Internationalisierungsstrategie

Mit der Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung legt die Bundesregierung die Grundlage für eine stärker vernetzte internationale Zusammenarbeit. Denn kein Land kann die globalen Herausforderungen alleine meistern.

Zusammenarbeit über die Grenzen der Erde hinweg: Die Bundesregierung intensiviert die Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung. © Fotolia / Anton Balazh

Globale Herausforderungen, wie der Klimawandel, eine nachhaltige Energieversorgung, die Ernährungssicherheit oder Migration, machen nicht an Landesgrenzen halt. Kein Land kann alleine Antworten hierauf finden. Lösungen können nur gemeinsam in grenzüberschreitender Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung erarbeitet werden. Mehr als 90 Prozent des weltweiten Wissens entsteht außerhalb Deutschlands. Internationale Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung ist wichtig, um diesen Wissensschatz für Deutschland zu erschließen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort sicherzustellen.

„Bildung, Wissenschaft und Forschung stehen für die Offenheit und Freiheit des Denkens. Ein freier Geist kennt keine Grenzen, er überwindet sie. Um dieses grenzüberschreitende Denken geht es uns in der Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung.“

Bundesministerin Johanna Wanka

Das Bundeskabinett hat im Februar 2017 die neue Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung beschlossen, die unter der Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erarbeitet wurde. Die Strategie knüpft an die Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung aus dem Jahre 2008 an und reagiert auf die neuen Trends und Herausforderungen, die sich seitdem ergeben haben und die sich maßgeblich auf die internationale Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung auswirken. Dazu gehören die zunehmende Globalisierung, die Digitalisierung, die Weiterentwicklung des Europäischen Forschungsraums und die Herausbildung neuer, globaler Innovationszentren außerhalb der etablierten Wissenschaftsstandorte. Im Mittelpunkt der Strategie stehen insbesondere fünf Zielfelder:

Exzellenz durch weltweite Kooperation stärken

Wissenschaftliche Exzellenz lebt vom Austausch und vom Wettbewerb der weltweit Besten. Die Bundesregierung wird daher Maßnahmen ergreifen, um Deutschlands Position als international attraktiver Studien- und Forschungsstandort weiter zu festigen. Gleichzeitig wird sie Barrieren für die internationale Mobilität deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weiter abbauen. Europa bleibt bei alldem ein wichtiger Bezugspunkt. Die Bundesregierung wird die Vertiefung des Europäischen Forschungsraums (EFR) weiter aktiv vorantreiben.

Deutschlands Innovationskraft international entfalten

Für Deutschland ist es als Hightech-Standort wichtig, in weltweite Wissensflüsse und Wertschöpfungsketten integriert zu sein. Eine gelungene internationale Vernetzung bedeutet einen unmittelbaren Wettbewerbsvorteil. Die Bundesregierung wird diese Vernetzung weiter fördern und insbesondere auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) bei internationalen Innovationskooperationen unterstützen. Gleichzeitig wird sie darauf hinwirken, zentrale Rahmenbedingungen der Kooperation - etwa zum Umgang mit geistigem Eigentum - bestmöglich auszugestalten.

Bildung und Qualifizierung internationaler ausbauen

Deutschland hat ein vitales Interesse an der internationalen Kooperation im Bereich der beruflichen Bildung. Adäquat ausgebildete Fachkräfte leisten einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Partnerländern. Sie sind zugleich eine wichtige Voraussetzung für das Engagement deutscher Unternehmen in den Zielländern. Die Bundesregierung wird Maßnahmen ergreifen, um die Berufsbildungskooperationen mit Industrie- und Schwellenländern auszubauen, die Mobilität von Auszubildenden zu steigern und die Anerkennung von Qualifikationen, die ausländische Fachkräfte im Ausland erworben haben, weiter zu erleichtern. Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa bleibt ein wichtiges Ziel.

Die globale Wissensgesellschaft gemeinsam mit Schwellen- und Entwicklungsländern gestalten

Viele Schwellen- und Entwicklungsländer werden als aufstrebende Wissenschaftsnationen zu zunehmend relevanten Partnern bei der gemeinsamen Gestaltung einer globalen Wissensgesellschaft. Die Bundesregierung wird bestehende Kooperationen mit Schwellen- und Entwicklungsländern aus- und neue Partnerschaft en aufbauen. Die Digitalisierung bietet hierbei wichtige Chancen, um einen größeren Zugang zu Wissen zu ermöglichen. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir gute Praktiken der wissenschaftlichen Arbeit verbreiten und zur Umsetzung weltweit einheitlicher Richtlinien und Standards beitragen.

Gemeinsam globale Herausforderungen bewältigen

Globale Herausforderungen wie Klimawandel, Gesundheit und Ernährungssicherheit machen nicht an Ländergrenzen halt. Ihre Bewältigung kann nur im Rahmen länderübergreifender Anstrengungen auf europäischer und internationaler Ebene erfolgreich angegangen werden. Bildung und Forschung schaffen dabei das notwendige Wissen für eine evidenzbasierte Politik. Die Bundesregierung wird ihre Anstrengungen intensivieren, damit Barrieren für eine wirksame Forschung zu globalen Herausforderungen überwunden und die relevanten Akteure auf europäischer und internationaler Ebene besser miteinander vernetzt werden.

Auf dem Weg zur globalen Wissensgesellschaft

Wirtschafts- und Wissenschaftsräume wachsen immer weiter zusammen, und die Welt ist auf dem Weg zu einer globalen Wissensgesellschaft. Die Digitalisierung beschleunigt diesen Trend rasant. So hat sich die Zahl der vom BMBF geförderten Forschungsvorhaben mit internationaler Beteiligung von 2009 bis 2015 mehr als verdoppelt. Gerade innerhalb des Europäischen Forschungsraums ist die Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung stark. Derzeit hält Europa einen Anteil von fast 25 Prozent an der weltweiten Wissensproduktion, und auch in Zukunft wird Europas wirtschaftlicher Erfolg von seiner Leistung in Forschung und Innovation geprägt werden.

Globale Innovations- und Produktionsprozesse umfassen zunehmend mehr Länder und Wirtschaftsbereiche. Gegenwärtig findet etwa ein Viertel der Wertschöpfung der aus Deutschland exportierten Güter durch Vorleistungen im Ausland statt. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren weiter festigen. Mit ihrer Strategie zur Internationalisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung möchte die Bundesregierung diesen Weg aktiv gestalten. Mehr Synergien, mehr Kohärenz, mehr Brücken bauen – so lauten ihre zentralen Ziele, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern und nachhaltige Lösungen für die großen, globalen Themen zu finden.

Deutschland ist unter den führenden Innovationsstandorten Europas © Bundesministerium für Bildung und Forschung