Deutschland und Italien: Partner in Wissenschaft und Kultur

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien reichen weit in die Geschichte zurück. Die reichhaltigen kulturellen Verbindungen beider Länder prägen auch ihre Zusammenarbeit in Bildung und Forschung.

Deutsch-italienisches Zentrum für europäische Exzellenz: die Villa Vigoni am Comer See © Villa Vigoni

Ein bemerkenswertes Beispiel für die enge Verbindung von Kultur und Wissenschaft und für die erfolgreiche Zusammenarbeit ist das deutsch-italienische Zentrum für europäische Exzellenz „Villa Vigoni“ am Comer See. Kernauftrag des 1986 gemeinsam gegründeten Zentrums ist es, die bilateralen Beziehungen in Bildung, Wissenschaft und Kultur zu fördern und das europäische Denken zu stärken. Hierfür organisiert das Zentrum ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm für Fachleute und Interessierte aus Forschung, Politik und Kultur. Im Mittelpunkt stehen die technologischen, sozio-ökonomischen, politischen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit.

Die Villa Vigoni

Das römische Außenministerium und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sind für die Villa Vigoni verantwortlich. Grundlage der Zusammenarbeit ist ein am 08.02.1956 in Bonn unterzeichnetes Kulturabkommen. Es enthält auch Vereinbarungen zum Thema Bildung und wurde 2002 durch das „Protokoll über die kulturelle Zusammenarbeit zwischen Italien und Deutschland“ ergänzt.

Im Jahr 2016 feiert die Villa Vigoni ihr 30-jähriges Bestehen unter dem Leitthema: “Ein deutsch-italienisches Haus für ein Europa im Wandel“.

Forschung auf europäischer Ebene

Die Forschungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien erfolgt weitgehend im europäischen Rahmen. Beide Länder sind an verschiedenen europäischen Forschungslaboren und Großforschungseinrichtungen beteiligt, darunter das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg oder die European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble. In diesem Rahmen werden gemeinsame Projekte durchgeführt.

Wissenschaftlicher Nachwuchs

Als Gründungsmitglieder des Europäischen Hochschulinstituts (EHI) mit Sitz in Florenz engagieren sich Deutschland und Italien gemeinsam für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Europa. Sie tragen zum jährlichen Haushalt des Instituts bei und legen im Aufsichtsgremium die Leitlinien der Einrichtung fest. Auch in anderen europäischen Gremien arbeiten Deutschland und Italien eng zusammen.

In zahlreichen Projekten der europäischen Forschungsprogramme kooperieren beide Länder eng miteinander. Die Themenschwerpunkte der vom Bundesforschungsministerium geförderten bilateralen Projekte mit Italien liegen in den Bereichen Gesundheitsforschung, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Bioökonomie.

Grundlage für die Zusammenarbeit sind die regelmäßig stattfindenden deutsch-italienischen Regierungskonsultationen. Sie werden durch bilaterale Treffen auf Ministerebene ergänzt.

Deutsches Modell der beruflichen Bildung

Seit der gemeinsamen Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung im November 2012 und dem Berliner Memorandum im Dezember 2012 hat die deutsch-italienische Kooperation in der beruflichen Bildung eine neue Qualität gewonnen. Seitdem arbeiten das BMBF und das italienische Ministerium für Bildung, Hochschulen und Forschung (MIUR)  in einer bilateralen Arbeitsgruppe zur Berufsbildung zusammen. Diese initiiert Initiativen zur stärkeren Praxisorientierung beim Berufsbildungspersonal, zur Unterstützung bei der Berufsorientierung oder zur Umsetzung gesetzlicher Reformen. Das MIUR orientiert sich dabei am deutschen Modell der dualen Berufsausbildung.

Einen Meilenstein bedeutete die Reform des Bildungsgesetzes vom Juli 2015. Sie fördert die Berufsorientierung junger Menschen durch längere Praxisphasen und unterstützt so den Übergang von der Schule in den Beruf.

Zentrale zukünftige Kooperationsfelder sind die Erprobung dualer Ausbildungsmodelle, die Qualifizierung der Lehrer und betrieblichen Ausbilder, die Entwicklung innovativer Curricula, Karrierebegleitung, engere Kooperationen mit Unternehmen - insbesondere KMU - im Bereich der Berufsbildung sowie mit Kammern und Gewerkschaften.