Hautkrebs: Individualisierte Immuntherapien erfolgversprechend

Die Erforschung individualisierter Therapien geht voran: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen im Kampf gegen Krebs körpereigene Abwehrzellen, die Tumore erkennen und zerstören. Gefördert wird das Projekt vom Bundesforschungsministerium.

Neue Therapien gegen Hautkrebs nutzen körpereigene Abwehrzellen, die Krebs erkennen und bekämpfen. © PT DLR/BMBF/Gregor Schläger

In Deutschland erkranken jährlich etwa 17.000 Menschen an Hautkrebs. Für 3.000 Patienten endet der Kampf mit der tückischen Krankheit tödlich. Denn konventionelle Therapien wie operative Eingriffe, Bestrahlung und Chemotherapie bleiben immer wieder ohne Erfolg oder rufen gravierende Nebenwirkungen hervor.

Effektiver und ohne belastende Nebenwirkungen – so sollen neue Therapieverfahren sein. Einen Schritt in diese Richtung gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Köln, der Medizinischen Hochschule Hannover und des Unternehmens Miltenyi Biotec.

Auf der Suche nach neuen Methoden

Neue Forschungsansätze basieren auf dem Grundverständnis von Krebs: Krebs ist eine Krankheit, bei der das Gleichgewicht zwischen permanenter Zellerneuerung und Zelltod irgendwann außer Kontrolle gerät. Die Zellen verlieren teilweise ihre normale Funktion und wachsen ungehindert. So entstehen bösartige Tumore.

Im Forschungsprojekt „CD20CAR-TIME“ soll nun untersucht werden, wie die Immunabwehr des Menschen den schwarzen Hautkrebs (auch Melanom genannt) aus eigener Kraft bekämpfen kann. Der Name des Projekts leitet sich von den sogenannten „CAR-T-Zellen“ ab. Dabei handelt es sich um T-Zellen des Patienten, die ein künstliches Erkennungsmolekül, einen tumorspezifischen Rezeptor, gegen den Krebs enthalten. Durch diesen Rezeptor können die Immunzellen eines Patienten Krebszellen erkennen und auslöschen. Ein großer Vorteil der Methode ist: Der Körper baut eine dauerhafte Abwehrreaktion gegen diese Art von Tumorzellen auf.

Eine T-Zelle greift Krebszellen an. © Thinkstock/selvanegra

Körpereigene Abwehr nutzen

Der Forschungsansatz basiert dabei auf den wissenschaftlichen Ergebnissen der Arbeitsgruppe um den Mediziner und Molekularbiologen Hinrich Abken an der Universität Köln. Der international renommierte Forscher hat eine Schlüsselstruktur auf der Oberfläche von Melanomzellen entdeckt, die erstmals eine spezifische Therapie von Hautkrebs erlaubt.

Ein Teil des Projekts ist die erste deutsche Studie mit CAR-T-Zellen zur Behandlung von Hautkrebs in weit fortgeschrittenem Stadium. In der Phase I geht es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern darum, die Sicherheit der  neuen Behandlungsmethode aufzuzeigen. Wenn die Phase-I-Studie erfolgreich verläuft, soll  in nachfolgenden Phase II- und III -Studien die Wirksamkeit  des Verfahrens in der klinischen Praxis gezeigt werden,  um Tumorpatienten eine Chance auf Heilung zu geben.

Innovatives Gerät stellt T-Helferzellen her

Für die  Herstellung der CAR-T-Zellen nutzen die Wissenschaftler erstmals ein innovatives Gerät der Firma Miltenyi Biotec: Der CliniMACS Prodigy® ist das einzige System auf dem Weltmarkt, das in der Lage ist, Zellprodukte automatisiert in einem geschlossenen Prozess, standardisiert und sicher für die klinische Routine herzustellen. Die Firma Miltenyi Biotech stellt damit die entscheidende Technologie zur Verfügung, die diesen individualisierten Therapieansatz erst ermöglicht. Die Herstellung von CAR-T-Zellen für die Phase I-Studie findet im Institut für Zelltherapeutika an der Medizinischen Hochschule Hannover statt.

Immuntherapien könnten den Durchbruch bringen

Von der CAR-T-Zelltherapie erwartet man international einen Durchbruch in der Krebstherapie: Vor allem aus den USA wurden bereits große Behandlungserfolge berichtet. Weltweit laufen bereits mehr als 100 Studien, in denen die Methode angewandt wird – allerdings nur zehn davon in Europa. Daher soll der Forschungsstandort Deutschland mit der Studie „CD20CAR-TIME“ in der internationalen Spitzenforschung sichtbar bleiben.

Der Forschungsverbund wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Fördermaßnahme „Innovationen für die Individualisierte Medizin“ mit 3,2 Millionen Euro für die kommenden vier Jahre gefördert.