Impfstoffentwicklung: Der Zeitplan steht

Im Interview mit der Stuttgarter Zeitung zeigt sich Ministerin Karliczek zuversichtlich, bis zum nächsten Sommer flächendeckend Impfstoffe anbieten zu können. Zudem kündigt sie an, den Aufbau von Produktionskapazitäten zu fördern.

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung © BMBF/Laurence Chaperon

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek rechnet in sechs bis 12 Monaten mit einem Corona-Impfstoff, sofern sich die jetzt am weitesten fortgeschrittenen Entwicklungen als sicher und wirksam erweisen. „Nichts am bisherigen Prozess gibt Anlass, die Hoffnung zu verlieren, den Zeitplan einzuhalten“, sagte sie im Interview mit der Stuttgarter Zeitung (Samstagsausgabe). [Paywall] Bisher habe es bei der Impfstoffentwicklung keine gravierenden Rückschläge gegeben. Daher bleibe das Ziel bestehen, bis zum nächsten Sommer flächendeckend Impfstoffe anbieten zu können, die für unterschiedliche Zielgruppen wirksam und sicher sind.

Karliczek kündigte an, drei deutsche Biotech-Unternehmen beim Aufbau von Produktionskapazitäten fördern zu wollen. Ziel sei es, in Deutschland auch einen Impfstoff produzieren zu können, der woanders entwickelt worden ist. Deutschland wolle bei der Herstellung des Impfstoffs einen Beitrag für Europa und die Welt leisten, so die Bundesforschungsministerin. „Deshalb sehen wir uns auch in der Verpflichtung, am Ende mehr zu produzieren als wir in Deutschland brauchen.“

Flächendeckende Schulschließungen verhindern

Der Fortschritt bei der Impfstoffentwicklung hat auch Auswirkungen auf den Schulbetrieb: „Bis die Menschen flächendeckend auf freiwilliger Basis geimpft werden können, werden sich alle für Schule Verantwortlichen immer der aktuellen regionalen Lage anpassen müssen“, betonte Karliczek. Es werde vorkommen, dass Schulen geschlossen werden oder aufgrund von lokalen Infektionen einzelne Klassen von zu Hause aus lernen müssen. „Aber ich glaube, wir können verhindern, dass es erneut flächendeckende Schulschließungen gibt, wenn die Gesellschaft insgesamt diszipliniert ist und gerade an den Schulen die geltenden Hygiene- und Abstandregeln befolgt werden“, so die Ministerin.

Der Koalitionsausschuss hat kürzlich beschlossen, Lehrerinnen und Lehrer für digitalen Unterricht mit entsprechenden Endgeräten auszustatten. Dazu sagte Karliczek: „Wir werden uns jetzt mittels EU-Gelder an die Umsetzung des Beschlusses machen.“ Bezüglich der Digitalisierung der Schulen betonte sie zudem, dass Deutschland noch besser werden müsse. Und sie versicherte: „Der Wille ist da. Die Länder unternehmen insgesamt große Anstrengungen. Auch die Zusammenarbeit von Bund und Ländern in der Bildungspolitik ist in dieser Krise besser geworden. Vielleicht entsteht gerade ein neuer Geist der Gemeinsamkeit“, so Karliczek.

Grundregeln müssen durchgesetzt werden: Abstand, Hygiene und Alltagsmasken

Einheitliche Hygiene-Bestimmungen bezeichnete Karliczek als „wünschenswert, um deren Bedeutung noch mehr zu unterstreichen.“ Sie betonte jedoch auch: „Wenn man angesichts unterschiedlicher Rahmenbedingungen in Details anders reagiert, ist das aus meiner Sicht angebracht – man muss schließlich ja auch die unterschiedlichen baulichen Situationen an den Schulen betrachten.“ Ihr sei es aber wichtig, dass in ganz Deutschland die Grundregeln gelten und durchgesetzt werden: Abstand, Hygiene und Alltagsmasken.