Gut versorgt in die Zukunft

Neue Forschungsprojekte zur Unterstützung älterer Menschen in ländlichen und urbanen Regionen starten / Wanka: "Wir verbessern das Leben im Alter"

Der demografische Wandel verändert Deutschland. Insbesondere ältere Menschen stehen vor großen Herausforderungen, beispielsweise bei der Versorgung mit gesundheitlichen und sozialen Leistungen oder mit Blick auf Angebote für die persönliche Mobilität. Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Wettbewerb "Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel – InnovaKomm" initiiert. Jetzt starten fünf Forschungsprojekte, um zu erkunden, wie die Lebensqualität der Menschen vor Ort erhalten und verbessert werden kann. Das BMBF unterstützt diese mit insgesamt rund 23 Millionen Euro.

"Viele Menschen schätzen die hohe Lebensqualität auf dem Land oder in der Stadt und möchten möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen und gut leben können. Dazu gehört aber auch, dass sie sich in ihrem heimischen Umfeld leicht orientieren und bewegen können, also möglichst grenzenlose Mobilität erfahren. Wir verstärken daher unsere Forschung, um durch neue Technik die mobilen Bedürfnisse gerade von älteren Menschen besser zu berücksichtigen. Die neuen Projekte helfen, den demografischen Wandel zum Wohle der Menschen zu gestalten", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

Die Forschungsprojekte zielen auf die Verbesserung der Lebenssituation von älteren Menschen in ausgewählten ländlichen und urbanen Kommunen und Regionen. Dabei ist entscheidend, dass die verschiedenen Akteure vor Ort eng mit wissenschaftlichen Einrichtungen kooperieren und übergreifende Lösungen entwickeln:

Nordrhein-Westfalen, Mönchengladbach: Das Projekt "UrbanLife+" wird digitale Lösungen entwickeln, die das städtische Leben für ältere Menschen "smarter" und sicherer machen. Neben Straßenlampen, die ihre Helligkeit dem Sehvermögen der Passanten anpassen, sollen mobilitätseingeschränkte Menschen an unübersichtlichen Straßenübergängen oder gefährlichen Stufen mit akustischen und optischen Signalen individuell auf Gefahren hingewiesen werden. Hierfür werden an Kreuzungen und kritischen Stellen Sensoren installiert, die etwa mit den Smartphones der Passanten kommunizieren können. So kann die Lautstärke des Warnsignals bei Hörgeschädigten automatisch angepasst und bei eventuellen Sprachbarrieren können Warnhinweise in der jeweiligen Fremdsprache ausgegeben werden. Auf diese Weise sollen nicht nur Seniorinnen und Senioren dabei unterstützt werden, sich selbstbestimmt und sicher in der Stadt bewegen zu können.

Niedersachsen, Grafschaft Bentheim: Das Projekt "Dorfgemeinschaft 2.0" wird in den kommenden Jahren eine kostenfreie Servicestelle ins Leben rufen, über die vor allem ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen in ländlichen Regionen medizinische, pflegerische und soziale Versorgungsdienstleistungen in Anspruch nehmen können. Hierfür werden von der telemedizinischen Behandlung über einen regelmäßigen Einkaufsservice und Fahrdienste bis hin zu einer rollenden Praxis alle Angebote auf einer kostenlos zugänglichen Internet-Plattform gebündelt. Statt vieler organisatorischer Hürden können registrierte Nutzerinnen und Nutzer entweder übers Internet – mit wenigen Mausklicks – eine komplette Versorgung buchen oder aber per Telefon sowie direkt vor Ort über einen Berater. Weite Wege zum Arzt oder zum Supermarkt ins Nachbardorf, die für viele Menschen eine große Hürde darstellen, sollen auf diese Weise erheblich verringert werden.

Baden-Württemberg, Freiburg und Umland: Das Projekt "SoNaTe" wird ein Online-Forum aufbauen, in dem Einkaufsläden ihre Waren, regionale Dienstleister ihren Service und Ehrenamtliche ihre Hilfe anbieten können – wie zum Beispiel Unterstützung bei Hausaufgaben, Sprachunterricht für Migrantinnen und Migranten oder beim Einkauf. Der Zugang zum Online-Forum erfolgt entweder über eine Internetseite oder eine leicht zu bedienende App, mit der die angemeldeten Nutzerinnen und Nutzer auch von unterwegs per Smartphone den Nachbarn um Unterstützung bitten können. Ziel des Modells ist, das nachbarschaftliche Zusammenleben in Kommunen und ländlichen Regionen zu stärken. Neu Zugezogene in Stadt und Umland sowie Menschen mit Migrationshintergrund können hiervon gleichermaßen profitieren, da mit dem einfachen und niedrigschwelligen Angebot eine rasche soziale Teilhabe erleichtert und auch das große Engagement für Flüchtlinge organisiert werden kann.

Saarland, überregional: Im Projekt "MobiSaar" wird für das gesamte Saarland ein flächendeckender Mobilitätsservice für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen entwickelt. Ziel ist es, Fahrten von A nach B durch eine barrierefreie Wegeplanung zu ermöglichen. Hierzu werden Fahrpläne, Informationen zu Haltestellen, Bussen oder Gehwegen in Echtzeit ausgewertet, gebündelt und über eine Hotline und eine Smartphone-App bereitgestellt. Für lange Wege, die mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden müssen, vermittelt die Servicestelle ehrenamtliche Lotsen, die bei der Fahrt zum Bahnhof im Nachbardorf oder beim Heimweg von der Bushaltestelle helfen.

Baden-Württemberg, Stuttgart: Das Projekt "KommmiT" entwickelt einen Servicepoint, über den ältere Menschen Tipps und Ratschläge für die richtige Handhabung technischer Geräte einholen können. Das Serviceangebot der Kontaktstelle basiert dabei auf zwei Säulen: einer digitalen App und einem lokalen Service-Büro. Während die App Informationen zu Wohn-, Mobilitäts- und Pflegedienstleistungen bündelt und Texte bei Bedarf auch mehrsprachig über ein Smartphone oder Tablet-Computer vorlesen kann, dient das Service-Büro als persönliche Koordinierungs- und Anlaufstelle. Neben regelmäßigen Schulungen, mit denen die Medien- und Technikkompetenz älterer Menschen unterstützt werden soll, bietet das Büro zusätzlich Gelegenheit, neue Assistenzsysteme für den Haushalt auszuprobieren.

Die Projekte sollen den Bewegungsradius und das Aktivitätsspektrum von älteren Menschen erhalten und erweitern. Gleichzeitig knüpfen die neuen Projekte an einen bereits gestarteten BMBF-Förderschwerpunkt an, bei dem die technisch assistierte Pflege von älteren Menschen in ihren eigenen vier Wänden im Mittelpunkt steht. Hier wurden bereits konkrete Verbesserungen für Pflegebedürftige entwickelt, beispielsweise im Projekt "INSYDE" eine intelligente Matratze, die durch Sensoren ungünstige Liegepositionen bettlägeriger Patienten erkennt, entlastende Positionen vorschlägt und bei Bedarf auch die Umlagerungen für das Pflegepersonal übernehmen kann. Im Projekt "CareJack" hilft eine orthopädische Weste, die den Oberkörper der Pflegekraft beim Heben oder Drehen eines Patienten stabilisiert und mechanisch unterstützt. Beide Projekte werden im Rahmen des Förderschwerpunktes "Assistierte Pflege von morgen – ambulante technische Unterstützung und Vernetzung von Patienten, Angehörigen und Pflegekräften" vom BMBF gefördert und am 10.12.2015 in Erlangen ihre Ergebnisse vorstellen.

Informationen zu den fünf InnovaKomm-Projekten und ihren Ansprechpartnern unter:
www.mtidw.de/ueberblick-bekanntmachungen/innovakomm

Informationen und Anmeldung zur Veranstaltung "Assistierte Pflege von morgen" am 10.12.2015 in Erlangen unter: www.mtidw.de/service-und-termine/termine/abschlussveranstaltung-assistierte-pflege

Weitere Informationen:
www.bmbf.de
www.mtidw.de