"Ich fühle mich extrem wohl in meinem Job"

Alaa Kheralah kam im Oktober 2014 als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland. Wenige Monate später erhielt er die Anerkennung seiner Zahntechniker-Ausbildung - dank des Anerkennungsgesetzes des Bundes.

"Das wichtigste ist, sofort einen Sprachkurs zu machen": Der Zahntechniker Alaa Kheralah © BIBB / Portal Anerkennung in Deutschland

Herr Kheralah, wie lange leben Sie schon in Deutschland?

Ich lebe seit Oktober 2014 in Deutschland.

Auf welchem Weg sind Sie gekommen?

In Syrien haben wir viele Probleme, nicht zuletzt den Krieg. In den letzten Jahren sind die Löhne dort sehr gering gewesen. In den letzten drei Monaten vor meinem Umzug nach Deutschland hatte ich keine Arbeit und kein Geld für meine Familie. Dann erhielt ich einen Brief von der Regierung, dass ich zur Armee müsse. Ich habe daraufhin das Land verlassen. Zunächst in den Libanon, dann nach Jordanien, in den Sudan, die Türkei und schließlich bin ich in Deutschland gelandet. Dort habe ich Asyl beantragt. Meine Frau und mein vierjähriger Sohn waren zu diesem Zeitpunkt noch in der Türkei, konnten nach dem erfolgreichen Verfahren jedoch nachkommen.

Warum wollten Sie gerade in Deutschland arbeiten und leben?

Mein Bruder ist in Kiel geboren und arbeitet als Zahnarzt in Mannheim. Mein Vater hat bereits in Kiel studiert. Die Hälfte meiner Familie war also schon hier.

Welche Erwartungen hatten Sie?

Mein Bruder, der bereits hier lebte, hat vor meiner Ankunft für mich bei der Handwerkskammer nach Möglichkeiten für eine Anstellung als Zahntechniker gefragt. So konnte ich im Voraus bereits ein paar Eindrücke sammeln, was mich in Deutschland erwarten würde. Für mich kam es nie infrage, mich auf das Geld vom Sozialamt zu verlassen. Ich habe meine Kosten immer selbst getragen.

Nachdem Sie jetzt die Anerkennung erhalten haben, was bedeutet das für Sie?

Die Anerkennung bedeutet für mich, einen wichtigen Schritt in eine bessere Zukunft.

Wie haben Sie Ihre Zeugnisse in Deutschland anerkennen lassen? Woher hatten Sie die notwendigen Informationen über den Ablauf der Anerkennung?

Ich musste die Zeugnisse meiner Ausbildung einreichen. Die Informationen, was ich wo einzureichen hatte, habe ich von der Handwerkskammer in Mannheim erhalten.

Wie lange hat der Anerkennungsprozess bei Ihnen gedauert?

Der Anerkennungsprozess hat sich über mehrere Monate erstreckt. In der Zwischenzeit habe ich ein Praktikum bei einem Zahntechnikerlabor gemacht, das mir mein Bruder vermittelt hat. Gleichzeitig habe ich einen Sprachkurs begonnen, ich konnte ja bei meiner Ankunft kein einziges Wort Deutsch. Dennoch waren meine Kollegen im Labor vom ersten Tag an außerordentlich nett und hilfsbereit. Da in meinen Unterlagen wichtige Informationen zum genauen Inhalt meiner Ausbildung fehlten, musste ich im Januar 2015 eine Qualifikationsanalyse machen, um die Anerkennung zu erhalten. Hierzu musste ich 5 Tage Probearbeiten und alle wesentlichen Arbeiten eines Zahntechnikers praktisch zeigen.

Hätten Sie Ihre derzeitige Arbeitsstelle auch ohne die Anerkennung Ihrer Abschlüsse antreten können?

Nein. Für die Arbeit als Zahntechniker war die Anerkennung sehr wichtig - und ausschlaggebend dafür, dass ich den Job bekommen habe, auch wenn sie für den Beruf nicht Vorschrift ist.

Haben Sie den Anerkennungs-Finder benutzt?

Den Anerkennungs-Finder kannte ich damals noch nicht, aber ich habe mich inzwischen damit beschäftigt und er wäre mit Sicherheit eine große Hilfe gewesen.

Was war bei der Anerkennung besonders wichtig?

Die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald. war sehr hilfreich. Das Labor hat mir zudem erlaubt, die Prüfung in Englisch abzulegen, was mir sehr geholfen hat.

Welche Tipps haben Sie für andere?

Das Wichtigste ist, sofort einen Sprachkurs zu machen, um Deutsch zu lernen. Zudem darf man nie die Motivation verlieren, auch wenn es am Anfang Schwierigkeiten gibt.

Wie würden Sie Ihre jetzige Arbeits- und Lebenssituation beschreiben?

Mein Chef und meine Kollegen behandeln mich ausgesprochen gut. Ich fühle mich extrem wohl in meinem Job und bin froh, dass meine Familie auch hier ist. Ich würde gerne für immer in Deutschland bleiben, da die Situation für mich und meine Familie hier sehr gut ist.