Internationale Kooperationen stärken die Bioökonomie

Die Wissenschaft arbeitet international und auch die Bioökonomie muss sich den weltweiten Herausforderungen stellen. Daher fördert die Bundesregierung Forschung über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Die gewaltigen Herausforderungen der Zukunft wie steigendes Bevölkerungswachstum, Klimawandel oder Rohstoffmangel lassen sich nur gemeinsam bewältigen. Lösungen lassen sich schneller finden, wenn die besten Experten aus vielen Ländern gemeinsam arbeiten.

Ein Beispiel dafür ist die Tuberkulose bei Wildtieren in den Alpen. Hirsche und Gemsen können an der Lungenkrankheit leiden und damit auch Kühe auf den Almen und Menschen anstecken. Um festzustellen, welche und wie viele wilde Tiere an Tuberkulose erkranken, müssen alle Alpenländer gemeinsam eine Untersuchungen in Angriff nehmen  – da sich die Tiere frei über Grenzen hinweg bewegen.

Das Bundesforschungsministerium engagiert sich auch im europäischen Forschungsraum. © thinkstock

Zusammenarbeit in der EU

Die EU hat eine eigene Forschungsförderung im sogenannten ERA-Rahmen. ERA steht für European Research Area, also Europäischer Forschungsraum.

Schon seit 1984 stellt die EU eigene Forschungsrahmenprogramme auf. Seit 2014 existiert das Programm Horizon 2020, das mit über 70 Milliarden Euro ausgestattet ist. Darin sind auch Gelder für die Bioökonomie enthalten. Über das Bundesforschungsministerium beteiligt sich Deutschland an vielen Aktivitäten.

Das ERA-Net Anihwa (Animal Health and Welfare) widmet sich der Gesundheit und dem Wohlbefinden von Tieren. Dabei geht es auch um Forschung zur Haltung von Nutztieren. Denn längst ist der Handel mit Tieren, Fleisch, Eiern, Milch oder Honig international. Ein Augenmerk liegt auch auf der Übertragung von Tierkrankheiten.

Das ERA-Net SUSfood und sein geplanter Nachfolger beschäftigen sich damit, wie die Produktion, aber auch der Konsum von Lebensmittel nachhaltiger gestaltet werden können. SUSfood ist eine Abkürzung für Sustainable food production and consumption, also nachhaltige Lebensmittelproduktion und nachhaltiger Lebensmittelkonsum.

Im ERA-Net IB, wie das ERA-Net Industrielle Biotechnologie abgekürzt wird, werden Projekte gefördert, in denen erforscht wird, wie Biomasse statt Erdöl als Ausgangsstoff in der Industrie benutzt werden kann. Ebenso möchte man mit biologischen Methoden – zum Beispiel mit Enzymen – Herstellungsprozesse umweltfreundlicher und effizienter machen kann.

Das Initiative EuroTransBio fördert Projekte innerhalb der Lebenswissenschaften, bei denen kleine oder mittelständische Firmen einbezogen sind. So soll in Europa der innovative Mittelstand gefördert werden.

FACCE-JPI existiert, um die europäischen Aktivitäten zur nachhaltigen Landwirtschaft und zur Sicherung der Ernährungslage in Zeiten des Klimawandels zu bündeln. JPI steht dabei für Joint Programming Iniviative, oder Gemeinsame Programmplanung. Die Forschungsförderung der Mitgliedstaaten soll aufeinander abgestimmt werden. Neben einer gemeinsamen Forschungsagenda sind inzwischen auch Fördermaßnahmen, wie das FACCE-ERA-Net+, daraus hervorgegangen.

In der internationalen Partnerschaft PLANT-KBBE für eine moderne Pflanzenzucht arbeitet Deutschland zusammen mit den Ländern Frankreich, Spanien und Portugal.

Globale Zusammenarbeit – jede Region kann ihre Stärken einbringen

Die Maßnahme Bioökonomie International will die Forschung zur Bioökonomie vernetzen. Dabei wird bevorzugt mit Argentinien, Brasilien, Chile, China, Indien, Kanada, Malaysia, Russland und Vietnam zusammen gearbeitet, jedoch sind auch Projekte mit anderen nicht EU-Ländern möglich. Es handelt sich stets um Verbundprojekte:  Mindestens ein Partner aus Deutschland forscht mit mindestens einem Partner im Ausland.

Zusätzlich hat das Forschungsministerium eine Reihe bilateraler Kooperationen mit einzelnen Ländern. Dabei sind auch Projekte zu den Lebenswissenschaften. Kooperationen gibt es zum Beispiel mit Vietnam, Russland, Brasilien und Argentinien.

Ernährungssicherheit in Afrika

Um den Hunger in der Welt zu bekämpfen, sollte an Orten geforscht werden, an denen der Hunger am schlimmsten ist. Die Länder Afrikas sind besonders von Hunger und dem Klimawandel betroffen. Die Forschungsinitiative GlobE unterstützt daher Kooperationen zwischen deutschen und afrikanischen Wissenschaftlern. Wenn man dortige Forscher und Gemeinschaften einbezieht, können Lösungen gefunden werden, die deutsches Know-how integrieren und an die Gegebenheiten vor Ort angepasst sind. Das verspricht langfristig die größten Erfolge.

Gerade Kleinbauern sollen in die Lage versetzt werden, höhere Erträge bei Ackerbau und Viehzucht zu erzielen. Mit der Förderinitiative will das Forschungsministerium Brücken schlagen zwischen Entwicklungs- und Industrieländern, hochentwickelten Anbautechnologien und traditionellem Wissen.