In der Arktis wird der Klimawandel besonders deutlich

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka besucht die Arktis, die durch den Klimawandel und geopolitische Interessen immer mehr in den Mittelpunkt rückt. "Eine starke Polarforschung ist wichtig", sagte die Bundesministerin.

Johanna Wanka besucht die Arktis DPA

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, besichtigt in Longyearbyen auf Spitzbergen (Norwegen) die internationale Gen-Bank in einer Höhle mit ständig minus 18 Grad Celsius. (Quelle: dpa/picture-alliance)

Bundesministerin Johanna Wanka besucht deutsche und internationale Forschungseinrichtungen auf dem arktischen Inselarchipel Spitzbergen. Neben der einzigartigen norwegischen Gen- und Saatgutdatenbank und dem Forschungspark in Longyearbyen besichtigt sie Luft-, Meeres- und Geologie-Observatorien. Zudem wird die Bundesministerin Station machen in Ny-Ålesund, der nördlichsten dauerhaft bewohnten Siedlung der Welt. Hier ist die deutsch-französische Forschungsbasis AWIPEV, eine Kooperation des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) mit dem französischen Polarinstitut Paul Émile Victor (IPEV).

„Die Arktis ist eine Schlüsselregion für die Forschung, die durch den Klimawandel und geopolitische Interessen immer weiter in den Mittelpunkt rückt“, sagte Wanka. „Eine starke Polarforschung ist wichtig, weil wir eine gute Wissensbasis brauchen, um die richtigen politischen Entscheidungen zu treffen".

Deutschland ist in der Arktis mit seiner Forschung ein wichtiger Akteur. Es betreibt biologische, geologische, geophysikalische, glaziologische, chemische, ozeanographische und meteorologische Forschung an beiden Polen. Denn die Polarregionen reagieren höchst sensibel auf klimatische Änderungen. Die abnehmende Meereisbedeckung, schrumpfene Eisschilde und veränderte Ozeanströmungen haben erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des gesamten Erdklimas. Vor allem das zu 90 Prozent vom Bundesforschungsministerium finanzierte AWI ist hier engagiert. Die Forscher untersuchen das komplexe Zusammenspiel zwischen Atmosphäre, Eis, Ozean und Land. Beim AWI arbeiten Physiker, Biologen, Geologen, Chemiker, Ozeanografen und Meteorologen Hand in Hand.

Im Rahmenprogramm "Forschung für nachhaltige Entwicklungen" (FONA) des Bundesforschungsministeriums ist der Arktische Raum eine der Schlüsselregionen der künftigen Forschungsförderung. Für die Projektförderung in der Arktis gibt das Ministerium durchschnittlich rund 20 Millionen Euro jährlich aus. Zudem investiert Deutschland rund 200 Millionen Euro institutioneller Mittel jährlich in die Meeres- und Polarforschung.

Das internationale Forschungszentrum Ny-Ålesund

In Ny-Ålesund treffen unterschiedlichste Disziplinen der Arktis-Forschung aufeinander. Bereits Carl Koldewey, Leiter der ersten deutschen Nordpol-Expedition 1868, bereiste die Meere um Spitzbergen. Im August 1991 wurde die deutsche Forschungsstation „Koldewey“ eröffnet. Im Jahr 2003 führten das Alfred-Wegener-Institut und das französische Polar-Institut Paul Emile Victor (IPEV) ihre Forschungsstationen in Ny-Ålesund zusammen. Die Französisch-Deutsche Arktis-Forschungsbasis AWIPEV verfügt über die Gebäude der Koldewey-Station, der Rabot-Station und das französische Lager Corbel östlich von Ny-Ålesund.

Eine der wichtigsten Aufgaben der wissenschaftlichen Arbeit an der Koldewey-Station ist die Beobachtung der nordpolaren Stratosphäre. Seit 1995 werden optische Messungen auf dem Dach des Atmosphären-Observatoriums durchgeführt. Ein Infrarot-Spektrometer misst Art und Menge von Spurengasen in der Troposphäre und Stratosphäre. Ein Photometer, das das Licht der Sonne und des Mondes nutzt, misst ganzjährig die optische Tiefe atmosphärischer Partikel. Mit dem Laser-„Radar“ LIDAR kann die Konzentration von Ozon und Aerosolen in der Atmosphäre erfasst werden. Zusätzlich berechnen Sensoren an wissenschaftlichen Ballons Temperatur, Feuchtigkeit und Luftdruck. Im Sommer finden an der Station Untersuchungen der Meeresbiologie statt. Seit Juni 2005 wird das neue Kings Bay-Meeresforschungslabor genutzt. Es bietet in seinen Laboren vielfältige Möglichkeiten biologischer und chemischer Untersuchungen. Insbesondere Meeresbiologen und -ökologen, sowie Ozeanographen, Meeresgeologen und Eisphysiker arbeiten hier.