Islamische Theologie

In Deutschland leben geschätzt vier Millionen Muslime. Sie sind nach den Katholiken und Protestanten die drittgrößte religiöse Gruppe. Forschungen und Studiengänge für Islamische Theologie an Hochschulen schließen eine wissenschaftliche Lücke.

Handgeschriebener Koran
Handgeschriebener Koran © Thinkstock

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat seit 2011 die Zentren für Islamische Theologie in Tübingen, Frankfurt (mit Gießen), Münster, Osnabrück und Erlangen-Nürnberg für zunächst fünf Jahre gefördert. Nach der positiven externen Evaluation aller Zentren im Dezember 2015 ist die Förderung um weitere fünf Jahre verlängert worden. Kern dieser Unterstützung sind Forschungsprofessuren und die Einrichtung von wissenschaftlichen Nachwuchsgruppen, die entweder islamisch-theologisch oder  interdisziplinär arbeiten. Die interdisziplinären Gruppen kooperieren etwa mit den christlichen Theologien, der Islamwissenschaft, der Religionswissenschaft, der Pädagogik oder anderen benachbarten Fächern. Seit 2019 werden auch Institute für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Paderborn gefördert. Die Förderung der sieben Universitäten beträgt insgesamt etwa 44 Millionen Euro.

Religionslehrerinnen und Religionslehrer ausbilden

Die Zentren bilden inzwischen international anerkannte Orte islamisch-theologischer Forschung und fördern den wissenschaftlichen Nachwuchs in Islamischer Theologie – für die Schulen und die Hochschulen. Das Ziel ist es, islamische Religionslehrerinnen und -lehrer für den bekenntnisorientierten Schulunterricht auszubilden und ein wissenschaftlich fundiertes Studium von Religionsgelehrten im staatlichen Hochschulsystem in deutscher Sprache zu ermöglichen.

Mehr als 2000 Studierende

Die Standorte bilden die Vielfalt muslimischen Glaubens und Lebens ab. Die Professorinnen und Professoren haben ganz unterschiedliche regionale, ethnische und wissenschaftliche Hintergründe. Die Zentren arbeiten unter anderem bei gemeinsamen Tagungen und Publikationen zusammen und haben im Sommer 2015 gemeinsam die Deutsche Gesellschaft für Islamisch-Theologische Studien (DEGITS) gegründet. Die Studierendenzahlen haben sich sehr positiv entwickelt. Derzeit sind mehr als 2000 Studierende in Bachelor- und Master-Studiengängen eingeschrieben. Die meisten von ihnen streben ins schulische Lehramt, in die Sozial- und Gemeindearbeit sowie in die Wissenschaft.

Die Verantwortung für den Betrieb der Forschungszentren liegt bei den Ländern und den Hochschulen. Die Unterstützung durch den Bund ist an hohe Voraussetzungen geknüpft. Dazu zählen ein dauerhaftes finanzielles Engagement der Universität und des Landes, ein breites Fächerspektrum an der jeweiligen Universität, die Mitwirkung von Muslimen und standortübergreifende Kooperationen.

Transfer

Mit Projektförderung des BMBF und der Stiftung Mercator wurde die Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) gegründet. Sie vernetzt die Universitätsinstitute der Islamischen Theologie untereinander und mit angrenzenden Fächern. Sie dient als Kommunikationsplattform zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Die AIWG organisiert auch die wettbewerbliche Förderung gemeinsamer Forschungsprojekte.

Mehr religiöse Strömungen in Deutschland

Das BMBF hatte den Vorschlag des Wissenschaftsrats vom Januar 2010 aufgegriffen, die Islamische Theologie an Hochschulen in Deutschland zu etablieren. Damals hatte der Wissenschaftsrat seine „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“ vorgelegt. Die Diagnose war eindeutig: Das Wissenschaftssystem musste auf die wachsende Pluralität der religiösen Strömungen in Deutschland reagieren. In wenigen Jahren konnte dieser Anspruch bedarfsgerecht eingelöst werden.