Das neue EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation: „Horizont Europa“

Die Europäische Union plant ein neues, umfangreiches Programm für Forschung und Innovation. Das neue Programm „Horizont Europa“ folgt auf das laufende Programm „Horizont 2020“ und soll die Erforschung wichtiger gesellschaftlicher Fragen fördern.

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„Horizont Europa“ wird voraussichtlich eines der größten Förderprogramme für Forschung und Innovation weltweit sein, noch umfangreicher als „Horizont 2020“. Die Inhalte orientieren sich an wichtigen gesellschaftlichen Fragestellungen wie zum Beispiel Gesundheit, Umwelt und Verkehr. Ein zentrales Ziel ist es, Exzellenz in der europäischen Wissenschaft zu fördern.

Wie das Vorgängerprogramm wird „Horizont Europa“ für die Forschungslandschaft in Deutschland von sehr großer Bedeutung sein. Viele Forschende – Teams und Einzelpersonen – sowie andere Akteure aus dem Bereich Innovation werden von den attraktiven Fördermöglichkeiten profitieren können. Das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation wird es erleichtern, in länderübergreifenden Projekten zusammenzuarbeiten – europäisch, aber auch weltweit.

„Horizont Europa“ wird voraussichtlich zum 1. Januar 2021 starten und wird sich über sieben Jahre erstrecken. Derzeit wird über die Ausgestaltung des Programmes verhandelt. Deutschland beteiligt sich aktiv an diesen Verhandlungen.

Die Struktur von „Horizont Europa“

Das EU-Rahmenprogramm ruht auf drei Pfeilern. Diese Pfeiler sind „Wissenschaftsexzellenz“, „Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas“ sowie „Innovatives Europa“. Ergänzt werden sie durch den Bereich „Erhöhung der Beteiligung und Stärkung des Europäischen Forschungsraumes“.

Die vorläufige Struktur von „Horizont Europa“ bestehend aus drei Pfeilern und einem allgemeinen Bereich
Die vorläufige Struktur von „Horizont Europa“ bestehend aus drei Pfeilern und einem allgemeinen Bereich © EU-Büro (CC BY 4.0) - auf Basis der Grafik " Preliminary structure of Horizon Europe" der Europäischen Kommission - veröffentlicht unter Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0) licence sowie dem Partial General Approach zum Spezifischen Programm von Horizont Europa vom 15. April 2019: ST8550/19

„Wissenschaftsexzellenz“

Im Pfeiler „Wissenschaftsexzellenz“ finden sich Programme zur thematisch nicht festgelegten (Individual-)Förderung. Es sind der Europäische Forschungsrat (ERC), die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen (MSCA) und ein Programmbereich zur Förderung von Forschungsinfrastrukturen.


„Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas“

Der zweite Pfeiler umfasst sechs Cluster:

  1. Gesundheit
  2. Kultur, Kreativität und eine inklusive Gesellschaft
  3. Zivile Sicherheit für die Gesellschaft
  4. Digitalisierung, Industrie und Weltraum
  5. Klima, Energie und Mobilität
  6. Lebensmittel, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt

Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) ist ebenfalls in diesem Bereich angesiedelt.


„Innovatives Europa“

Die Instrumente mit Schwerpunkt Innovation und Marktaufnahme sind im dritten Pfeiler verortet. Dies sind der Europäische Innovationsrat (EIC), die "Europäischen Innovationsökosysteme" sowie das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (EIT).


„Erhöhung der Beteiligung und Stärkung des Europäischen Forschungsraumes“

Der übergreifende Programmbereich „Erhöhung der Beteiligung und Stärkung des Europäischen Forschungsraumes“ ist unter anderem darauf ausgerichtet, die Beteiligung von Mitgliedstaaten zu fördern, die bisher weniger aktiv waren im Bereich Forschung und Innovation.
Außerdem gibt es noch die nicht zu „Horizont Europa“ gehörenden EU-Programme „Euratom“ und „InvestEU“.

  • „Euratom“: Mit dem „Euratom“-Programm wird die zivile Kernforschung unter dem Dach des Euratom -Vertrages umgesetzt.
  • „InvestEU“: Im Programm „InvestEU“ werden die Instrumente der EU zur Risikofinanzierung zusammengefasst.

Der Stand der Verhandlungen im September 2019

Nach Abschluss der Verhandlungen wird die Ausgestaltung des EU-Rahmenprogramms „Horizont Europa“ in zwei Rechtstexten beschrieben sein. Der eine Rechtstext wird eine Verordnung sein, sie beschreibt die Struktur des Programms und die Regeln für eine Beteiligung. Der zweite Text wird das „Spezifische Programm“ sein. Darin werden die operativen Ziele benannt und die Maßnahmen beschrieben, die ergriffen werden sollen. Daneben wird es Rechtstexte geben, die nur für Teilprogramme gelten.

Die drei europäischen Institutionen, der Rat, das Parlament und die Kommission, haben im April 2019 ein sogenanntes Gemeinsames Verständnis über die Verordnung erzielt („Common Understanding“). Der Rat hat zudem für das „Spezifische Programm“ eine sogenannte „Partial General Approach“ („Partielle Allgemeine Ausrichtung“) .

Das Gesamtbudget für „Horizont Europa“ sowie die Anteile für die einzelnen Bereiche sind noch nicht verhandelt worden. Es gibt einen Vorschlag der Europäischen Kommission vom 7. Juni 2018. Dieser sieht ein Budget von 94,1 Milliarden Euro vor (das Programm „Euratom“ und die Forschungsinfrastruktur International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) sind darin nicht enthalten). Die Beteiligung von Drittländern und mögliche Synergien mit anderen Förderprogrammen der EU sind ebenfalls noch nicht verhandelt worden.

Die nächsten Schritte bei den Verhandlungen

Im Herbst 2019 werden der Rat  , das neu konstituierte Europäische Parlament und die neu besetzte Europäischen Kommission auf der Grundlage der bisher erzielten Einigungen weiter über die Ausgestaltung von „Horizont Europa“ verhandeln.
Die Rechtstexte zu „Euratom“, zur Forschungsinfrastruktur International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) sowie zum Europäischen Innovations- und Technologieinstitut (EIT) werden parallel verhandelt.