Humanoide Roboter: sympathisch oder unheimlich?

Um akzeptiert zu werden, dürfen Roboter Menschen nicht zu sehr ähneln. Das ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wurde. Das Projekt wurde unter anderem beim diesjährigen ITAFORUM vorgestellt.

Humanoide Roboter wie Roboy dürfen einem Menschen nicht zu sehr ähneln, damit sie als sympatisch empfunden werden. © Ars Electronica, Magdalena Sick-Leitner

Service-Roboter oder Pflegeheim? Die Antwort der Deutschen ist eindeutig: 83 Prozent der Bundesbürger können sich vorstellen, einen Service-Roboter zuhause zu nutzen, wenn sie dadurch im Alter länger in den eigenen vier Wänden wohnen könnten. Das geht aus einer Umfrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) aus dem vergangenen Jahr hervor. Mehr als die Hälfte aller Befragten (56 Prozent) konnte sich vorstellen, einen Service-Roboter für den eigenen Haushalt zu kaufen. Bereits heute sind Prototypen robotischer Hilfskräfte in der Pflege, im Haushalt oder am Arbeitsplatz im Einsatz. Manche davon sehen fast wie echte Menschen aus. Welche Reaktionen dies bei uns auslöst – Akzeptanz oder Unbehagen – ist eine wichtige Frage, zu der es durchaus auch noch Forschungsbedarf gibt.

Im Rahmen der vom Bundesforschungsministerium geförderten Forschung der Innovations- und Technikanalyse (ITA) haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik der Universität Koblenz-Landau die Akzeptanz humanoider Service-Roboter untersucht. Ziel war dabei unter anderem, Faktoren zu ermitteln, die Empfindungen und Einstellungen von Nutzerinnen und Nutzern gegenüber Service- und Assistenzrobotern entscheidend beeinflussen. Eines der Ergebnisse: Je weniger ein Roboter einem Menschen ähnelt, desto eher wird er akzeptiert. Je menschlicher seine Züge werden, desto unbehaglicher fühlten sich die Probanden.

Hochabstrakte Figuren werden mitunter als sympathischer empfunden

In naher Zukunft könnten Roboter in der Pflege zum Einsatz kommen. © Shutterstock, Ditty_about_summer

Warum sind vielen Menschen allzu menschenähnliche Maschinen unheimlich? Experten der Robotik untersuchen diese Fragen anhand der „Uncanny Valley“-Hypothese. Das „unheimliche Tal“ steht für das Unbehagen, das überwiegend empfunden wird, wenn ein Roboter menschenähnlich und realistisch agiert. Im Gegenteil werden hochabstrakte Figuren mitunter als sympathischer empfunden. Auch spielt es eine Rolle, wie ein Service- und Assistenzsystem vorgestellt wird: Roboter, die als technisches Werkzeug vorgestellt wurden, wirkten deutlich weniger unheimlich als solche, die als selbstständig handelnd präsentiert wurden. Das Unbehagen wächst noch mehr, wenn dem Roboter eigene Bedürfnisse und Gefühle zugestanden werden. Probanden, die eine Mensch-Roboter-Interaktion live oder in der virtuellen Realität beobachteten, gaben an, dass ihnen der Roboter lebendiger erschien. War die Interaktion lediglich auf einem Video zu sehen, entstand dieser Eindruck nicht.

In Diskussionen um rechtliche und ethische Richtlinien werden häufig Sorgen und Ängste im Hinblick auf autonome Maschinen laut. Es ist daher – laut Projektverantwortlichen - wichtig, nicht nur die Roboter-Technologien selbst, sondern auch sozialwissenschaftliche Aspekte wie die Rahmenbedingungen der Akzeptanz dieser neuen Technologien und die psychologischen Prozesse bei Nutzerinnen und Nutzer in den Blick zu nehmen. 

Innovations- und Technikanalyse (ITA)

Die Innovations- und Technikanalyse (ITA) des Bundeforschungsministeriums analysiert und bewertet neue fachübergreifende Zukunftsthemen von gesellschaftlicher Relevanz hinsichtlich ihrer Chancen und Risiken. Das Projekt zur Akzeptanz humanoider Service-Roboter ist eines von 25 Projekten, die im Rahmen der ITA von 2015 bis 2017 vom BMBF gefördert wurden. Die Ergebnisse aller Projekte werden auf dem diesjährigen ITAFORUM in Berlin präsentiert.