Hermes Award: Softwareunternehmen Harting ausgezeichnet

Das Softwareunternehmen Harting IT aus Espelkamp hat den Hermes Award 2016 gewonnen. Das ausgezeichnete Produkt "MICA" leistet einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Wirtschaft. Denn es lässt Produktionshallen zu "Smart Factories" werden.

Auszeichnung für Innovation: Bundesministerin Johanna Wanka übergibt den Hermes Award 2016 an die Vertreter der HARTING GmbH © Messe Hannover / Rainer Jensen

Zwei Mega-Themen bestimmen die diesjährige Hannover Messe: die Industrie 4.0 und die Energiesysteme der Zukunft. Zur Digitalisierung der Industrie und der Stromnetze, aber auch zu möglichen alternativen Energieträgern gibt es zahlreiche innovative Lösungen und Produkte – in Deutschland und international. Die Besten von ihnen wurden auf der Hannover Messe mit dem Hermes Award ausgezeichnet, einem der begehrtesten Technologiepreise für Ingenieurinnen und Ingenieure.

Gewonnen hat den Preis in diesem Jahr das Softwareunternehmen Harting aus Espelkamp. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat die Geschäftsführer von Harting in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Merkel und US-Präsident Obama für das Produkt "MICA" ausgezeichnet. Dabei handelt es sich um eine offene und modulare Plattform, die in bestehende Systeme integriert werden kann.

HARTING MICA
Gewinner des Hermes Awards: Das Modul MICA des Unternehmens Harting IT. © Harting Technologiegruppe

MICA (Modular Industry Computing Architecture) sammelt die Daten, die bei Fertigungsprozessen im Umfeld der Anlagen und Maschinen entstehen, übersetzt sie in IT-Strukturen, speichert und aggregiert sie. Damit funktioniert das Produkt wie eine kleine Recheneinheit, die verschlüsselt zwischen Endgeräten und dem übergeordneten IT-System kommuniziert. Der Vorteil: MICA kann bereits existierenden Maschinen und Anlagen Intelligenz einhauchen. So werden aus herkömmlichen Fabriken „Smart Factories“. Das Produkt kann insbesondere mittelständischen Firmen den Eintritt in die Industrie 4.0 erleichtern, das sich MICA jederzeit individuell in bestehende Strukturen einbauen lässt.

Den Gewinner des diesjährigen Awards hat eine unabhängige Jury unter dem Vorsitz von Wolfgang Wahlster, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), aus 49 Bewerbungen und fünf Nominierten ausgewählt. Viele Bewerbungen kamen in diesem Jahr auch aus dem Ausland. Rund 40 Prozent der Einreichungen stammten von US-amerikanischen Firmen, dem diesjährigen Partnerland der Industriemesse.

Weitere nominierte Unternehmen für den Hermes Award 2016 waren:

BLOCK Transformatoren-Elektronik GmbH, Verden

Das Unternehmen BLOCK Transformatoren-Elektronik aus Verden ist für das Produkt „EasyB“ nominiert. Dabei handelt es sich um ein Ein-Kanal-Schutzschaltersystem, das Steuerspannungen bedarfsgerecht bis zu einem Gesamtstrom von 80 Ampere absichern kann. Die Kanäle adressieren sich beim Einschalten automatisch. Damit entfällt ein zusätzlicher Arbeitsschritt zur manuellen Adressvergabe. Das System reagiert schon auf fünf Prozent Überstrom und begrenzt den Ausgangsstrom auf diesen Pegel. Die innovative Kombination von schmaler Baubreite, sehr hoher Stromtragfähigkeit, automatischer Adressierung und zusätzlicher Einschaltfunktion hat die Jury überzeugt.

DDM Systems, Atlanta, Georgia, USA

Die Ausgründung DDM Systems des berühmten Georgia Institute of Technology in Atlanta hat sich mit einem additiven Fertigungsverfahren für Keramik beworben. Das nominierte Produkt „LAMP System CPT6060“ ermöglicht es, den Prozess des Feingießens um sieben von zwölf Prozessschritten zu verkürzen. Das nominierte Produkt erzeugt im 3D-Druckverfahren hochgenaue Schalenformen direkt aus digitalen Datensätzen. Sie machen die Serienfertigung in einer Anlage möglich. Das Hightech-Verfahren könnte 60 Prozent der bisherigen Herstellungskosten einsparen.

ITM Power, South Yorkshire, Großbritannien

Bei dem nominierten Projekt des britischen Energieunternehmens ITM Power handelt es sich um eine kompakte Anlage zur bedarfsorientierten und flexiblen Produktion von Wasserstoff und Sauerstoff durch Elektrolyse (Power-to-Gas). Dabei wird Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff beziehungsweise Methan umgewandelt und kann dann entweder zum Betanken entsprechender Fahrzeuge verwendet oder aber als Methan in das Erdgasnetz eingespeist werden. Durch das kompakte Design kann die Anlage verbrauchernah aufgestellt werden. Das Projekt leistet sowohl einen Beitrag zur Stabilisierung der Netze als auch zur wasserstoffbasierten Elektromobilität.

J. Schmalz GmbH, Nidderau

Bei dem nominierten Produkt „VSi“  des Vakuumtechnik-Spezialisten aus Nidderau handelt es sich um einen Vakuum- und Druckschalter, der erstmals sowohl mit der IO-Link-Technologie als auch mit der NFC-Technologie ausgestattet ist. Der Anwender kann somit direkt mit mobilen Endgeräten wie Tablets oder Smart Phones alle wichtigen Daten ablesen und einstellen. Damit können Produktionsprozesse unmittelbar vor Ort optimiert oder effizienter gestaltet werden. Auch Fehler können schneller diagnostiziert, analysiert und behoben werden. Der modulare Schalter ist eine Industrie-4.0-fähige Komponente und leistet einen wesentlichen Beitrag zu Predictive Maintenance und zur Visualisierung wichtiger Prozessdaten auf einem kabellos verbundenen Comsumer-Gerät.

Die Jury des Hermes Award besteht aus:

  • Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Wahlster (Jury-Vorsitzender), Geschäftsführer, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und Mitglied der Nobelpreis-Akademie
  • Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft
  • Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Leiter der Abteilung 5 des Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Eduard Altmann, Chefredakteur, Produktion
  • Ken Fouhy, Chefredakteur, VDI Nachrichten
  • Georg Giersberg, Wirtschaftsredakteur, Frankfurter Allgemeine Zeitung
  • Dipl.-Ing. Werner Götz, Chefredakteur, Industrieanzeiger
  • Frank Jablonski, Chefredakteur, MM-Maschinenmarkt

Der Hermes Award ist der internationale Technologiepreis der Hannover Messe und wird seit dem Jahr 2004 verliehen. Der Hermes Award zählt mit 100.000 Euro zu den höchstdotierten Auszeichnungen weltweit. Schirmherren sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie das Land Niedersachsen.