Humboldt-Nachlass im Internet veröffentlicht

Die amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts und sein gesamter Nachlass sind nun nahezu vollständig erschlossen und online recherchierbar. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesforschungsministerium.

Im Rahmen der Abschlusskonferenz des BMBF-Verbundprojekts 'Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher' hält Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen eine Rede.
Im Rahmen der Abschlusskonferenz des BMBF-Verbundprojekts "Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher" hält Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen eine Rede. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Die Briefe, Notizen und einzigartigen Forschungsaufzeichnungen des großen Universalgelehrten umfassen rund 75.000 Dokumentenseiten und Abbildungen. Herzstück des Humboldt-Nachlasses sind die berühmten amerikanischen Tagebücher: Sie entstanden in den Jahren 1799 bis 1804 auf einer Entdeckungsreise durch Mittel- und Südamerika. „Es ist ein großer Erfolg, dass die amerikanischen Reisetagebücher ihren festen Platz in der Berliner Staatsbibliothek gefunden haben und so als herausragendes Kulturgut für die internationale Wissenschaft und die Öffentlichkeit gesichert werden konnten“, sagte Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen auf einer Konferenz in Berlin.

Nicht nur Wissenschaftler, sondern alle  Liebhaber der Naturwissenschaften und der Künste können die Tagebücher nun in bester Qualität anschauen und studieren. In den vergangenen drei Jahren wurden sie wissenschaftlich erschlossen und in den Kontext der Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts gestellt. Im Fokus stand dabei auch die spezifische Materialität der Tagebücher – also das benutzte Schreibwerkzeug, die Tinte und Papierart.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) förderte das Projekt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und der Universität Potsdam mit drei Millionen Euro. Es verfolgte einen integrativen Forschungsansatz über verschiedene Disziplinen hinweg, der nun tiefe Einblicke in das Wissensmodell Humboldt’scher Prägung möglich macht: Humboldts Südamerika-Reise war die erste Reise überhaupt, die rein wissenschaftlichen Zwecken diente. Zudem bilden Humboldts Reiseberichte mit ihren zahlreichen Einzelnotizen, Exzerpten, Tabellen, Skizzen, ersten Theorieversuchen und Zeichnungen die Grundlage seines wissenschaftlichen Werks.

Die Erforschung der Reisetagebücher Humboldts ist Teil der Strategie des Bundesforschungsministeriums, die einzigartigen Bestände in Museen, Bibliotheken, Archiven und Hochschulen in Deutschland besser zu erschließen und für die Wissenschaft zugänglich zu machen. Zugleich fördert das BMBF neuartige Bündnisse zwischen verschiedenen gleichberechtigten Partnern – etwa zwischen Hochschulen und Museen.

Auch das Humboldt-Projekt basiert auf einer solchen gewinnbringenden Allianz: Die Universität Potsdam und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz arbeiteten zusammen. Eindrucksvoll gelang es den Projektpartnern, auch die Kooperation mit der Krakauer Jagiellonen-Bibliothek zu intensivieren, in der Teile des Humboldt-Nachlasses verwahrt werden.

Die durch den Krieg zerstreuten Dokumente sind nun wieder vereint - und zwar virtuell. Das zeigt: Die Digitalisierung revolutioniert auch die Forschungsprozesse in den sammlungsbezogenen Geisteswissenschaften. Das BMBF unterstützt diese neuen Forschungsmöglichkeiten unter anderem mit der Initiative „eHeritage“. Ihr Ziel ist es, für die Forschung relevante Objekte des kulturellen Erbes in größerem Umfang zu erschließen, zu digitalisieren und der Wissenschaft weltweit zugänglich zu machen.

"Forschergeist, Erkenntnisinteresse, Tiefgang und ganzheitliches Denken: Alexander von Humboldt kann auch heute noch als Vorbild dienen“.

Cornelia Quennet-Thielen