Informationsinfrastrukturen

Um das Methodenspektrum für die Geistes- und Sozialwissenschaften zu ergänzen, unterstützt das Bundesforschungsministerium seit vielen Jahren den Ausbau bestehender Informationsinfrastrukturen. Von besonderer Bedeutung: die Digitalisierung.

Digitalisierung eines historischen Dokumentes an der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. © Britta Frenz (mit freundlicher Genehmigung der SUB Göttingen)

Wer forscht, braucht hochmoderne, gut ausgebaute Forschungsinfrastrukturen: Anlagen, Einrichtungen, Daten, Ressourcen und Dienstleistungen. Meist richtet sich das öffentliche Interesse bei diesem Thema auf die Großgeräte der naturwissenschaftlich-technischen Fächer wie Teilchenbeschleuniger, Forschungsschiffe oder Labore. Aber genauso zählen wissenschaftliche Sammlungen und Archive, modernste Rechner und Software zu den Forschungsinfrastrukturen. Ob sie vorhanden sind, wie sie beschaffen sind und ob sie im raschen technologischen Wandel up to date bleiben – all das entscheidet letztlich darüber, welche Forschung überhaupt möglich ist und welche Qualität die Forschungsergebnisse haben.

Deutschland besitzt in vielen Bereichen eine sehr gut ausgebaute Forschungsinfrastruktur-Landschaft. Sie gewährleistet, neben anderen Faktoren, die Spitzenposition der deutschen Wissenschaft und ihre Leistungsfähigkeit.

Um den Auf- und Ausbau der Forschungsinfrastrukturen über geographische Grenzen hinweg auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften voranzutreiben, hat das Bundesforschungsministerium spezifische Fördermaßnahmen aufgelegt, die vor allem auch die Digitalisierung vorantreiben.

Sozialwissenschaften: Den Zugang zu Statistiken verbessern

Damit Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler realitätsnahe Untersuchungen durchführen können, benötigen sie zuverlässige und aktuelle Daten. Daher besteht in den quantitativ orientierten Sozialwissenschaften der Bedarf vor allem darin, den Zugang zu Daten der amtlichen Statistik und der Rentenversicherung herzustellen sowie die informationelle Infrastruktur insgesamt zu verbessern.

Der Anstoß kam aus der empirisch forschenden Wissenschaft, für die die „Kommission zur Verbesserung der informationellen Infrastruktur zwischen Wissenschaft und Statistik (KVI)“ im Jahr 2001 einen umfassenden Empfehlungskatalog zusammengestellt hatte. Auf Grundlage dieser Empfehlungen hat das Bundesforschungsministerium den Auf- und Ausbau sozialwissenschaftlicher Infrastrukturen mit zahlreichen Projekten wie beispielsweise am Statistischen Bundesamt, den Statistischen Landesämtern oder der Bundesagentur für Arbeit stark unterstützt. Ende 2004 wurde der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten begründet und eine Geschäftsstelle eingerichtet, die seitdem durch das BMBF gefördert wird.

Digitalisierung der Geisteswissenschaften: eHumanities

Die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien schafft neue Perspektiven in der Forschung, die nicht nur Arbeitserleichterungen bringen und den Zugriff auf die Forschungsressourcen vereinfachen, sondern auch neue Kollaborationsformen sowie innovative Forschungsansätze ermöglichen. Virtuelle Forschungsumgebungen und systematisch aufgebauter Ressourcenzugang für die Forschung sind in den Naturwissenschaften schon lange üblich. Dies ist insbesondere aufgrund der nichtquantitativen Forschungsmethoden in den Geisteswissenschaften nicht der Fall. Mit seiner Förderung will das BMBF diesem Ungleichgewicht begegnen und eine Ergänzung der traditionellen Forschungsmethoden durch quantitative Methoden ermöglichen.

Seit 2011 konnten im Rahmen von zwei Förderprogrammen insgesamt mehr als 20 Verbund- und Einzelprojekte vom Bundesforschungsministerium gefördert werden, die innovative Infrastrukturen in den Geisteswissenschaften vorantreiben.

Der Ausbau europäischer Infrastrukturen mit ESFRI

Europa wächst auch in der Forschung immer enger zusammen: Die Idee virtueller Forschungsumgebungen für Europa wurde ab dem Jahr 2001 mit dem ESFRI-Roadmap-Prozess in Gang gesetzt. Hinter ESFRI verbirgt sich das „European Strategy Forum on Research Infrastructure“, ein europäisches Forum, das die Aufgabe hat, eine europaweite Strategie für die Entwicklung der Forschungsinfrastrukturen zu entwickeln und deren Umsetzung durch transnationale Projekte anzutreiben. Im Jahr 2006 wurde dann die erste Roadmap für Forschungsinfrastrukturen aufgestellt, die in 2008 und 2010 erneuert wurde.

Das BMBF beteiligt sich an der Förderung fünf geistes- und sozialwissenschaftlicher ESFRI-Projekte, in denen es u.a. um die Bereitstellung von erhobenen und aufbereiteten Daten, von Sprach-, Text-, Ton-, Bild- und anderen Ressourcen, webbasierten Werkzeugen und Diensten sowie von virtuellen Forschungsumgebungen zur internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit geht. Sie sind Bestandteil wichtiger europäischer Forschungsinfrastrukturen und damit wesentliche Grundlage für exzellente Forschung in Europa.

Insgesamt umfasst die ESFRI-Roadmap 48 Projekte. Fünf dieser Projekte - CLARIN, DARIAH, SHARE, ESS und CESSDA -  sind geistes- und sozialwissenschaftlich ausgerichtet und werden anteilig oder umfassend durch eine BMBF-Projektförderung finanziert.