Hochschul-Integrationspreis 2021 verliehen

BMBF und DAAD zeichnen drei Projekte für herausragendes Engagement bei der Integration Geflüchteter an Hochschulen aus

Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, verleiht in Berlin den Hochschullehrer-Integrationspreis 2021.
Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, verleiht in Berlin den Hochschullehrer-Integrationspreis 2021. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Die deutschen Hochschulen sind in den letzten Jahren in der Qualifikation und Integration von Flüchtlingen ins deutsche Bildungssystem sehr aktiv. Mit dem „Hochschul-Integrationspreis für herausragendes Engagement für die Integration Geflüchteter“ zeichnen das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) erstmals drei besonders erfolgreiche und innovative Projekte an deutschen Hochschulen aus. Sie erhalten jeweils ein Preisgeld von 10.000 Euro zur Verwirklichung zusätzlicher Ideen.

Dazu erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek:

„Integration und Aufstieg gelingen in Deutschland durch Bildung! Über 30.000 besonders motivierte und talentierte Geflüchtete haben in den vergangenen fünf Jahren ein Fachstudium an einer deutschen Hochschule aufgenommen. Das ist eine großartige Leistung der jungen Menschen, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen in die deutschen Hochschulen einbringen und wissenschaftlich reflektieren können. Und es sind gute Aussichten für die Arbeitgeber in unserem Land, die auf absehbare Zeit eine bedeutende Zahl internationaler Fachkräfte mit einem deutschen Hochschulabschluss gewinnen können.

Mehrere tausend Geflüchtete haben inzwischen einen Abschluss auf Master-Niveau in der Tasche. Hierzu haben die Hochschulen in Deutschland seit 2015 sehr erfolgreich beigetragen – und das über die reine Lehre hinaus: Lehrende und Studierende haben entwurzelten Menschen eine Heimat gegeben, sie haben neue Studierende in die Mitte ihrer Gemeinschaft aufgenommen, sie haben zusammen mit ihnen Sprachtandems gebildet, soziale Begegnungsräume oder Rechtsberatungen realisiert oder Gesundheitsinformationen und Anamnesebögen zu Covid-19 und anderen Erkrankungen in den Herkunftssprachen entwickelt, von denen auch Geflüchtete außerhalb des Campus profitieren. Integration wurde so ganz praktisch und vorbildlich gelebt. Sie haben gemeinsam eine beindruckende Willkommenskultur auf die Beine gestellt.

Es ist an der Zeit, dieses großartige Engagement noch sichtbarer zu machen. Daher freue ich mich, dass wir nun erstmals den Hochschul-Integrationspreis verleihen. Wir wollen damit auch allen Hochschulen, Studierendenschaften, Initiativen und engagierten Einzelpersonen für das in den vergangenen Jahren Geleistete danken.“

DAAD-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee sagt dazu:

„Die deutschen Hochschulen und Studierendenschaften haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie in zahlreichen Projekten für Geflüchtete wirkliche Brückenbauerinnen sind. Brückenbauerinnen ins Studium, in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft und damit auch, wenn man so will, Ingenieurinnen einer erfolgreichen Integration. Ein rohstoffarmes Land wie die Bundesrepublik tut gut daran, entwurzelten Akademikerinnen, Akademikern und Studierenden eine neue Heimat zu geben und mit der Aufnahme oder Fortführung eines Studiums dafür zu sorgen, dass sie sich und ihr Können in unserer freiheitlichen Demokratie wirklich entfalten können. Die jetzt ausgezeichneten Projekte tun all dies auf ganz hervorragende Weise.“

Die Preisträgerinnen und Preisträger:

Gewinner in der Kategorie „Brücke ins Studium“
Den Preis erhält die HAWK Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen für ihr erfolgreiches Gesamtkonzept für Studieninteressierte und Studierende mit Fluchthintergrund. Die Arbeit der HAWK wird seit 2016 im Rahmen der BMBF-Flüchtlingsprogramme Integra und Welcome vom DAAD gefördert. Jährlich erreicht die HAWK mit ihren Projekten „HAWK open“ und „HAWK start plus“ rund 300 Studieninteressierte mit Fluchtbiografie. Sie bieten ein umfangreiches Beratungs- und Begleitangebot vor und während des Studiums, flankiert von studentischen Aktivitäten zur sozialen Integration sowie einer studienbegleitenden Orientierung auf dem Arbeitsmarkt.

Gewinner in der Kategorie „Brücke in die Gesellschaft“:
Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel erhält die Auszeichnung für ihr Projekt „kulturgrenzenlos e. V.“. Das Projekt wird im Rahmen des BMBF-Flüchtlingsprogramms Welcome vom DAAD gefördert. Der gemeinnützige Verein entstand 2016 aus einem studentischen Begegnungsprojekt und ist mittlerweile zu einer von 35 ehrenamtlich aktiven Studierenden getragenen Organisation herangewachsen. Der Verein bietet Tandemprojekte zur gemeinsamen Freizeitgestaltung, ein Ideenwerk zu Unterstützung gesellschaftlichen Engagements, das Medienprojekt Blickwinkel und die Aktion „kulturgrenzenlos on Campus“, mit der die Integration der Geflüchteten auf dem Campus durch internationale Sprach- und Frauencafés, Veranstaltungen und Mitmachaktionen unterstützt wird.

Gewinner in der Kategorie „Brücke in den Arbeitsmarkt“:
Die Auszeichnung erhält die Hochschule Hannover mit dem Projekt „Refugeeks - Coding Academy Hannover“. Das Projekt wird seit 2020 im Rahmen des neuen BMBF-Flüchtlingsprogramms Profi vom DAAD gefördert. Refugeeks besteht aus einer einjährigen akademischen IT-Weiterbildung, die sich an Geflüchtete mit bereits vorhandenen Programmierfähigkeiten richtet. Teilnehmende können das Hochschul-Zertifikat „IT-Experte Data Science / Web Technology“ sowie ein gleichlautendes Zertifikat der IHK Hannover erwerben. Zudem erhalten sie zusätzliche Angebote zu Fach- und Sprachwissen und Tipps und Einführungen zu Bewerbungsgesprächen und dem Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Hintergrund:

Die ausgezeichneten Projekte werden vom BMBF über den DAAD in seinen Hochschulprogrammen für Flüchtlinge gefördert. Diese wurden Ende 2015 als Reaktion auf die Fluchtbewegung zur Integration von Geflüchteten an deutschen Hochschulen ins Leben gerufen. Für den Zeitraum von 2016 bis 2022 stehen rund 160 Millionen Euro bereit. Aus den Mitteln wurde ein umfangreiches und langfristig angelegtes Maßnahmenpaket in den vier Kategorien Einstieg, Vorbereitung, Studium und Karriere entwickelt. Die vergangen fünf Jahre zeigten schnell, wie groß das Potenzial an qualifizierten jungen Menschen und damit der Bedarf an akademischer Bildung ist: Allein aus Bundesmitteln wurden bisher rund 40.000 Geflüchtete sprachlich und fachlich auf ein Studium vorbereitet, die Hochschulen führen jährlich über 40.000 Beratungsgespräche mit studieninteressierten Flüchtlingen und studentische Willkommensinitiativen helfen pro Jahr über 20.000 Geflüchteten bei der Integration auf dem Campus. Seit Beginn der Covid-19-Pandemie konnten viele Angebote auf hybride oder digitale Formate umgestellt werden. Der DAAD geht inzwischen von über 30.000 immatrikulierten Geflüchteten im Fachstudium und mehreren tausend Absolventinnen und Absolventen auf Master-Niveau aus.