In vierzig Jahren könnte die Arktis eisfrei sein

Die Lufttemperatur in der Arktis steigt um 1,3 Grad pro Jahrzehnt, das Eis schmilzt und Tiere verlieren ihren Lebensraum. Bundesministerin Wanka sieht Handlungsbedarf: „Wir werden das Engagement für die Polarforschung weiter stärken“, sagte sie.  

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, besichtigt in Longyearbyen auf Spitzbergen (Norwegen) die internationale Gen-Bank in einer Höhle mit ständig minus 18 Grad Celsius. © Jens Büttner/dpa

So schnell ist der Klimawandel: Die Lufttemperatur auf Spitzbergen steigt durchschnittlich um 1,3 Grad Celsius pro Jahrzehnt. In den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar war die Erwärmung mit 3,4 Grad Celsius pro Dekade sogar besonders ausgeprägt. Diese Daten teilten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der deutsch-französischen Forschungsbasis AWIPEV in Ny-Ålesund mit. Seit 1993 zeichnen sie dort regelmäßig atmosphärische Daten auf. Das AWIPEV ist eine Kooperation des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), mit dem französischen Polarinstitut Paul Émile Victor (IPEV).

Klimawandel in der Arktis beschleunigt

Die Erwärmung hat einen dramatischen Einfluss auf das Eis der Arktis: Die sommerliche Meereisbedeckung befindet sich in einem langjährigen Abwärtstrend. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts prognostizieren, dass die Arktis ab Mitte des 21. Jahrhunderts während der Sommermonate weitestgehend eisfrei sein könnte.

Die Arktis erwärmt sich sogar doppelt so schnell wie andere Regionen der Welt. Denn das komplexe Zusammenspiel von Ozean, Meereis und Atmosphäre führt zu Rückkopplungseffekten, welche die Erwärmung verstärken. Wissenschaftler sprechen von der sogenannten ‚Arctic Amplification‘. Das helle Eis reflektiert die Sonneineinstrahlung. Wenn die Meereisbedeckung allerdings schmilzt, fällt dieser Effekt weg und die Sonnenstrahlen werden von der dunkleren Wasseroberfläche absorbiert.

Internationale Zusammenarbeit verstärken

Die Bundesforschungsministerin Johanna Wanka reist derzeit durch die Arktis, um sich selbst ein Bild vom Klimawandel zu machen. „Nirgendwo sonst ist der Klimawandel so sichtbar wie in der Arktis. Dies macht die Bedeutung unseres Forschungsengagements deutlich“, sagte Wanka während ihrer Reise durch Spitzbergen. Die Bundesforschungsministerin hat dort neben der AWIPEV-Station weitere deutsche und internationale Forschungseinrichtungen auf dem von Norwegen verwalteten arktischen Inselarchipel besucht. „Die internationale Zusammenarbeit war und ist der Schlüssel, um die Zusammenhänge intensiv zu erforschen und besser zu verstehen. Deshalb wird Deutschland sein Engagement für die Polarforschung weiter verstärken“, kündigte Wanka an.