IT-Sicherheitsforschung für die digitale Zukunft

Cybersicherheit ist für die digitale Gesellschaft essentiell: Wie sich Zukunftsstädte, autonome Fahrzeuge und kritische Infrastrukturen schützen lassen, schaute sich Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am Kompetenzzentrum CRISP in Darmstadt an.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek im SmartCar: Das intelligente Fahrzeug kommuniziert mit Ampeln und anderen Fahrzeugen. © BMBF/Hans-Joachim Rickel
Simulationen für den Städtebau: Mit dem iPad erkundet Bundesforschungsministerin Karliczek eine virtuelle Stadt. © BMBF/Hans-Joachim Rickel
Dem intelligenten Staubsauger entgeht nichts. Er merkt sich, wo die Möbel stehen – und bemerkt Veränderungen. CRISP-Forscher sorgen dabei für die IT-Sicherheit. © BMBF/Hans-Joachim Rickel
Wie lassen sich IT-Systeme schützen? Das lernen Antonia (v.l.), Lucia und Laura im Schülerlabor. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

In der digitalen Welt steigt die Bedeutung von Cybersicherheit. Kaum ein Bereich des Lebens kommt heute ohne moderne Informations- und Kommunikationssysteme aus. Sie sind essentiell für eine funktionierende Wirtschaft, für viele wichtige Bereiche unserer eng vernetzten Gesellschaft und ihre kritischen Infrastrukturen, wie Stromnetze, Verkehrswege, Krankenhäuser und Verwaltung. Mit der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung steigt auch das Risiko von Cyber-Angriffen. Gestohlene Passwörter und Kundendaten, Cyber-Spionage oder Eingriffe in die Privatsphäre: Jeder zweite Deutsche gab in einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom im Oktober 2017 an, in den vergangenen 12 Monaten Opfer von Cyberkriminalität geworden zu sein.

Für die Bundesregierung hat der Schutz der Bürgerinnen und Bürger in der digitalen Welt oberste Priorität: Deshalb fördert das Bundesforschungsministerium drei Kompetenzzentren zur IT-Sicherheitsforschung, in denen Forschende an Kernfragen der Cybersicherheit in Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung arbeiten. Während ihrer Länderreise besuchte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek gemeinsam mit Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein das vom Bund und dem Land Hessen geförderte Kompetenzzentrum CRISP in Darmstadt. Dabei stand am Beispiel „Digitalstadt Darmstadt“ besonders ein Thema im Fokus: Cybersicherheitslösungen für die umfassend vernetzte Stadt.

Weitere Stationen der Länderreise

  • 23.07.2018, 14:00 Uhr: Besuch im Center for Research in Security and Privacy (CRISP) mit dem hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, Mornewegstr. 32, 64293 Darmstadt
  • 24.07.2018, 12:45 Uhr: Besuch des Deutschen Forschungszentrums Künstliche Intelligenz (DFKI) mit dem rheinland-pfälzischen Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Prof. Dr. Konrad Wolf, Trippstadter Str. 122, 67663 Kaiserslautern
  • 26.07.2018, 13:30 Uhr: Besuch des Zentralinstituts für Translationale Krebsforschung "TranslaTUM" des Klinikums rechts der Isar mit der bayerischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Marion Kiechle, Ismaninger Str. 22, 81675 München
  • 27.07.2018, 10:00 Uhr: Besuch und Pressegespräch zur Weiterentwicklung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) mit der baden-württembergischen Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Theresia Bauer, KIT - Campus Nord, Steinbuch Centre for Computing, Gebäude 449, Karlsruhe

Cyberangriff könnte Verkehrssicherheit gefährden

Bei ihrem Besuch in Darmstadt konnten sich Karliczek und Rhein von den Fortschritten der Cybersicherheitsforschung überzeugen. CRISP beschäftigt sich vorwiegend mit Sicherheitslösungen für komplexe Systeme in großen Kommunikationsinfrastrukturen, wie sie zum Beispiel in der vernetzten Stadt der Zukunft entstehen. Forschungsthemen sind dabei unter anderem Sicherheit im autonomen und vernetzten Fahren bei gleichzeitigem Schutz der Privatsphäre. Durch einen Cyberangriff könnten Bewegungsdaten ausgelesen oder sogar die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs und das Leben der Insassen gefährdet werden. An Herausforderungen wie diesen arbeiten am Kompetenzzentrum CRISP die Darmstädter Fraunhofer-Institute SIT und IGD mit der Technischen Universität und der Hochschule Darmstadt gemeinsam.

In der „Digitalstadt Darmstadt“ sind bereits Sicherheitslösungen von CRISP im Einsatz: Sie sichern die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Sensoren, die im Stadtgebiet verteilt sind, um das Verkehrsaufkommen zu erfassen und damit eine intelligente Steuerung des Verkehrs zu ermöglichen. CRISP präsentierte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Wissenschaftsminister Boris Rhein drei Innovationen in der Anwendung: Sicherheitsanalysen der Kommunikationsschnittstellen von Elektrofahrzeugen, komfortables Carsharing mit dem eigenen Smartphone als Schlüssel sowie nutzerbestimmte Datenschutzkontrolle in Fahrzeugen.

Digitalisierung zum Wohle der Menschen

Am Ende ihres Besuchs betonte Anja Karliczek die große Bedeutung der Cybersicherheitsforschung für die Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft: „Wir müssen die Digitalisierung zum Wohle der Menschen gestalten. An Cybersicherheit führt dabei kein Weg vorbei; sie ist eine Grundvoraussetzung. Die richtungsweisenden Kooperationsprojekte des Kompetenzzentrums CRISP zeigen eindrucksvoll, wie innovative IT-Sicherheitslösungen den digitalen Wandel grundlegend mitgestalten. Wer beispielsweise die intelligente Nutzung begrenzter Ressourcen in Städten und urbanen Räumen mit ihren kritischen Infrastrukturen effektiv ermöglichen möchte, braucht angewandte Cybersicherheit.“

Das Kompetenzzentrum CRISP befördere insbesondere Kooperationen zwischen Hochschulen, außeruniversitärer Forschung und Unternehmen und beschleunige so den Transfer in den Alltag. „So finden die Ergebnisse auch Anwendung in der Digitalstadt Darmstadt und bringen neue Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung direkt zu den Bürgern. Gemeinsam mit dem Land Hessen wollen wir deshalb CRISP zu einem auf Dauer angelegten Nationalen Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit weiterentwickeln“, so Bundesforschungsministerin Karliczek.

Forschungsrahmenprogramm IT-Sicherheit

Das Forschungsrahmenprogramm „Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt“ bündelt seit 2015 erstmals ressortübergreifend die Aktivitäten zur IT-Sicherheitsforschung und fördert die Entwicklung sicherer, innovativer IT-Lösungen für Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft und Staat. Bis 2020 wird die Forschung zur IT-Sicherheit mit rund 180 Millionen Euro durch das Bundesforschungsministerium gefördert. Das CRISP in Darmstadt ist eines von drei nationalen Kompetenzzentren für IT-Sicherheitsforschung. Weitere Standorte sind Saarbücken (CISPA) und Karlsruhe (KASTEL).