"Innovation ist ein elementarer Baustein wirtschaftlichen Erfolgs"

Staatssekretär Christian Luft hat in Berlin die wirtschaftliche Bedeutung von technischen Neuerungen betont. „Forschung und Innovation müssen sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene politische Prioritäten sein“, sagte er.

Christian Luft, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, bei seiner Rede. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Keynote des Staatssekretärs Christian Luft, Bundesministerium für Bildung und Forschung, anlässlich der Informations- und Diskussionsveranstaltung „Der Europäische Innovationsrat (EIC) – neue Technologien, disruptive und marktschaffende Innovationen“ am 17. Juni 2019 in der Vertretung der Europäischen Kommission Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Burtscher,

als wir diese Veranstaltung organiserten, die die Europäische Kommission gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung heute zum Europäischen Innovationsrat gemeinsam ausrichten, waren wir gerade mitten in den eigenen Planungen für unsere Agentur für Sprunginnovationen. Sprunginnovationenoder auch „disruptive“ Technologien, sind in aller Munde.

Das Streben nach Verbesserung, nach Innovation ist ein elementarer Baustein wirtschaftlichen Erfolgs. Damit sichern wir Wachstum und Stabilität – vor allem aber wappnen wir uns damit auch für die Herausforderungen unserer Zeit: im Bereich des Klimaschutzes, der Gesundheit, der Mobilität und der Zukunftsfürsorge für die kommenden Generationen. E Teilweise erfolgen diese Innovationen schrittweise - teilweise sprunghaft. Für Deutschland lässt sich sagen: Die Leistungen der deutschen Wirtschaft, allen voran des Klein- und Mittelstandes, aber auch der Forschung in den Hochschulen, in den Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft sowie in den Zentren der Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaften haben einen wichtigen Anteil an der deutschen Innovationsstärke. Deshalb haben wir in den letzten Jahren zahlreiche Programme aufgelegt, um den Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu befördern.

  • Deutschland gehört zu den innovativsten Ländern der Welt. Das Weltwirtschaftsforum (WWF) sieht Deutschland bei der Innovationsfähigkeit weltweit auf Platz 1. Zudem bescheinigt der Weltwettbewerbsbericht (Global Competitiveness Report) des WWF Deutschland beim dynamischen Wachstum innovativer Unternehmen eine Top-Position im weltweiten Vergleich.
  • Grundlage für diesen Erfolg ist die enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die seit 2006 durch die Hightech-Strategie der Bundesregierung vorangetrieben wird.
  • Deutschland verfügt über einen äußerst innovativen Mittelstand, viele Hidden Champions und FuE-betreibende KMU. Das ist unsere besondere Stärke, wenn es darum geht, Forschung zum Wohle der Menschen in die Anwendung zu bringen. Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.
  • Deutschland investiert gut 3 Prozent des BIP (2017) in Forschung und Entwicklung. Wir wollen bis zum Jahr 2025 – zusammen mit den Ländern und der Wirtschaft – jährlich 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung investieren.
  • Und, nicht zu vergessen: In Wissenschaft und Forschung werden in Deutschland regelmäßig Erfindungen und Ideen mit hohem Potential für Sprunginnovationen produziert.

Global betrachtet fordern zunehmend neue Technologie- und Dienstleistungsunternehmen die europäische Wirtschaft insgesamt heraus: insbesondere in jungen Hochtechnologiefeldern, bei Neugründungen und dem Wachstum innovativer Unternehmen sowie bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen zur Erschließung neuer Märkte.

Wir müssen diese Herausforderung annehmen und Forschung und Innovation  als Treiber für die künftige Wettbewerbsfähigkeit Europas noch stärker als bisher in Stellung bringen. Forschung und Innovation müssen deshalb sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene politische Prioritäten sein, die mit ausreichend Ressourcen ausgestattet sind.

Aber es geht nicht nur um Budgets. Zu einer guten europäischen Innovationspolitik gehört es, unsere Kräfte zu bündeln und gemeinsame Projekte auf den Weg zu bringen. Nur der europäische Binnenmarkt hat die Größe, eine echte Marktmacht aufbauen zu können. Dieses Gewicht brauchen wir, um auch über Europa hinaus Regeln und Standards in unserem Sinne zu setzen und durchzusetzen. Und nur so haben wir zum Beispiel im Hightech-Bereich eine Chance, insbesondere gegenüber den Vereinigten Staaten und China mitzuziehen. Das gilt insbesondere, aber nicht nur, im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

Wir brauchen sicher einen anderen Weg als die USA und China, aber wir brauchen auf jeden Fall einen gemeinsamen europäischen Weg.

Die nationale Forschungs- und Innovationspolitik der EU-Mitgliedstaaten bildet dabei die Basis, auf der dann die europäische Förderung aufsetzt. Wichtig ist daher erstens, eine intelligente Verzahnung und Abstimmung von regionalen, nationalen und europäischen Forschungs- und Innovationsaktivitäten zu realisieren. Und zweitens, dass der Translation von Forschungsergebnissen in konkrete Produkte, Dienstleistungen und Anwendungen mehr Bedeutung beigemessen wird.

Beide für die europäische Wettbewerbsfähigkeit wichtigen Faktoren – also Verzahnung und Translation – werden durch verschiedene Elemente des neuen EU-Rahmenprogramms „Horizont Europa“, das ab 2021 startet, aufgegriffen. Gerade auch die Schaffung des Europäischen Innovationsrats – der EIC – bietet das Potenzial für den Innovationsbereich, neue Maßstäbe in Hinsicht auf Verzahnung und Translation zu setzen.

Der EIC wird eine verstärkte Förderung von marktschaffenden Innovationen bieten, er wird als „one-stop-shop“ für Innovatoren für Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette fungieren und er wird eine „Andockstelle“ für die Anschlussfinanzierung von Projekten bieten, die bereits regional und national erfolgreich gefördert worden sind. Von unserer Seite arbeiten wir gemeinsam mit der Europäischen Kommission daran, die Antragsverfahren, die Auswahlprozesse und die Vergabe der Fördermittel so zu gestalten, dass Sie als Innovator es möglichst einfach haben – ich weiß, nicht immer gelingt uns dies perfekt, aber ich kann Ihnen versichern, es ist stets unser Ziel, einfache, transparente und qualitative hochwertige Prozesse auf- und umzusetzen. Aber ich darf Sie auch bitten, nehmen Sie die Herausforderung an! Die Instrumente des EIC sind ein wichtiges Angebot an Sie. Europa, der EIC und wir brauchen Sie, damit wir unsere Position im Wettbewerb behaupten und ausbauen können.

Mit diesem Aufruf habe ich stark das „Wir“ betont, denn der EIC ist auf der Metaebene betrachtet, eben auch ein Beispiel für eine enge und neuartige Zusammenarbeit zwischen Bundesregierung und Europäischer Kommission: Die Bundesregierung unterstützt den Aufbau des EIC. National stellen wir die Weichen im Gleichklang mit der EU.  Mit dem Aufbau der Agentur für Sprunginnovationen werden wir national einen mutigen Schritt zur Förderung disruptiver Innovationen geben.

Mit der Agentur für Sprunginnovationen wollen wir einen bisher für Deutschland einmaligen innovationspolitischen Ansatz zur Förderung von disruptiven Innovationen umsetzen: Hierzu sollen kreative und innovationserfahrene Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft Freiräume bekommen, um aus einer konsequenten Anwendungsperspektive heraus hochinnovative Ideen aus Forschung und Entwicklung umzusetzen. Hierdurch sollen neue Wertschöpfung in Deutschland ermöglicht und ein großer gesellschaftlicher Nutzen erzielt werden.

Lassen Sie mich an dieser Stelle auch betonen, dass unsere Agentur für Sprunginnovationen ausschließlich auf den zivilen Bereich ausgerichtet ist. Sie dient, anders als das amerikanische Modell DARPA, keinem militärischen Beschaffungszweck.

Wir wollen mit der der Agentur für Sprunginnovationen eine Kultur fördern, die geprägt ist von Flexibilität, Risikobereitschaft und Fehlertoleranz; eine Kultur, die sich in einer offenen und wenig hierarchiegetriebenen Arbeitsweise, im Handlungs- und Gestaltungsspielraum der dort wirkenden Forscherinnen und Forschern und Entrepreneure sowie in der freien Wahl des Lösungsweges für die Innovatoren widerspiegelt.

Die Aufgabe der Agentur wird zuerst sein, aus der Vielzahl von vorhandenen Forschungsansätzen jene herauszufiltern, die das Potenzial haben, alte Geschäftsmodelle durch gänzlich neue zu ersetzen.

Sind die Themen identifiziert, geht es nicht darum, dafür einfach Mittel zu vergeben. Wir wollen der Agentur die Möglichkeit geben, in einem begrenzten Zeitrahmen über 3 bis 5 Jahre Forschung und deren Ergebnisse zu bündeln und zusätzliche Forschungsanstrengungen auf ein Ziel auszurichten.

Oft werde ich gefragt, welche Themen in der Agentur denn gefördert werden sollen. Die Antwort lautet: die Politik wird diese Themen nicht vorgeben. Die Agentur soll themen-, disziplin- und technologieoffen arbeiten, da Sprunginnovationen häufig an der Schnittstelle zwischen etablierten Themenfeldern, Disziplinen und Technologien entstehen.

Was macht nun die Agentur genau, werden Sie sich fragen.

  • Ersten soll die Agentur die Themen finden. Dazu soll sie zum Beispiel Innovationswettbewerbe organisieren und ein Ideen-, Themen und Personen-„Scouting“ Ideen betreiben, die das Potential für Sprunginnovationen haben.
  • Zweitens soll sie in nationalen und internationalen Netzwerke mitwirken und z.B. auch mit den Akteuren des EIC eng zusammenarbeiten.
  • Drittens, und das ist das Herzstück des Aufgabenportfolios: sie soll Projektgesellschaften als Töchtergesellschaften gründen, mit denen die jeweiligen Projekte mit Sprunginnovationspotenzial umgesetzt werden. Damit sollen die innovationspolitischen Ziele der zu gründenden Agentur optimal umgesetzt werden.

Die Agentur wird also nicht eine breite Forschungsförderung vorantreiben. Sie wird keine Start-up-Förderung betreiben. Sie wird vielmehr einen neuen Kanal ausschließlich für disruptive Innovationen eröffnen zwischen der Wissenschaft und dem (Kapital-)Markt. Im Anschluss an die Förderung durch unsere Agentur kann eine Förderung durch den EIC interessant werden. Gerade auch mit dem EIC Accelerator sollen Unternehmen bei ihrem Wachstum, also dem „scaling up“, unterstützt werden.

Meine Damen und Herren,

Wir demonstrieren es hier und heute: Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten schaffen gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft. Eine verzahnte, gut aufgestellte Innovationspolitik leistet einen wichtigen Beitrag für unsere gemeinsame Zukunft in Europa, die sich auch im weltweiten Wettbewerb behaupten kann. Nutzen Sie die Chancen, die Ihnen mit den neuen Instrumenten geboten werden!