"In der momentanen Lage gibt es keine Ideallösung"

Vor dem Ministerpräsidententreffen mit der Bundeskanzlerin am kommenden Mittwoch äußert sich Bundesbildungsministerin Karliczek zur aktuellen Situation an Schulen. „Alle Beteiligten werden Kompromisse machen müssen", sagt sie der Funke Mediengruppe.

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung © BMBF/Laurence Chaperon

Das Infektionsgeschehen in Deutschland steigt weiterhin stark an. Am kommenden Mittwoch wollen die Ministerpräsidenten der Bundesländer und Bundeskanzlerin Merkel über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Gegenüber der Funke Mediengruppe hat Bundesbildungsministerin Anja Karliczek angemerk, dass es für die Schulen keine Ideallösung gibt. „Alle Beteiligten werden immer wieder Kompromisse machen müssen, um möglichst viel Unterricht in den Schulen selbst ermöglichen zu können. Am nächsten Mittwoch gilt es, Leitlinien zu entwickeln, die für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte eine gewisse Planbarkeit ermöglichen“, erklärt Anja Karliczek.

Zudem fordert die Bundesbildungsministerin die Steigerung der bekannten Hygienemaßnahmen an den Schulen: „Angesichts des allgemeinen Infektionsgeschehens, aber auch zunehmenden Nachrichten von Infektionsfällen an Schulen und einer steigenden Zahl von Quarantäneanordnungen müssen Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen an den Schulen insgesamt erhöht werden. Nach wie vor ist das einfachste Mittel für einen Schutz das Tragen von Masken. Das Tragen von Masken ist angesichts der Gesamtlage zumutbar, auch wenn sie gerade für jüngere Schülerinnen und Schüler eine Belastung ist“, so die Bundesministerin.

Zur Frage einer Umsetzung eines Wechselunterrichtsmodells distanziert sich Karliczek von einer Pauschallösung: „Wechselunterricht sollte insbesondere in den höheren Klassen ins Auge gefasst werden, wenn in der jeweiligen Region die Infektionsbelastung sehr hoch ist. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Schülerinnen und Schüler, die generell eine höhere Betreuung benötigen, vorwiegend in der Schule unterrichtet werden“, rät Karliczek.

Zu den generellen Bedingungen für ein Wechselunterrichtsmodell ergänzt sie: „Die Voraussetzungen für den Wechselunterricht haben sich in den vergangenen Monaten verbessert. Die Schulen haben Erfahrungen gesammelt. Außerdem kommen Milliarden-Hilfen des Bundes für die Digitalisierung jetzt mehr und mehr in den Schulen an, auch wenn wir längst nicht da sind, wo wir sein wollen. Gute Nachrichten gibt es insbesondere zur vom Bund geförderten Anschaffung von Schülerlaptops für diejenigen, denen bislang ein solches Endgerät nicht zur Verfügung steht“, so Karliczek. Weiter sagt sie: „Die Zusatzvereinbarung zur Förderung von Administratoren ist bereits in Kraft getreten, und die zur Beschaffung der Lehrerlaptops liegt den Kolleginnen und Kollegen in den Ländern seit Freitag zur Unterschrift vor. Allerdings muss gesehen werden, dass Wechselunterricht wie selbstverständlich auch die Teilung von Klassen den Lehrkräften noch mehr abverlangen würde.“

Zudem betont sie die Bedeutung der Vernetzung aller Entscheidungsträger und Beteiligten, um zielführende Lösungen zu finden: „Wir brauchen in den nächsten Tagen und Wochen einen ständigen Austausch vor Ort, also zwischen den Schulleitungen, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und den Eltern und eine enge Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden und Schulverwaltungen. Es bedarf einiger Grundentscheidungen, letztlich wird auch künftig die Lage vor Ort auch immer zu berücksichtigen sein“, konstatiert Karliczek.

Hoffnung sieht die Bundesministerien im Einsatz von Schnelltests: „Schnelltests an Schulen wären zudem möglicherweise ein Weg, um Quarantänen schneller zu beenden. Hier müsste aber zunächst ermittelt werden, ob genügend Schnelltests verfügbar sind und Tests personell umzusetzen wären“, so Karliczek.