Integration: Welcome-Preis für Studierende

Sie unterstützen Geflüchtete beim Einstieg ins Studium oder übersetzen Anamnesebögen für Arztbesuche: Studierende aus Hamburg, Düsseldorf und Köln sind für ihr Engagement mit dem Welcome-Preis 2019 des Bundesbildungsministeriums ausgezeichnet worden.

"Bunte Hände" - mit dieser Initiative gewinnt die HAW Hamburg den ersten Preis beim Welcome-Preis 2019. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Die Integration von Geflüchteten und anderen Zugewanderten ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Vor allem mangelnde Sprachkenntnisse sorgen oft für Barrieren, die erst einmal eingerissen werden müssen. In ganz Deutschland gibt es deshalb Initiativen von Studierenden, die diesen Prozess erleichtern wollen. Sie schaffen Begegnungsräume für Geflüchtete und Einheimische, helfen als Mentoren bei der Orientierung an der Hochschule oder beim Arzt und fördern das gegenseitige Kennenlernen beim gemeinsamen Sport oder auf Exkursionen.

Drei studentische Initiativen haben für ihr Engagement den diesjährigen Welcome-Preis erhalten. Der Parlamentarische Staatssekretär Michael Meister und die DAAD-Generalsekretärin Dorothea Rüland übergaben den Preis am Montag in Berlin. Wer welchen Platz belegt, entschied sich in einer Online-Abstimmung. Die Reihenfolge der mit 10.000, 5.000 und 3.000 Euro dotierten Preise wurde erst mit Verleihung der Urkunden bekannt gegeben. Anstelle von Blumen gab es in diesem Jahr „Berliner Bären“-Statuen als Trophäen für die Gewinner-Initiativen ­ eine nachhaltige Erinnerung an die Preisverleihung in Berlin. Und Vertreter der Siegerinitiative dürfen im Dezember sogar zum Globalen Flüchtlingsforum nach Genf fahren, um ihr Projekt zu präsentieren.

Diese Initiativen wurden für ihre Leistungen geehrt:

1. Preis: „Bunte Hände“, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Die Initiative bietet Unterstützung zur Integration an Hochschulen durch Sprach-Tandems, eine Schreibwerkstatt, ein sozial-integratives Freizeitprogramm und ein multilingualsn Peer-to-Peer-Programm zur Steigerung des Studienerfolgs von Studierenden mit Fluchthintergrund sowie internationalen Studierenden. Seit dem Sommersemester 2019 können sie zudem fachliche Inhalte in den Programmiersprachen C, C++, Java und Ruby mehrsprachig (arabisch, deutsch, englisch) vertiefen. Schließlich berät „Bunte Hände“ talentierte Flüchtlinge an Hamburger Oberschulen zu Studienmöglichkeiten in Deutschland.

2. Preis: „Medizinische Flüchtlingshilfe Düsseldorf (MEDIDUS)“, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Die Medizinische Flüchtlingshilfe Düsseldorf ist eine Initiative von Medizinstudierenden, welche die medizinische Versorgung der Geflüchteten verbessert und gleichzeitig Medizinstudierenden an der HHU wesentliche Kompetenzen des ärztlichen Handelns vermittelt. Ziel ist die adäquate medizinische Versorgung von Personen ohne umfassende Deutschkenntnisse. Die Initiative hat erfolgreiche eine regionale Dolmetscherdatenbank aufgebaut. Aktuell sind über 150 Dolmetscher registriert und ermöglichen die Kommunikation zwischen Geflüchteten und Arzt sowie Geflüchteten und Medizinstudierenden. Außerdem entwickelten die Studierenden einen Anamnesebogen zum Ankreuzen in verschiedenen Sprachen.

3. Preis: „Mathematik für Geflüchtete“, Universität zu Köln

Die Initiative bietet neben studienvorbereitenden Mathematikkursen auch Programmierkurse für Geflüchtete an. Die deutsche Sprache wird in einen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer neuen, fachgebundenen, anwendungsbezogenen Kontext gestellt und so ein Anschluss- bzw. Ergänzungsangebot zu den Deutschkursen geschaffen. Somit erweitern die Teilnehmenden nicht nur ihre mathematischen Kompetenzen, sondern auch ihre deutschen Sprachkenntnisse. Aufgrund der hohen Nachfrage wird es erstmals zwei parallele Mathematikkurse und einen Programmierkurs geben.

Stand des Welcome-Programms

Seit Ende 2015 fördert das BMBF mit jährlich mehr als vier Millionen Euro das Programm „Welcome – Studierende engagieren sich für Flüchtlinge“. Aktuell nehmen bundesweit 137 Hochschulen mit weit über 400 Initiativen und annähernd 1000 studentischen Hilfskräften teil. Dazu kommt noch die große Zahl an Studierenden, die sich ehrenamtlich in den Initiativen engagiert. 2018 hatten zwei von fünf in dem Programm finanzierten Studierenden einen Migrations- bzw. Fluchthintergrund. Knapp 30.000 Geflüchtete haben 2018 an den unterschiedlichen studentischen Maßnahmen teilgenommen