Genderforschung

Welche Ursachen und Mechanismen behindern die Gleichstellung? Welche Handlungsansätze fördern Chancengerechtigkeit? Was sind nachhaltige gleichstellungspolitische Initiativen?

Für mehr Frauen in Spitzenpositionen in Wissenschaft und Wirtschaft © Thinkstock / camij

116 Projekte der Förderlinie „Frauen an die Spitze“ haben sich seit 2007 mit diesen zentralen Fragen und der Herausforderung beschäftigt, wie es gelingt, den Weg für mehr Frauen in die Spitzenpositionen von Wissenschaft und Wirtschaft zu ebnen. Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen aus Wissenschaft, Forschung und Unternehmenspraxis arbeiten in den Projekten zusammen. Die Projekte sind auf strukturelle Veränderungen ausgelegt, um die Beteiligung von Frauen im Wissenschaftssystem und in der Wirtschaft zu steigern und eine Innovationskultur zu ermöglichen. Es gibt drei Themenschwerpunkte:

  • Berufsorientierung: Karriereoptionen hängen in der Wirtschaft, in Wissenschaft und Forschung auch von der Wahl des Ausbildungsberufs oder Studienfachs ab. Dies gilt gerade für zukunftsträchtige Berufe für Frauen, etwa in Naturwissenschaft und Technik. Das Verbreiten von Erkenntnissen über Studien- und Berufswahlprozesse soll dazu dienen, neue Wege der Berufsfindung zu eröffnen und Ausbildungsentscheidungen für zukunftsträchtige Bereiche zu unterstützen.
  • Organisationsstrukturen und Karriereverläufe in Wissenschaft und Wirtschaft: Die Forschungsprojekte analysieren etwa die Bedingungen von Karriereverläufen in verschiedenen Fachkulturen oder in unterschiedlichen Phasen der wissenschaftlichen Laufbahn sowie die Berufungsverfahren und Rekrutierungsstrategien an Hochschulen. Im Fokus stehen auch Unternehmensstrukturen und -kulturen sowie Genderaspekte bei Führungspositionen und in Innovations- und Teamprozessen. Weitere Projekte widmen sich der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Elternschaft sowie den besonderen Erfordernissen von Doppelkarrierepaaren.
  • Geschlechtsspezifische Fragestellungen in aktuellen Forschungsfeldern: Exzellente Forschung muss auch geschlechtsbezogene Fragestellungen berücksichtigen, gerade im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, der Medizin oder auch den Wirtschaftswissenschaften. Die Integration von Genderaspekten stärkt die Innovationskraft von Forschung und ermöglicht eine bedarfsgerechtere Umsetzung der Forschungsergebnisse.

Gleichstellung und Genderforschung in der Medizin

Besonders deutlich wird die Relevanz von biologischem und sozialem Geschlecht in der Medizin. Das betrifft einerseits die Menschen, die in der Medizin lernen, lehren, forschen und heile: Es gibt heute so viele hervorragend qualifizierte Frauen wie nie zuvor in Deutschland. Weit mehr als die Hälfte der Studierenden sind heute Frauen, die häufig mit Bestnoten ihr Studium abschließen. Dennoch schaffen es nur wenige in Spitzenpositionen. Geschlechterstereotype und gesellschaftliche Rahmenbedingungen führen immer noch häufig zum Stillstand oder Abbruch weiblicher Karrieren in der Medizin. Aber auch für die Forschungsgegenstände ist das Thema Gender relevant. Unstrittig ist, dass eine optimale Versorgung von Patientinnen und Patienten nur auf Grundlage einer individualisierten Medizin erreicht werden kann. Kein Mensch gleicht dem anderen. Kinder sind keine jungen Erwachsenen, Frauen sind keine kleinen Männer. Krankheiten, etwa ein Herzinfarkt, zeigen sich mit unterschiedlichen Symptomen und erfordern unterschiedliche Therapien. Deswegen müssen das biologische und das soziale Geschlecht (Verhaltensweisen) bei der Erforschung von Krankheiten und Therapien berücksichtigt werden. Studien sollten immer mit Männern und Frauen durchgeführt werden. Denn auch Männer können an Brustkrebs erkranken, und Medikamente wirken auf weibliche Körper oft anders als auf männliche.

Förderung von Netzwerken und Transfer

Maßnahmen für mehr Transfer und Vernetzung bei "Strategien zur Durchsetzung von Chancengerechtigkeit für Frauen in Bildung und Forschung" werden gefördert, um innovative Forschungskooperationen auf- und auszubauen, den nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch zur Sicherung fachlicher Exzellenz zu fördern sowie Netzwerktätigkeit zum Transfer der Ergebnisse zu stärken. Ziel ist, das Innovationspotential der Genderforschung für wissenschaftliche Impulse und gesellschaftliche Veränderungen zu nutzen und Chancengerechtigkeit in Bildung und Forschung, Beruf und Gesellschaft zu verwirklichen. Die Vorhaben befassen sich mit der Integration von Genderaspekten in der Medizin, in der wirtschaftswissenschaftlichen, der naturwissenschaftlich-technischen Forschung oder mit bislang vernachlässigten Themen der Genderforschung. Sie unterstützen die Entwicklung von gleichstellungspolitischen Empfehlungen und Strategien in Bildung, Forschung und Wissenschaft und tragen bei zum Wissenschafts-Praxis-Dialog. Innovative Ansätze und neue Ergebnisse präsentieren die Vorhaben öffentlichkeitswirksam und überregional.