Ideen aus der Bioökonomie: Die „Pille“ für Biogasanlagen

Übersäuerte Biogasanlagen kommen schnell ins Stottern – oder fallen ganz aus. Im Ideenwettbewerb „Neue Produkte für die Bioökonomie“ haben Forschende eine „Pille“ entwickelt, die die Anlagen wieder in Gang bringt.

Leipziger Forschende haben eine Art „Biogas-Pille“ entwickelt, die übersäuerte Biogasanlagen wieder in Gang bringt. © Thinkstock

Eine stetig wachsende Weltbevölkerung, der Klimawandel oder Plastikmüll im Meer: Die Menschheit muss ihre Art zu leben und zu wirtschaften ändern, damit der Planet Erde für kommende Generationen lebenswert bleibt. Ein Chance bietet die Bioökonomie: Statt auf fossile setzt diese auf nachwachsende Rohstoffe und biologisches Wissen. Im Ideenwettbewerb „Neue Produkte für die Bioökonomie“ fördert das Bundesforschungsministerium seit dem Jahr 2013 kreative Köpfe, die neue Ideen für biobasierte Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren entwickeln, prüfen und umsetzen. Jüngst startete die fünfte Runde, in der 18 Vorhaben bewilligt wurden. Welche innovativen Ideen bereits gefördert wurden, können Interessierte in der Broschüre „Innovationen leichtgemacht“ nachlesen.

Muscheln liefern den Bauplan für einen biokompatiblen Nasskleber: Chirurgen könnten damit eines Tages komplizierte Knochenbrüche oder Wunden zusammenfügen. © Adobe Stock / kitchenkiss.de

Eines der originellsten Produktideen ist ein Superkleber nach dem Vorbild der Miesmuschel. Egal ob Stein, Metall oder Kunststoff: der Nasskleber haftet enorm. Dank ihm trotzen die Muscheln selbst der peitschenden Brandung an den Küsten. Im Ideenwettbewerb haben Berliner Forschende den Muschelkleber weiterentwickelt. Mithilfe von Mikroben ist es ihnen gelungen, das natürliche Haftprotein herzustellen. Das Ziel der Forschenden: Sie wollen den Superklebstoff nutzen, um Knochenbrüche und Wunden zu behandeln. Schrauben, Nägel oder Platten im Körper der Patientinnen und Patienten könnten so schon bald Geschichte sein.

Forschende setzen auf mikrobielle Helfer

Eine andere innovative Idee ist eine „Pille“, die übersäuerte Biogasanlagen wieder in Gang bringt. Denn diese geraten schnell ins Stottern oder kommen sogar ganz zum Erliegen, wenn beim Gärprozess nicht alles reibungslos verläuft. Hier setzt die Idee von Leipziger Forschenden des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) an: Sie haben eine Art „Biogas-Pille“ entwickelt, die eine Übersäuerung schnell und effektiv bekämpft. Dabei setzen Sie nicht auf Chemikalien, sondern auf mikrobielle Helfer. Erste Tests im Labor waren bereits vielversprechend. Nun wollen die Forschenden ihre „Pille“ im Realbetrieb einer Großanlage testen.

Biobasierter Verbundwerkstoff aus Kaffeesatz

Neben der Biogas-Pille und dem Muschelkleber reichen die Produktideen von biobasierten Schmierstoffen für die Industrie oder der gemeinsamen, nachhaltigen Aufzucht von Edelkrebsen und Fischen bis hin zu mikrobiell erzeugten Substanzen für Lebensmittel oder Werkstoffe. Gefördert wird auch ein Projekt, das Energie mit mikrobiellen Biobrennstoffzellen erzeugt, sowie eine IT-Plattform für Imker, die eine schonende Inspektion von Bienenvölkern erlaubt. Andere Vorhaben entwickeln Ansätze, um bisher ungenutzte Abfälle zu verwenden – etwa aus dem Maisanbau oder Zellstofffabriken. Ein Projekt stellte auf der Basis von Kaffeesatz einen hochwertigen biobasierten Verbundwerkstoff her.

Eine Besonderheit am Ideenwettbewerb ist das schnelle und einfache Bewerbungsverfahren. Die Förderung erfolgt zweistufig: Eine Anschubfinanzierung bis zu 65.000 Euro hilft, frühe und risikoreiche Produktideen auszuloten, die technische Umsetzung zu planen und ein Netzwerk aus Partnern aufzubauen. In einem zweiten Schritt wird in einem wettbewerblichen Verfahren ermittelt, welche Produktidee eine weitere Förderung in der Machbarkeitsphase erhält. In der neuen Runde haben Neuerungen den Wettbewerb noch attraktiver gemacht. Die Sondierungsphase wurde von neun auf zwölf Monate ausgeweitet und die Fördersumme für die Machbarkeitsphase ist nicht mehr begrenzt. Zudem können sich nun auch Forschende aus Großunternehmen bewerben. Dies alles legt das Fundament dafür, originellen Geschäftsideen auf dem Weg zu einer biobasierten Wirtschaft eine Chance auf Umsetzung zu geben.

Ideenwettbewerb „Neue Produkte für die Bioökonomie“

Im Jahr 2013 hat das BMBF im Rahmen der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ den Wettbewerb erstmals ausgeschrieben. In den ersten vier Runden des Ideenwettbewerbs wurden 108 Ideen im Rahmen der Sondierungsphase mit knapp sechs Millionen Euro gefördert. Aus diesen wurden 51 Verbundvorhaben für die Machbarkeitsphase ausgewählt. Insgesamt stellte das BMBF bislang rund 43 Millionen Euro an Fördermitteln bereit. Für die neue Runde wurden 18 Vorhaben für eine Sondierungsphase ausgewählt, rund eine Million Euro stehen zur Verfügung.