Greece-Germany Business Forum

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, im Hotel Marriot Berlin

Thomas Rachel während seiner Rede
Thomas Rachel während seiner Rede © BMBF

Es gilt das gesprochene Wort.

Herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung, Herr Reinhardt.

Sehr geehrter Herr Tryfon,
sehr geehrter Herr Reinhardt,
sehr geehrte Damen und Herren,

sehr gerne bin ich zu diesem „Greece-Germany Business Forum“ gekommen. Ich bin äußerst dankbar für diese Initiative und sehe sie als einen wichtigen Beitrag, um die Zusammenarbeit unserer Länder weiter zu vertiefen und Griechenland dabei zu unterstützen, die Herausforderungen der Wirtschaftskrise zu bewältigen.

Meine Damen und Herren,

Forschung, Innovation sowie die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft sind der Schlüssel für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.

Gestatten Sie mir hierzu einen kurzen Blick auf die Entwicklung in Deutschland: Den Rahmen des deutschen Erfolgswegs in Forschung und Innovation bildet seit 2006 die Hightech-Strategie der Bundesregierung. Als wesentlicher Anker unserer Innovationspolitik vereint sie alle Akteure des Innovationsgeschehens in einem gemeinsamen Verständnis. Die Strategie wird kontinuierlich weiterentwickelt und ging 2014 bereits in ihre dritte Phase.

Es ist uns gelungen, unsere Innovationspolitik neu auszurichten – weg von der traditionellen Orientierung an technologischen Entwicklungen und hin zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft.

Darüber hinaus möchte ich betonen, dass die Stärke unseres Innovationsmodells zu einem großen Teil auf der Vielfalt kleiner, mittlerer und großer Unternehmen beruht. Das Erfolgsgeheimnis dafür ist die Kooperation in den Wertschöpfungsketten ebenso wie die Wettbewerbsfähigkeit auf den Märkten, die Langfristigkeit in den Firmenstrategien und der Spürsinn für hochprofitable Nischen im internationalen Wirtschaftsgeschehen.

Um die Innovationskraft der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu stärken, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Januar 2016 das Zehn-Punkte-Programm „Vorfahrt für den Mittelstand“ gestartet. Damit fördern wir neue Ideen, neue Anwendungsmöglichkeiten und neue Geschäftsmodelle. Wir setzen uns ebenfalls für eine weite Verbreitung und Nutzung von Forschungsergebnissen und Modelllösungen unter den KMU ein.

Auch finanziell hat Deutschland die Prioritäten durch ein klares Bekenntnis zu Bildung, Forschung und Innovation als den Treibern zukünftigen Wachstums neu gesetzt.

Noch nie wurde in Deutschland so viel in Forschung und Innovation investiert wie heute. Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) am Bruttoinlandsprodukt stieg von 2,43 % im Jahr 2005 auf etwa 2,85 % 2014. Allein der Bund hat seit 2005 seine FuE-Ausgaben um ca. 60 % auf rund 14,4 Milliarden Euro (2014) erhöht. Deutschland tätigt damit rund 40 % der europäischen Innovationsausgaben.

Ich freue mich sehr, dass Griechenland mit seiner nationalen Forschungsstrategie und seiner „Nationalen Strategie für Innovation für intelligente Spezialisierung 2014-2020“ (RIS3)  auf für mich wesentliche Punkte fokussiert wie

  • Stärkung des Wettbewerbs,
  • Ausbau der internationalen Zusammenarbeit und
  • Steigerung der Kooperation zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor.

Eine überzeugende Innovationsstrategie mit starken Anreizen für die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft ist auf nationaler Ebene der Schlüssel zu Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität.

Auf bilateraler Ebene ist ein Schlüssel dafür eine enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Griechenland.

Meine Damen und Herren,

lassen Sie mich deshalb an dieser Stelle zum Ausgangspunkt der Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Griechenland kommen: die Deutsch-Griechische Partnerschafts-Initiative.

Im März 2010 haben Bundeskanzlerin Merkel und der damalige Ministerpräsident Papandreou ein Programm zur Stärkung der Deutsch-Griechischen Partnerschaft vereinbart. Es soll die seit vielen Jahren zwischen unseren Ländern lebhafte und erfolgreiche Zusammenarbeit weiter intensivieren - zum Wohle unserer beider Länder und Europas.

Gemeinsam haben wir seitdem zahlreiche Kooperations­maßnahmen beschlossen, neben den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation auch z. B. im Gesundheitswesen, im Zivilschutz, im Tourismus sowie bei den Erneuerbaren Energien und der wirtschaftlichen Entwicklung.

Erlauben Sie mir, kurz einige Beispiele aus Bildung und Forschung anzusprechen, die für konkrete und erfolgreiche Kooperationen stehen:

  • die griechisch-deutsche Berufsbildungskooperation; insbesondere sei hier „MENDI“ genannt, „MENDI“ oder auch „Mentoring Dual International“ ist das erste gemeinsame Pilotprojekt der Berufsbildung.
  • die Kooperation zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissen­schaftlern unserer beiden Länder auf europäischer Ebene, z. B. in den über 250 gemeinsamen Projekten des EU-Forschungsrahmenprogramms „Horizont 2020“;
  • die Begegnung zwischen Studentinnen und Studenten, die ein Auslandssemester in Griechenland oder Deutschland absolvieren und
  • die Zusammenarbeit von Ingenieuren und Unternehmern, die gemeinsam technologische Erfolgsgeschichten schreiben.

Meine Damen und Herren,

ein wichtiger gemeinsamer Leuchtturm, der aus der Partnerschaftsinitiative hervorgegangen ist, ist seit 2013 das Deutsch-Griechische Forschungs- und Innovationsprogramm des BMBF und des „General Secretariat for Research and Technolgy“ (GSRT). Dieses Programm umfasst sieben Themenfelder, die für beide Länder von herausragendem Interesse sind:

•       Gesundheitsforschung
•       Bio-Ökonomie
•       Energieforschung
•       Digitalisierung von personennahen Dienstleistungen und IKT-Anwendungsdienstleistungen
•       Nanotechnologie
•       Photonik / Optische Technologien und die
•       Geistes- und Sozialwissenschaften.

Unser Programm ist mit einer überwältigenden Anzahl von Anträgen auf ein außerordentlich großes Interesse in der deutschen und griechischen Forschungsgemeinde gestoßen. Im ersten Halbjahr 2014 starteten die 23 ausgewählten Projekte mit zwei Jahren Laufzeit. Deutschland und Griechenland stellten für die bilateralen Projekte jeweils fünf Millionen Euro zur Verfügung.

Die Griechisch-Deutschen Forschungs- und Innovationstage, die im Dezember 2015 in Athen stattfanden, haben gezeigt, dass wir mit dieser gemeinsamen Initiative einen wichtigen Schritt in Richtung Innovation und Wettbewerbsfähigkeit gemacht haben.

Wir haben für die Gewinner der Projektpräsentationen gemeinsam einen Preis ausgelobt: eine Reise durch beide Länder, in deren Verlauf die ausgezeichneten Nachwuchswissenschaftler die deutsche und griechische Forschungslandschaft noch besser kennenlernen werden.

Ich freue mich schon jetzt, die Preisträger im Juni in Deutschland begrüßen zu können.

Meine Damen und Herren,

es gilt, den intensiven und fruchtbaren Dialog zwischen unseren beiden Ländern in Forschung und Innovation fortzusetzen und die Zusammenarbeit weiter zu intensivieren.

Deshalb möchten wir es bei diesem ersten gemeinsamen Programm nicht bewenden lassen: Noch in diesem Jahr werden wir ein zweites Forschungs- und Innovationsprogramm auf den Weg bringen. Beide Seiten beabsichtigen jeweils etwa neun Millionen Euro in die dann dreijährigen Projekte zu investieren. Hierbei ist uns besonders wichtig, dass die bilateralen Projekte anschlussfähig im europäischen Rahmen sind, z. B. in Horizont 2020.

Die Themenfelder des zweiten Programms nehmen bereits konkrete Forman an: Gesundheit, Energie und Bio-Ökonomie werden eine wichtige Rolle spielen.

Mit dem deutsch-griechischen Programm ist uns ein grundlegender Beitrag zur Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft gelungen – die Einbindung gerade kleiner und mittlerer Unternehmen im Sinne des BMBF-Programms „Vorfahrt für den Mittelstand“ ist ein wichtiges Kriterium der Projekte. Noch stärker als im ersten Programm werden wir darauf nun einen Schwerpunkt setzen.

Diese Schwerpunktsetzung erfolgt auch vor dem Hintergrund, dass die Überführung von Wissen in Wertschöpfung und Innovation eine große Herausforderung gerade für Griechenland ist. Es gibt zwar viele Akteure in Wissenschaft und Wirtschaft, die zusammenarbeiten. Aber es fehlt teilweise das institutionelle Gedächtnis, um diese Kooperationen in dauerhafte Form zu gießen. Deshalb beabsichtigt Deutschland über das gemeinsame Programm hinaus Griechenland insbesondere im Bereich des Wissenstransfers zu unterstützen.

Ich bin überzeugt davon, dass der Samen der Kooperation, den wir jetzt säen, langfristig Früchte für beide Länder tragen wird. Ich bin hier optimistisch, auch wenn ich weiß, dass wir dazu einen langen Atem brauchen werden, oder um es mit Johann Wolfgang von Goethe auszudrücken:

„Die Hauptsache ist, dass man ein großes Wollen habe und Geschick und Beharrlichkeit besitze, es auszuführen.“

Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, danke ich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen einen anregenden und intensiven Austausch bei den nachfolgenden Gesprächen.

Herzlichen Dank!