Gleitcreme schützt vor Viren

Seit 2006 gibt es einen Impfstoff gegen Humane Papillomviren. Jedoch wirkt dieser nicht bei allen Virustypen. Münsteraner Forschende entwickeln daher neue Impfstoffe – und eine Gleitcreme, die die Viren vor dem Eindringen in die Schleimhaut stoppt.

Humane Papillomviren sind weit verbreitet. Einige Subtypen können Krebs verursachen, besonders häufig Gebärmutterhalskrebs.

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Fast jeder sexuell aktive Mensch steckt sich mindestens einmal im Leben mit Humanen Papillomviren an. Zwar gibt es seit 2006 einen Impfstoff – jedoch nicht für alle Virustypen. Vor einer Infektion mit selteneren HP-Viren, die auch krebserregend sein können, besteht daher bislang kein Schutz. Dazu zählen beispielsweise die sogenannten Beta-Papillomviren. Diese stehen im Verdacht, eine besondere Form von Hautkrebs auszulösen. Hier setzt das Team um Mario Schelhaas von der Universität Münster an. Das Bundesforschungsministerium unterstützt seine Arbeit. „Wir wollen verstehen, wie die initiale Infektion einer Zelle abläuft“, sagt der Virologe. „Ziel ist es, eine Palette an Wirkstoffen inklusive neuer Impfstoffe zu entwickeln, die ein deutlich breiteres Spektrum an HP-Viren abdecken.“

Viren sind intrazelluläre Parasiten. Das bedeutet, sie brauchen die menschliche Zelle für ihren Lebenszyklus. Dafür müssen sie zunächst in die Zelle eindringen und deren natürliche Abwehrkräfte überlisten. „Man muss sich das Virus wie ein Trojanisches Pferd vorstellen. Es macht sich so attraktiv, dass die Zelle es tatsächlich hinter ihre Mauern lässt“, erklärt Schelhaas. Bisherige Impfstoffe zielen auf ein Protein ab, das die Hauptkomponente der Virushülle bildet und je nach Typ stark variiert. Die neuen Impfstoffe nehmen dagegen ein zweites Protein in der Virushülle ins Visier, das eine zentrale Rolle beim Viruseintritt in die Zelle spielt und dessen wichtigster Bestandteil bei allen Varianten in gleicher Form auftritt. „Somit bietet es sich hervorragend als Angriffspunkt für einen Impfstoff an, der eine Infektion mit fast allen HP-Viren verhindern kann.“

Bessere Prävention auch in Entwicklungsländern

Neben diesen Impfstoffen der zweiten Generation sucht das Forschungsteam um Schelhaas auch nach anderen präventiven Strategien für Menschen, die keinen Zugang zu teuren Impfstoffen haben oder eine Impfung ablehnen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler machen sich dabei zunutze, dass sich Viren zunächst an Zuckermoleküle auf der Zelloberfläche binden. „Wir versuchen, diese Moleküle nachzubilden und etwa in eine Gleitcreme einzubringen“, sagt Schelhaas. „Bei der Anwendung werden die Viren durch die Creme gebunden und können nicht mehr in die Zellen der menschlichen Schleimhaut eindringen.“ Bei regelmäßigem Gebrauch könnte so das Risiko einer Krebserkrankung – vielleicht sogar deutlich − vermindert werden. Diese Wirkstoffe sind in der Herstellung günstiger und wären somit auch für Frauen in Entwicklungsländern besser geeignet.

Wenn alles gut läuft, könnte diese alternative Präventionsstrategie ebenso wie die Impfstoffe der zweiten Generation in wenigen Jahren schon auf dem Markt sein. Schelhaas’ Kooperationspartner aus Wien bereiten derzeit eine klinische Studie vor. Doch die Forscherinnen und Forscher haben noch deutlich weiter gehende Pläne. „Wir haben herausgefunden, dass Papillomviren nur sich schnell teilende Zellen befallen“, so Schelhaas. Das trifft neben den Schleimhäuten auch auf Krebszellen zu. Dies ermöglicht es, die Viren auch für die Krebsbekämpfung einzusetzen, indem man sie nutzt, um Krebszellen im Körper zu identifizieren und sie im Anschluss gezielt anzugreifen. So könnte aus dem ursprünglichen Krebserreger eine Waffe gegen Krebs werden.

Humane Papillomviren (HPV)

Eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) kommt häufig vor. Dennoch wurde lange Zeit aus Scham selten darüber gesprochen. Erst mit dem deutschen Nobelpreisträger Harald zur Hausen rückte HPV 2008 stärker in die Öffentlichkeit. HP-Viren sind hoch ansteckend. Es gibt an die 200 verschiedene Typen, die meisten davon führen zu harmlosen Infektionen wie Hautwarzen an Händen und Füßen oder auch gutartigen Genitalwarzen. Bei den sexuell übertragbaren Hochrisikovarianten können jedoch auch Gewebeveränderungen entstehen, aus denen sich im späteren Verlauf verschiedene Krebsarten entwickeln. Am häufigsten kommt es zu Gebärmutterhalskrebs. Jährlich sterben weltweit etwa 300.000 Frauen an den Folgen dieser Krebsart.