Innovative Arbeitsforschung für eine Humanisierung unserer Arbeitswelt und mehr Beschäftigung

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, anlässlich der Plenardebatte des Deutschen Bundestags zum Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD in Berlin

Thomas Rachel spricht im Plenum des Deutschen Bundestages (Archivbild) © Deutscher Bundestag/Achim Melde

Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Deutschland ist eine der führenden Wirtschaftsnationen und zählt zu den innovativsten Ländern weltweit. Wir alle wollen, dass dies so bleibt. Aber wir wissen: Unsere Art zu wirtschaften verändert sich – tiefgreifend und schnell.

70% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) werden mit Dienstleistungen, 25% des BIP werden von Produktionsstandorten erarbeitet.

Das Zusammenführen von Produktion und Dienstleistung führt zu neuer Wertschöpfung – über Regionen und Kontinente hinweg. Durch höhere Informationsflüsse und Vernetzung übernehmen Maschinen immer komplexere Aufgaben in den Unternehmen. Wirtschaftliche Transaktionen sind praktisch in Echtzeit möglich.

Zusammen mit den  neuen Fertigungsmethoden wie dem 3D Druck führt dies auch zu einer stärkeren Flexibilisierung der Produktion hin zur Individualisierung der Produkte.

Ja, unser Standort ist stark:

  • Innovationsfähigkeit,
  • die Sozialpartnerschaft und
  • der soziale Zusammenhalt

zeichnen unser Land aus.

Ja, wir wollen, dass Deutschland Produktionsstandort bleibt – und Dienstleistungen über Branchen und Landesgrenzen hinweg weiterentwickelt!

Aber manche befürchten einen Verlust von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung der Arbeitswelt.

Ja es werden Arbeitsplätze wegfallen, aber viele neue werden entstehen. Aber wir können und wollen diese Entwicklung mitgestalten – Wir müssen die Chancen der Digitalisierung durch kluge Innovationen nutzen. Aber gleichzeitig die Veränderung so gestalten, dass wir am Ende mehr Arbeitsplätze und diese sogar noch menschengerechter erhalten werden.

Mit unserem Dachprogramm „Innovation für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ investieren wir bis 2020 insgesamt 1 Mrd. Euro. Das Programm begleitet und gestaltet die Veränderungen durch die Einführung von Industrie 4.0.

Das BMBF finanziert aktuell eine Untersuchung beim Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB), die erforscht, wie sich die Digitalisierung auf die Arbeit der Menschen auswirkt. Die Ergebnisse werden helfen, die Tätigkeitsprofile und den Qualifizierungsbedarf in der Wirtschafts- und Arbeitswelt von morgen zu ermitteln und neue Arbeitsorganisationsmodelle zu entwickeln.

Mit unserer Forschungsförderung waren wir die ersten, die „Arbeiten - Lernen - Kompetenzen entwickeln“ integrativ dachten und im gleichnamigen Programm Verbundprojekte unterstützten.

  1. Die Frage nach dem Verhältnis von Stabilität und Wandel, die heute im Kontext der Industrie 4.0 gestellt wird, haben wir schon 2009 in einer Bekanntmachung untersucht
  2. Die Rolle des „Präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutzes“, heute in aller Munde, waren schon 2006 Gegenstand unserer Forschungsförderung.

Das nunmehr zu Veröffentlichung anstehende Programm „Zukunft der Arbeit“ greift die neuen Herausforderungen der Arbeitswelt auf. Denn: Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt – auch in der sich digital verändernden Welt!

Wir haben das Programm in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie den Sozialpartnern, Gewerkschaften und Arbeitgebern konzipiert. Ziel der Arbeitsforschung ist es, mit wissenschaftlichen Ergebnissen einen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Deutschland zu leisten und beschäftigungsfördernd zu sein!

Das Forschungsprogramm „Zukunft der Arbeit“ zielt darauf ab, technologische und soziale Innovation gleichermaßen voranzubringen. Unser Gestaltungsanspruch ist, neue Modelle der Qualifizierung, der Gesundheitsprävention, der Arbeitsgestaltung und -organisation in und mit Unternehmen zu entwickeln und diese mittels pilothafter Umsetzungen in die betriebliche Praxis zu überführen, möglichst branchenübergreifendend.

Qualifizierung und Kompetenzentwicklung sind der Schlüssel, um wirtschaftliche und soziale Potentiale der Digitalisierung zu heben.

Die Kernfrage lautet: Welche Kompetenzen benötigen Beschäftigte und Unternehmen, um den Strukturwandel zu nutzen

  • für gute Arbeit
  • für wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen.

Die digitale Ökonomie verändert nicht nur unsere Unternehmen und unsere Arbeitswelt. Sie verändert unsere Bildung, unsere Art zu kommunizieren, unsere Gesellschaft als Ganzes.

Wir verstehen dies als Gestaltungsauftrag. Unsere Forschungsförderung will nicht nur das Phänomen Industrie 4.0 beschreiben und technische Entwicklung ermöglichen. Wir wollen gleichzeitig den Wandel gesellschaftsverträglich mitgestalten.

So werden wir eine Industrienation sein, die an der Spitze des Fortschritts arbeitet, ein humanes Miteinander verteidigt und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärkt.

Vielen Dank!