Informationsinfrastrukturen

Um das Methodenspektrum für die Geistes- und Sozialwissenschaften zu ergänzen, unterstützt das BMBF seit vielen Jahren den Ausbau bestehender Informationsinfrastrukturen. Von besonderer Bedeutung ist hier das Thema Digitalisierung.

Vernetzte Arbeit einer Forschungsinfrastruktur © Thorsten Trippel, Eberhard Karls Universität Tübingen

Wer forscht, braucht hochmoderne, gut ausgebaute Forschungsinfrastrukturen: Anlagen, Einrichtungen, Daten, Ressourcen und Dienstleistungen. Meist richtet sich das öffentliche Interesse bei diesem Thema auf die Großgeräte der naturwissenschaftlich-technischen Fächer wie Teilchenbeschleuniger, Forschungsschiffe oder Labore. Aber genauso zählen wissenschaftliche Sammlungen und Archive, modernste Rechner und Software zu den Forschungsinfrastrukturen. Ob sie vorhanden sind, wie sie beschaffen sind und ob sie im raschen technologischen Wandel up to date bleiben – all das entscheidet letztlich darüber, welche Forschung überhaupt möglich ist und welche Qualität die Forschungsergebnisse haben.

Deutschland besitzt in vielen Bereichen eine sehr gut ausgebaute Forschungsinfrastruktur-Landschaft. Sie gewährleistet, neben anderen Faktoren, die Spitzenposition der deutschen Wissenschaft und ihre Leistungsfähigkeit.

Um den Auf- und Ausbau der Forschungsinfrastrukturen über geographische Grenzen hinweg auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften voranzutreiben, hat das BMBF spezifische Fördermaßnahmen aufgelegt, die vor allem auch die Digitalisierung vorantreiben.

Sozialwissenschaften: Den Zugang zu Statistiken verbessern

Damit Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler realitätsnahe Untersuchungen durchführen können, benötigen sie zuverlässige und aktuelle Daten. Daher besteht in den quantitativ orientierten Sozialwissenschaften der Bedarf vor allem darin, den Zugang zu Daten der amtlichen Statistik und der Rentenversicherung herzustellen sowie die informationelle Infrastruktur insgesamt zu verbessern.

Der Anstoß kam aus der empirisch forschenden Wissenschaft, für die die „Kommission zur Verbesserung der informationellen Infrastruktur zwischen Wissenschaft und Statistik (KVI)“ im Jahr 2001 einen umfassenden Empfehlungskatalog zusammengestellt hatte. Auf Grundlage dieser Empfehlungen hat das Bundesforschungsministerium den Auf- und Ausbau sozialwissenschaftlicher Infrastrukturen mit zahlreichen Projekten wie beispielsweise am Statistischen Bundesamt, den Statistischen Landesämtern oder der Bundesagentur für Arbeit stark unterstützt. Ende 2004 wurde der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten begründet und eine Geschäftsstelle eingerichtet, die seitdem durch das BMBF gefördert wird.

Digitalisierung der Geisteswissenschaften: Digital Humanities

Die Entwicklungen der Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen nicht nur Arbeitserleichterungen, ortsunabhängigen Zugriff auf Forschungsressourcen und neue Kollaborationsformen, sie bieten auch innovative Forschungsansätze. Das BMBF unterstützt diese Entwicklungen in zweierlei Hinsicht, mit dem Aufbau von Forschungsdateninfrastrukturen und der Förderung von interdisziplinären Forschungsprojekten, in denen geisteswissenschaftliche und informatiknahe Fächer an gemeinsamen Fragestellungen arbeiten und deren Bearbeitung Erkenntnisfortschritte für beide Seiten mit sich bringt. Seit 2011 hat das BMBF bereits 39 Forschungsprojekte gefördert.

Der Ausbau europäischer Infrastrukturen mit ESFRI

Europa wächst auch in der Forschung immer enger zusammen: Die Idee virtueller Forschungsumgebungen für Europa wurde ab dem Jahr 2001 mit dem ESFRI-Roadmap-Prozess in Gang gesetzt. Hinter ESFRI verbirgt sich das „European Strategy Forum on Research Infrastructure“, ein europäisches Forum, dessen Aufgabe es ist, eine europaweite Strategie für die Entwicklung der Forschungsinfrastrukturen zu entwickeln und deren Umsetzung durch transnationale Projekte anzutreiben. Im Jahr 2006 wurde die erste Roadmap für Forschungsinfrastrukturen aufgestellt, die im Zweijahresabstand erneuert wird.

Das BMBF beteiligt sich an der Förderung geistes- und sozialwissenschaftlicher ESFRI-Projekte, in denen es u.a. um die Bereitstellung von erhobenen und aufbereiteten Daten, von Sprach-, Text-, Ton-, Bild- und anderen Ressourcen, webbasierten Werkzeugen und Diensten sowie von virtuellen Forschungsumgebungen zur internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit geht. Sie sind Bestandteil wichtiger europäischer Forschungsinfrastrukturen und damit wesentliche Grundlage für exzellente Forschung in Europa.

Insgesamt umfasst die ESFRI-Roadmap 60 Projekte, davon haben 29 Projekte einen sogenannten Landmark Status erreicht. Landmarks sind solche Infrastrukturen, die einen paradigmatischen Reifegrad erreicht haben und als führend in ihrer Domäne gelten. Fünf der geistes- und sozialwissenschaftlichen ESFRI Projekte – CLARIN, DARIAH, SHARE,  ESS und CESSDA –  haben mittlerweile einen Landmark Status erreicht, drei davon werden durch eine BMBF-Projektförderung finanziert.