden Citizen Science-Projekte in Deutschland vorgestellt und interessierte Bürgerinnen und Bürger mit Forschenden vernetzt. Zudem unterstützte das BMBF einen übergreifenden Agenda-Prozess (GEWISS), der von Akteuren aus Forschung, Bildung, Politik und organisierter Zivilgesellschaft getragen wird. Ein Ergebnis dieses Agenda-Prozesses ist die im Frühjahr vorgestellte Citizen Science-Strategie 2020 für Deutschland.

Auch im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane finden zahlreiche Citizen Science-Projekte statt. Die Aktion "Plastikpiraten" beispielsweise trägt zur Forschung über die Verbreitung von Makro- und Mikroplastik in und an deutschen Flüssen bei. Freiwillige zwischen 10 und 16 Jahren erheben ab September 2016 bundesweit Daten zu Kunststoffvorkommen an und in Fließgewässern. Mit wissenschaftlichen Methoden wird gefiltert, gewogen, gezählt und das Ergebnis auf einer digitalen Deutschlandkarte dokumentiert.  Auf Grundlage der gewonnenen Daten untersucht anschließend die Kieler Forschungswerkstatt, welche Flussabschnitte besonders stark mit Plastik verschmutzt sind und wie sich die Belastung von der Quelle bis zur Mündung eines Flusses im Meer entwickelt.

Weitere Informationen unter:

https://www.bmbf.de/de/citizen-science-wissenschaft-erreicht-die-mitte-der-gesellschaft-225.html

https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1224.html

http://www.buergerschaffenwissen.de/citizen-science/citizen-science-strategie-2020