Hochwertige Rohstoffe aus Plastikmüll gewinnen

Wissenschaftler entwickeln – gefördert vom Bundesforschungsministerium – ein neues Recyclingverfahren für Altkunststoffe aus PET. Es eignet sich auch für verschmutzte und vermischte Plastikabfälle. Bisher mussten diese aufwändig vorsortiert werden.

Mit dem neuene Verfahren wird PET in seine chemischen Bestandteile zerlegt: Monoethylenglykol (MEG) und Terephthalsäure (TPA). Die gewonnenen Rohstoffe haben die Qualität von Neuware. © Tobias Köhne, B&B Markenagentur GmbH

Polyethylenterephthalat – kurz PET – ist einer der am häufigsten verwendeten Kunststoffe. Bekannt ist es vor allem als Material von Ein- und Mehrwegflaschen für Getränke. Auch in vielen anderen Lebensmittelverpackungen, bei Spielzeugen, Kosmetikverpackungen oder in der Industrie kommt PET vor. Denn der Kunststoff hat viele Vorteile: Er ist beständig gegen Öle, Fette, Alkohole und verdünnte Säuren. Zudem kann er mit anderen Kunststoffen oder mit Aluminium beschichtet, bedampft oder in Form von Verbundmaterialien eingesetzt werden. Und: er ist recyclebar. Bislang klappt das Recycling allerdings nur richtig gut, wenn PET als sortenreiner Abfall ohne Störstoffe vorliegt. Das wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt ändern: Sie entwickeln ein Verfahren, das eine aufwändige Vorsortierung des Plastikmülls überflüssig macht.

IFAT 2018

Auf der Weltleitmesse für Umwelttechnologien IFAT 2018 (14. – 18. Mai, Messe München) stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seine Aktivitäten zur Wasserforschung und Wasserinnovation vor. Wie kommt man kleinsten Plastikpartikeln in Gewässern auf die Spur und welche Gefahr geht von ihnen aus? Wie lässt sich Plastik wirksam aus dem Abwasser entfernen?

Antworten auf diese Fragen präsentiert das BMBF in Halle B2, Stand 115/214.

PET-Altkunststoffe gehen dem Wertstoffkreislauf verloren

Plastikmüll wird häufig nicht stofflich zu einem neuen Produkt recycelt, sondern geht in die energetische Verwertung: Das heißt, er wird in Heizkraftwerken und Müllverbrennungsanlagen verbrannt. PET-Altkunststoffe gehen dem Wertstoffkreislauf dadurch verloren. Der Grund dafür sind sogenannte Störstoffe, die das Recycling bisher erschweren. Störstoffe sind etwa Einfärbungen oder zugesetzte Substanzen wie Sauerstoffbarrieren, die die Lebensmittel in PET-Verpackungen noch besser vor äußeren Einflüssen schützen. Probleme bereiten auch Mischmaterialien aus PET und anderen Kunststoffen. Verschmutzte und vermischte Kunststoffabfälle verschlechtern die Werkstoffeigenschaften von PET.

PET wird in seine chemischen Bestandteile zerlegt

Im Projekt solvoPET entwickeln Forschende ein neuartiges Verfahren, mit dem sich auch verschmutzte und vermischte PET-Abfälle wiederverwerten lassen. „Ziel ist es, gemischte PET-Abfälle ohne aufwändige Vorsortierung recyceln zu können“, erklärt Carsten Eichert, Geschäftsführer der an solvoPET beteiligten RITTEC Umwelttechnik GmbH. Dazu wird PET in seine chemischen Bestandteile zerlegt: Monoethylenglykol (MEG) und Terephthalsäure (TPA). Die gewonnenen Rohstoffe haben die Qualität von Neuware und können nahtlos wieder für die Herstellung neuer Güter verwendet werden. Eichert: „Bisher nicht verwertete Kunststoffabfälle gelangen wieder in den Wertstoffkreislauf zurück. Unser neues Verfahren bietet somit ökologisch und wirtschaftlich einen deutlichen Mehrwert.“

SolvoPET

Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Verbundprojekt solvoPET bis September 2020 mit über 2 Millionen Euro.