„Hermes Award“ für intelligenten Greifer

Das Familienunternehmen Schunk aus Lauffen am Neckar hat den Hermes Award gewonnen. Der Weltmarktführer für Greifsysteme überzeugte die Jury auf der Hannover Messe mit dem weltweit ersten intelligenten Greifmodul.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat zum Auftakt der Hannover Messe am Sonntagabend den Hermes Award für eine Weltneuheit verliehen: Das baden-württembergische Familienunternehmen SCHUNK GmbH hat einen innovativen Greifer entwickelt, der erstmalig unmittelbar mit dem Menschen interagiert und kommuniziert.

Innovativer Greifer der SCHUNK GmbH © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Dank einer sensorischen Aura erkennt der intelligente Greifer, ob sich ein Mensch in seiner Nähe befindet – und er kann darauf situationsabhängig reagieren. Das birgt einen großen Vorteil gegenüber bisherigen Systemen: Sicherheitszäune entfallen und der Greifer ist äußerst flexibel einsetzbar. Neben der Handhabung der Teile übernimmt das Greifsystem auch die visuelle, kapazitive und taktile Überwachung des Umfelds und die Kommunikation mit dem Bediener sowie die Steuerung des Handhabungssystems. Es kann ohne lange Umrüstzeit in veränderten Produktionsabläufen eingesetzt werden. Damit hat SCHUNK das weltweit erste intelligente Greifmodul für die Mensch-Roboter-Kollaboration entwickelt, das unmittelbar mit dem Menschen interagiert und kommuniziert.

Mit seiner innovativen Idee hat sich das Unternehmen gegen 57 Bewerber um den Hermes Award aus dem In- und Ausland durchgesetzt. Der Technologie-Innovationspreis wird seit 2004 verliehen und zählt zu den höchstdotierten Technologie-Wettbewerben weltweit. Schirmherren sind das Bundesforschungsministerium und das Land Niedersachsen.

Weitere nominierte Unternehmen für den Hermes Award 2017 waren: 

AGS-Verfahrenstechnik GmbH, Stade

Die Firma AGS-Verfahrenstechnik wurde für das sogenannte auftriebsgestützte Slipping (AGS) nominiert. Dieses Verfahren ermöglicht es, Übertragungsnetzkabel wie beispielsweise Höchstspannungs-Erdkabel in sehr langen Teilstücken von bis zu zwei Kilometer Länge zu verlegen. Dafür wird das Kabel durch ein wassergefülltes Leerrohr gezogen. Der Auftrieb des Kabels erlaubt ein fast reibungsfreies Gleiten und Zugbelastungen wird vermieden. So werden weniger Verbindungsstücke nötig und es ist eine Verlegung unter bestehender Infrastruktur möglich. Der gesamte Prozess ist umkehrbar und erlaubt einfache Wartungen und Austausch. Zudem bewirkt die Wasserfüllung des Leerrohres sowohl eine passive als auch aktive Kühlung. Die Kompensation der Wärmeentwicklung verringert die Flächennutzung für Trassen bedeutend. Dies alles führt zu einer hohen Wirtschaftlichkeit des Verfahrens.

Augumenta, Oulu (Finnland)

Das finnische Start-Up Unternehmen wurde für das „SmartPanel“ nominiert, das eine neue Interaktion mit industriellen Systemen ermöglicht, um die Nachteile von Touchscreens (Preis, Empfindlichkeit, Pflegeaufwand) zu beseitigen. Entwickelt wurde ein neues Bedienfeld unter Verwendung von Smartglasses (Datenbrillen), mit denen es möglich ist, 3D-Benutzeroberflächen und Steuerelemente wie Schalter, Taster und weitere Instrumente auf einer passiven flachen Oberfläche darzustellen. Zudem detektiert das SmartPanel die Benutzerinteraktionen und wertet diese aus, um sie in die industrielle Anwendung zu übertragen. Mit dem SmartPanel-Display sehen die mit Smartglasses ausgestatteten Personen personalisierte Daten oder Steuerinformationen, die auf einem virtuellen Bildschirm angezeigt werden. Jedes Panel hat eine eindeutige ID, die automatisch erkannt wird. Autorisierte Benutzer sehen nur personalisierte Daten, die für sie wichtig sind. Eine Cloud-basierte Anwendung ermöglicht es Entwicklern, schnell Benutzeroberflächen zu erstellen und sie auf ihrer Brille zu testen, ohne Codes schreiben zu müssen.

Linz Center of Mechatronics GmbH, Linz (Österreich)

Das Unternehmen Linz Center of Mechatronics GmbH wurde für ein Simulationswerkzeug nominiert. Der sogenannte „Digitale Zwilling“ überwacht simultan die Biegeparameter eines laufenden Blech-Biegeprozesses und passt diese in Echtzeit an, um das gewünschte Werkstück zu erhalten. Mittels Sensoren erfasst das System die physikalischen Eigenschaften des Biegeautomaten bereits während der ersten Millisekunden und kontrolliert diese während des gesamten Vorganges. Somit können Design und Produktion vollständig digitalisiert werden, ohne dass zusätzliche Kosten für extra Hardware anfallen. Der „Digitale Zwilling“ ermöglicht eine ausschussfreie Produktion, unabhängig von Materialqualität und Blechdicke ab dem ersten Werkstück bis hin zur Großproduktion.

Noonee AG, Wernau

Der Chairless Chair®, für den die Noonee AG nominiert wurde, ist eine tragbare und ergonomische Sitz-Unterstützung, die vor allem an Fertigungslinien in Fabriken genutzt werden kann, um Arbeitern bei unnatürlichen Körperhaltungen für kurze Zeit ein Sitzen zu ermöglichen. Die besonders leichte und tragbare Sitzhilfe erlaubt eine individualisierbare Sitzfunktion per Knopfdruck. Durch die körperliche Entlastung soll die Produktivität gesteigert werden, und ältere oder funktionseingeschränkte Mitarbeiter können weiterhin an gewohnten Arbeitsplätzen beschäftigt werden.