Deutsche Biotechnologietage: Preise für acht Forscherteams

Wie finden geniale Ideen aus der Forschung in die Praxis? Die Gründungssoffensive "GO-Bio" unterstützt gründungsbereite Forscherteams aus den Lebenswissenschaften.

Forschungsstaatssekretär Georg Schütte mit den Preisträgern GO-Bio auf den Biotechnologietagen 2018: (v.l.n.r.) Bernhard Hirt, PetarMarinković, Felix Lorenz, Johannes Woehrstein, Regine Heilbronn, Frank Buchholz, Torsten Mummenbrauer (Jury), Georg Schütte, Michael Hust, Hans-Jürgen Danneel. © Bernd Lammel/BioDeutschland

Um den Übergang von der Forschung in die Praxis zu erleichtern, unterstützt das Bundesforschungsministerium seit 2005 mit der Gründungsoffensive Biotechnologie (GO-Bio) Firmengründungen in den Lebenswissenschaften. GO-Bio schafft gute Bedingungen für den risikoreichen Schritt vom Labor in die Wirtschaft. Gerade in den Lebenswissenschaften besteht wegen langer Entwicklungszeiten und Genehmigungsverfahren ein hoher Finanzbedarf.

Zur Eröffnung der Deutschen Biotechnologietage gab Forschungsstaatssekretär Georg Schütte die Preisträger der diesjährigen GO-Bio-Auswahlrunde bekannt. Die Ideen von acht Forscherteams setzten sich in einem zweistufigen Auswahlprozess durch.

Die Gewinner kommen aus unterschiedlichen Bereichen der Lebenswissenschaften. Fünf Projekte sind im medizinischen Bereich angesiedelt. In ihnen werden neue Therapien gegen Krankheiten wie Krebs oder Epilepsie entwickelt. In den anderen Projekten stehen die Gen-Analyse an einzelnen Zellen, das Ersetzen von Formaldehyd und die Gewinnung hochwertiger Eiweiße aus Nebenprodukten der Landwirtschaft im Fokus.

Designer-Rekombinasen für präzise Genom-Chirurgie

Frank Buchholz von der Technischen Universität Dresden ist „Gen-Chirurg“. Genetische Erkrankungen sind meist unheilbar und können höchstens gelindert werden. Die sogenannten Genom-Editing-Technologien ermöglichen ein Umschreiben der Gene und bieten eine Chance auf Heilung. Die von Buchholz entwickelten Methode ist noch präziser als Crispr/Cas.

Maßgeschneiderte Peptide für die gesunde Ernährung 

Hans-Jürgen Danneel von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe arbeitet an einem Extraktions- und Fraktionierungsverfahren, mit dem sich aus fast wertlosen Rohstoffen Peptide gewinnen lassen, etwa für Baby-, Sportler- oder diätetische Nahrung. Das Ministerium förderte die Vorarbeiten im Ideenwettbewerb „Neue Produkte für die Bioökonomie".

Gentherapie gegen Epilepsie

Regine Heilbronn von der Charité Berlin entwickelt eine Gentherapie, die epileptische Anfälle dauerhaft unterdrücken könnte. Das neuartige Konzept der erregungsgesteuerten Wirkstofffreisetzung (drug on demand) bedeutet, dass Wirkstoffe gegen einen epileptischen Anfall im Körper nur freigesetzt werden, wenn eine hochfrequente, neuronale Erregung den Anfall ankündigt.

Aminolipin Fixierung von biologischen Materialien

Bernhard Hirt fand am der Universität Tübingen einen Ersatz für das Konservierungsmittel Formaldehyd. Diese Chemikalie für die Fixierung anatomischer Präparate kann Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen verursachen und ist krebserregend. Die Substanz Aminolipin ist eine mögliche Alternative mit weiteren Anwendungsmöglichkeiten in Biotechnologie, Pharmazie und Medizintechnik.

Impfung gegen Zecken

Michael Hust von der Technischen Universität Braunschweig entwickelt eine Impfung gegen Zecken. Bei einem Zeckenbiss können Bakterien oder Viren übertragen werden, die Krankheiten wie Borreliose oder Hirnhautentzündung (FSME) verursachen. Die Impfung soll bewirken, dass die Zecke nach einem Biss rasch abfällt, bevor Krankheitserreger ins Blut eindringen.

T-Zell-Therapie gegen Blutkrebs

Felix Lorenz vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin erforscht eine T-Zell-Therapie gegen Blutkrebs. Im Visier hat er dabei die akute myeloische Leukämie (AML). Speziell präparierte T-Zellen sollen Tumorzellen aufspüren und töten. T-Zell-Therapien sind ein hochaktueller Ansatz in der Krebsbehandlung.

Innovatives Transportsystem für Krebstherapeutika im Nanoformat

Petar Marinković von der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt ein Transportsystem, um Krebstherapeutika direkt zu Tumoren zu bringen. Dafür nutzt er Substanzen, die Löcher in Tumor-Blutgefäße stanzen. So lassen sich mit Nanopartikeln Chemotherapeutika in das Gewebe einschleusen. Ziel sind weniger Nebenwirkungen und eine bessere Wirksamkeit im Vergleich zur aktuellen Chemotherapie.

Plattformtechnologie für hochparallele Genexpressionsanalysen einzelner Zellen

Johannes Woehrstein von der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt eine Detektionsmethode, die DEOXY-Technologie, um aktive Gene in einzelnen Zellen zu erkennen. Diese Zell-genaue Auflösung ist für die Behandlung von Tumorgewebe wichtig, denn die Heilungschancen steigen, wenn nicht wie bislang die größten Tumorzell-Populationen, sondern die aggressivsten frühzeitig erkannt werden.

"Go-Bio"

Mit "GO-Bio" werden die Forscherinnen und Forscher bis zu sieben Jahre unterstützt – bis zu vier Jahre vor der Gründung und bis zu drei Jahren nach der Gründung. Die Gründungsteams erhalten durchschnittlich etwa einer Million Euro pro Jahr für ihre anspruchsvolle Forschung. Zusätzlich wird den Preisträgern in der Fortbildungsreihe „Gründer-Gespräche“ unternehmerisches Wissen vermittelt und sie erhalten Coaching- und Beratungsleistungen.