Jahresversammlung der Leopoldina

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, in Halle

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich aus ganz unterschiedlichen Gründen, heute hier zu sein. Zum einen ist für jemanden aus der ehemaligen DDR die Rolle, die die Leopoldina damals gespielt hat, außerordentlich wichtig. Dass es unter ganz widrigen Umständen einen solchen Ort in der Diktatur geben konnte, das ist etwas, worüber ich mich immer noch sehr freue. Zum anderen ist dies ein wirklich gelungener Bau geworden, ein ästhetisch sehr schöner Ort.

Die Leopoldina ist eine nationale Akademie. Wir hatten über Jahre intensive Diskussionen, ob wir eine nationale Akademie brauchen. Dass es funktioniert hat, und dass diese nationale Akademie diese nationale und internationale Strahlkraft hat, das ist wirklich eine Erfolgsgeschichte.

Und schließlich freue ich mich, weil ich in viele vertraute Gesichter schaue. Von manchen dachte ich, sie seien im Moment auf der anderen Seite des Atlantiks. In diesem Raum findet ja fast so etwas wie eine kleine Vollversammlung der Vereinten Nationen statt. Hier in Halle sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vielen verschiedenen Ländern versammelt. Ein wahrhaft interkultureller Raum. Wie könnte es auch anders sein, wenn die Leopoldina ihre Jahresversammlung unter das Motto „Wissenschaften im interkulturellen Dialog“ stellt.

Wie immer hat die Leopoldina bei der Wahl ihres Themas den Finger am Puls der Zeit. Die Welt wächst immer mehr zusammen. Es ist inzwischen selbstverständlich, dass Menschen aus vielen Ländern Europas und darüber hinaus bei uns leben und arbeiten. Damit meine ich nicht die Flüchtlingswelle im letzten Jahr, sondern generell. Internationalität kommt sowohl in großen Städten wie München und Berlin, aber genauso auch in mittleren und kleinen Städten vor. Und wenn man sich den hohen Prozentanteil von Erstklässlern mit einen Migrationshintergrund in einigen Städten anschaut, dann sieht man, wie sich unser Land verändert hat.

Ich glaube, es hat recht gut funktioniert im letzten Jahr als die vielen Menschen in Deutschland Zuflucht gesucht haben. Es gibt aber Menschen in unserem Land, die sich deswegen Sorgen machen. Sie fürchten, unser Land könne sich dadurch zu sehr verändern. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Ängste gelindert werden, dass diskutiert wird, dass positive Veränderungen aufgenommen werden und gleichzeitig unsere Werte und unsere Lebensweise erhalten bleiben.

Die Leopoldina mit ihrem eigenen, fokussierten Ansatz kann uns dabei helfen. Wenn wie hier Wissenschaftler den interkulturellen Dialog führen und ihn dabei gleichzeitig kritisch beleuchten, sind spannende Erkenntnisse zu erwarten.

Dabei geht es um dreierlei: Es geht um Auswirkungen, die interkultureller Wandel auf die Wissenschaft nimmt. Und umgekehrt um Wirkungen, welche von der Wissenschaft selbst ausgehen und zu interkulturellem Wandel führen können. Und es geht um Beispiele gelebter Praxis. Denn die Wissenschaft zeigt: Dialog und Diskussion auf Sachebene und auf Augenhöhe, friedlich, rational und themenfokussiert, funktionieren auch dann, wenn ganz verschiedene Weltanschauungen und Religionen von Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen zusammenkommen. Hier hat die Wissenschaft Vorbildcharakter.

Wenn wir an Einrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft denken, dann sehen wir, dass dort viele Menschen aus anderen Ländern der Welt arbeiten. Über 30 Prozent der Direktorinnen und Direktoren an den Instituten der Max-Planck-Gesellschaft kommen aus dem Ausland. Dort ist es selbstverständlich, dass Menschen ganz unterschiedlicher Nationen sehr gut zusammenarbeiten. Man sollte mit einem gewissen Selbstbewusstsein deutlich machen, dass das funktioniert, dass die Wissenschaftseinrichtungen ein Stück Vorbildcharakter haben, und sie zeigen können, dass man an einem Strang ziehen kann. Dabei muss man das Eigene nicht aufgeben, aber man kann sehr wohl unbekanntes, neues Denken aufnehmen.

Ein besonders leuchtendes Beispiel hierfür ist die Entwicklung der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Wir haben im letzten Jahr das 50jährige Jubiläum diplomatischer Verbindungen zwischen Deutschland und Israel gefeiert. Neben vielen anderen hat sich auch die Leopoldina aktiv eingebracht und aus diesem Anlass gemeinsam mit der Israelischen Akademie wissenschaftliche Veranstaltungen in Deutschland und in Israel ausgerichtet. Ein schönes Zeichen, und darüber hinaus eines, das in wunderbarer Weise an die Vergangenheit anknüpft: Denn der Aufnahme diplomatischer Beziehungen voraus ging damals zunächst die Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Forschern aus beiden Ländern. Es waren deutsche und israelische Wissenschaftler, die die allerersten Verbindungen zwischen unseren beiden Ländern geknüpft haben. Die Wissenschaftsdiplomatie, wenn man diesen Begriff einmal benutzen möchte, hat also mit zu einem Wandel beigetragen, der in das Wunder der deutsch-israelischen Zusammenarbeit mündete.

Ein anderes, ganz aktuelles Beispiel: Afrika. Wir haben in Afrika zwei große Zentren, „WASCAL / SASSCAL“. Hier geht es um Fragen von Klimawandel und an den Klimawandel angepasste Landnutzung. Denn die afrikanischen Staaten sind vom Klimawandel stark betroffen. Wir haben es geschafft, westafrikanische Staatenlenker bei uns im Bundesministerium für Bildung und Forschung an einen Tisch zu bringen, denn diese Staaten stehen alle vor ähnlichen Herausforderungen. Das sind Dinge, die wir noch sehr viel stärker nutzen sollten.

Die Welt wächst an vielen Stellen zusammen. Dazu tragen auch Veränderungen durch die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung und der Informationsvermittlung bei. Daraus erwachsen aber auch Risiken, zum Beispiel mit Blick auf den Datenschutz. Auf die Chancen und die Herausforderungen können wir nur reagieren, wenn wir global denken. Das bedeutet, dass wir zwingend Wege finden müssen, um miteinander in den Dialog zu kommen, um gemeinsame Fortschritte und Ergebnisse zu erreichen – nicht nur im Wissenschaftsbereich, aber stark durch die Wissenschaft betrieben.

Um hier bestehen zu können, ist man im wahrsten Sinne des Wortes gut beraten, wenn man sein Handeln auf fundierte Informationen, Analysen und Bewertungen stützt.

Mein Dank geht daher an die Leopoldina, die seit ihrer Ernennung zur Nationalakademie verstärkt die Aufgabe der wissenschaftsbasierten Gesellschafts- und Politikberatung wahrnimmt – und dabei im Ständigen Ausschuss aufs engste mit der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zusammenarbeitet. Ihnen allen, meine Damen und Herren, die Sie hieran tatkräftig mitwirken und Ihren Sachverstand einbringen, gilt mein Dank.

Das Besondere an der Leopoldina ist, dass sie versucht Themen aufzuspüren, noch bevor sie in der Öffentlichkeit breit diskutiert werden. Fragen, die für die Gesellschaft relevant sind, beleuchtet sie unter wissenschaftlichen Aspekten und nutzt die große Expertise ihrer Mitglieder, um Empfehlungen für die Politik zu entwickeln. Diese Empfehlungen – das sage ich als Aufforderung an die Politik – die muss man nicht immer zu 100 Prozent teilen, aber auf keinen Fall sind das Dinge, die man ignorieren kann.

Ich lese Ihre Stellungnahmen mit großem Interesse, zum Beispiel was die Genom-Editierung anbetrifft. Ich sehe gerade dort wieder die Schwierigkeit in Deutschland, die Chancen zu nutzen. Es ist wichtig, dass bei den Empfehlungen über die Risiken geredet wird – aber eben auch über die Chancen, um dafür Interesse zu wecken.

I.

Internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung ist für mein Haus ein zentrales Thema. Deutschland bringt sich heute stärker denn je in internationale Netzwerke und Wissensströme ein. Zusammen mit den institutionellen Beiträgen für internationale Infrastrukturen und Programmen für Forschung und Entwicklung hat mein Haus, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, seine Fördermittel für internationale Kooperationen beträchtlich gesteigert.

Die Grundlage unseres Handelns ist die Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung. Sie wurde 2008 unter Federführung meines Ministeriums erarbeitet. Mit der Internationalisierungsstrategie hat die Bundesregierung zum ersten Mal einen Rahmen für eine kohärente internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung definiert. Deutschland war damit international ein Vorreiter.

Die Internationalisierungsstrategie bildet gewissermaßen das Dach unseres Engagements im internationalen Wissenschaftsraum. Es wird getragen von strategisch gesetzten Säulen: Dazu zählen zum Beispiel die Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum, die Afrika-Strategie und die China-Strategie meines Hauses.

Bei all dem ist es wichtig, nicht nur auf die Ergebnisse, sondern auch auf die Wege dorthin zu schauen. Wir müssen überlegen, wie wir über Kulturgrenzen hinaus bestmöglich neues Wissen schaffen können. Das zeigt sich zum Beispiel an unserer Zusammenarbeit mit China:

Im Rahmen unsere Kooperation mit China wollen wir unter anderem die gemeinsame Forschung in den Bereichen Elektromobilität, Lebenswissenschaften und Sauberes Wasser noch weiter ausbauen. Dabei sollen insbesondere Aspekte wie die Verknüpfung von Forschungszusammenarbeit, Innovation und Unternehmensgründung durch junge Menschen sowie der Technologietransfer in den Blick genommen werden, um Innovationen zu fördern und zugleich den Schutz des geistigen Eigentums zu erhöhen.

Angesichts der rasanten und breiten Entwicklung, die das Land nimmt, ist es wichtig, noch besser zu verstehen, wie China „tickt“ – kulturell, wirtschaftlich, wissenschaftlich. Wir werden daher mit einer neuen Förderinitiative die China-Kompetenz an deutschen Hochschulen noch weiter verstärken. Uns ist bewusst: Eine gute Kooperationsbasis hängt davon ab, dass wir wissen, was unseren Partnern wichtig ist.

Nur so ist ein Dialog auf Augenhöhe möglich. Es geht nicht darum, Wissen nur zu ex- oder importieren. Es geht auch darum, durch die verschiedenen Blickwinkel neues Wissen zu schaffen.

Ein weiteres Beispiel ist die Afrika-Strategie unseres Ministeriums. Wir haben die Themenfelder entwickelt und dann eine große Tagung durchgeführt mit 200 afrikanischen Wissenschaftlern und auch Wissenschaftsfunktionären. Es gab eine intensive Diskussion auf Augenhöhe unter den Wissenschaftlern. Ich glaube, dies war auch für die Wissenschaftler aus Deutschland unwahrscheinlich wichtig. Das Gespräch auf Augenhöhe darf nicht nur eine Floskel sein, sondern dies ist bei Kooperationen zwingend notwendig.

Wenn wir unsere Zahlen veröffentlichen zum Thema Wissenschaft Weltoffen, fragen wir: Wo steht Deutschland? Wie viele Studenten haben wir aus dem Ausland? Wie viele Wissenschaftler? Wir sehen grundlegende Unterschiede zu Ländern wie zum Beispiel den USA. Die jungen Leute, die bei uns studieren oder bei uns als Wissenschaftler arbeiten, kommen aus einem breiten Spektrum von Staaten: Aus Entwicklungsländern aber auch aus Industrienationen. Dieses breite Spektrum, diese Vielfalt, haben andere Länder, die ebenfalls stark international verankert sind, nicht unbedingt.  

Für uns ist es wichtig, gerade zu den Wissenschaftlern aus den Schwellenländern, aus den Entwicklungsländern, Kontakte aufzubauen. Diese Kenntnis, dieses gegenseitige Kennenlernen der Sichtweisen, verschafft neue Perspektiven, inspiriert zu neuen Gedanken, nicht nur auf der Seite derer, die zu uns kommen und dann zurückgehen, sondern auch bei uns. So können wir Verhaltensweisen und Positionierungen, die uns manchmal fremd erscheinen, besser einordnen.

Wir haben so viele Studenten aus dem Ausland wie noch nie in Deutschland: über 300.000. 37 Prozent aller Studierenden in Deutschland gehen in der Bachelor-Zeit zu unterschiedlich langen Aufenthalten ins Ausland. Im Vergleich: Eine Nation, die per se von der Wissenschaft sehr international aufgestellt ist, wie die Niederlande, strebt 20 Prozent an. Wenn so viele unserer Studierenden in andere Länder gehen, dann ist das schon ein Erfolg – auch ein Erfolg unserer Fördermechanismen für einen solchen Auslandsaufenthalt.

Die großen Forschungsorganisationen sind immer mehr Anziehungspunkt für ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Anteil ihres wissenschaftlichen Personals aus dem Ausland ist von 12 Prozent vor zehn Jahren auf heute rund 20 Prozent gestiegen. Die einzelnen außeruniversitären Forschungsinstitutionen haben spezifische Internationalisierungsstrategien erarbeitet und umgesetzt. Die können sehr vielfältig aussehen. Das können ausländische Dependancen sein, das können gemeinschaftliche Einrichtungen mit ausländischen Partnern sein.

An den international ausgerichteten Graduiertenprogrammen an den Max-Planck-Instituten nehmen zum Beispiel in der Regel je zur Hälfte deutsche und ausländische Nachwuchswissenschaftler teil.

Erfolgreiche Internationalisierung korreliert auch mit Sichtbarkeit. Die Exzellenzstrategie, die wir jetzt durch Artikel 91b GG unbefristet realisieren können, ist ein gutes Instrument, um die Sichtbarkeit der Qualität der deutschen Hochschulen international zu verstärken. Wenn die, die sich für internationale Spitzenforschung interessieren, wissen, es gibt einige in Deutschland, die ganz herausragend sind, dann kann man damit die besten Studierenden und den besten wissenschaftlichen Nachwuchs anziehen, damit die Leistungsstärksten auch Lust haben, hier nach Deutschland zu kommen und zu bleiben.  

II.

Die gemeinsame Forschungszusammenarbeit ist anspruchsvoll. Die Komplexität dieser Zusammenarbeit steigt. Man muss darauf achten, dass es einen wechselseitigen Nutzen gibt. Das ist das, was langfristig zählt. Und das erfordert eine Reihe von Voraussetzungen. Man muss bereit sein, sich auf den ausländischen Partner einzulassen und man muss kompromissbereit sein. Nicht nur zu Beginn, sondern auch während der Arbeit.

Was den Europäischen Forschungsraum anbetrifft, sind wir hier ein ganzes Stück weiter gekommen. Im Laufe der Zeit ist ein einmaliger interkultureller Raum entstanden, in dem Menschen sehr gut miteinander kooperieren.

Wir haben als erstes Land im Jahr 2014 eine eigene nationale Strategie für diesen Europäischen Forschungsraum vorgelegt und diskutiert. Mittlerweile sind andere Länder gefolgt, so dass wir neben der europäischen Idee auch die Verbindung zu den nationalen Vorstellungen zum Europäischen Forschungsraum haben. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass wir uns natürlich mit unserer nationalen Akademie, der Leopoldina, abgestimmt haben. Am 10. Oktober diskutieren wir in einer nationalen Konferenz in Berlin – unter anderem mit dem EU-Kommissar, Herrn Moedas – wie wir die erste Zwischenbilanz in diesem Europäischen Forschungsraum sehen, wie wir ihn weiter ausrichten wollen. Das ist auch eine Chance für viele Wissenschaftler und für viele Vertreter, die hier im Raum sind, um sich aktiv einzuschalten bei der weiteren Entwicklung der Forschungspolitik und auch der Innovationspolitik im europäischen Bereich.

Natürlich geht unser Blick über Europa hinaus. Wir wollen weltweit mit den besten zusammenarbeiten, auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern. In diesem Zusammenhang haben wir kürzlich ein neues Förderformat gestartet. Wir werden in verschiedenen Erdteilen geisteswissenschaftliche Kollegs einrichten, um noch stärker auch über unterschiedliche Werte und Sichtweisen zu diskutieren.

Mit den Internationalen Forschungskollegs „Maria Sibylla Merian Centres" werden in wissenschaftlich und wissenschaftspolitisch wichtigen Regionen und Partnerländern in Asien, Lateinamerika und Afrika Kollegs entstehen, an denen eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland und dem Gastland gemeinschaftlich zu geistes- und sozialwissenschaftlichen Themen forscht und dazu regelmäßig Fellows einlädt. Die Kollegs werden in Partnerschaften mit Wissenschaftseinrichtungen vor Ort aufgebaut und betrieben. Ein erstes Forschungskolleg dieser Art wird derzeit in Indien aufgebaut. Auswahlwettbewerbe für Lateinamerika und Subsahara-Afrika laufen bereits. Dort werden ab 2017/2018 weitere Kollegs aufgebaut.

III.

Die Leopoldina vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien und nimmt gemeinsam mit anderen deutschen, europäischen und außereuropäischen Akademien in hervorragender Weise Stellung zu aktuellen wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Fragen.

Dazu gehört auch Ihr Engagement als Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Generalsekretärs der Vereinten Nationen Ban Ki-moon, das Sie seit drei Jahren aktiv betreiben, lieber Herr Hacker. Durch Ihre Mitarbeit bringen Sie die Perspektiven der deutschen Wissenschaft und Wissenschaftspolitik in den internationalen Diskurs ein und wirken zugleich als Bindeglied zwischen den Organisationen der Vereinten Nationen. Gemeinsam mit weiteren internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beraten Sie den Generalsekretär vor allem zum Thema „Nachhaltige Entwicklung“. Ich halte das für überaus wichtig. Denn ohne Forschung und Wissenschaft wären wir heute längst nicht so weit in unserem Bemühen um Nachhaltigkeit – ganz einfach, weil wir immensen Wissensbedarf über die Gefahren der Ausbeute unseres Planeten haben. Deswegen ist es nur folgerichtig, dass die Vereinten Nationen der Wissenschaft eine wichtige Aufgabe bei der Verwirklichung der Agenda 2030 zugemessen haben. Dass dies so ist, verdanken wir auch Ihrem Einsatz, lieber Herr Hacker.

Als weiteres prominentes Beispiel für aus meiner Sicht besonders wichtige Politikberatung will ich gerne die Unterstützung des G7-Prozesses durch die Nationalakademien nennen. Meine Ministerkollegen und ich können uns glücklich schätzen, durch die fundierten Stellungnahmen und Empfehlungen der Akademien bei unseren Treffen beraten zu werden. Die Stellungnahmen der Wissenschaftsakademien im Vorfeld des G7-Gipfels in Elmau und unseres Treffens in Berlin waren überaus wichtig. Die Empfehlungen sind auch in die Abschlusserklärung des G7-Wissenschaftsministertreffens 2015 eingeflossen. Zentrale Themen waren die „Zukunft der Ozeane“ oder „Vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten“. Dieses Jahr hat Japan die G7-Präsidentschaft inne, nächstes Jahr übernimmt dann Italien. Ich freue mich, dass die Wissenschaftsakademien sich weiter aktiv beteiligen.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter erstaunlich, dass Sie hier in Halle heute eine kleine UN-Vollversammlung einberufen haben. Für die Politik und speziell für die Wissenschaftspolitik ist es außerordentlich bedeutsam, dass die Leopoldina ihre Aufgaben in der gewohnten Qualität und Breite weiterhin erfüllt.

Wir führen darüber hinaus gegenwärtig Gespräche miteinander, wie wir die Arbeit der Leopoldina insgesamt noch stärken können. In solch ehrwürdigen, schönen Räumen wollte ich eigentlich nicht über Geld sprechen. Aber, da Herr Hacker gerade eben darüber gesprochen hat, kann ich doch sagen, dass  der Bund und Sachsen-Anhalt gemeinsam die Förderung der Leopoldina im nächsten Jahr um noch einmal gut eine Million Euro ausbauen werden. Ich bin mir ganz sicher, dass Sie dieses Geld gut anlegen und nutzen werden, um uns noch besser zu beraten.

Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.