Jahresversammlung der Max-Planck-Gesellschaft

Rede von Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, in Erfurt

Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, hielt im Rahmen der Jahresversammlung ein Grußwort. © Amac Garbe/MPG

"Die jungen Menschen lieben es fast alle, an ihre Zukunft den messenden Zirkel zu legen; entspricht ihre Willenskraft der Größe des Winkels, den sie öffnen, so gehört die Welt ihnen.“

So beschreibt Honoré de Balzac jene vielleicht schönste, sicher aufregendste Zeit im Leben eines jeden Menschen: Jene Phase, in der ein Mensch aus dem Schutzraum und der Abhängigkeit von Herkommen und Elternhaus herausgetreten ist, der Blick sich weitet, die persönliche Zukunft offen und gestaltbar ist und unter den vielen Wegen, die sich auftun, noch nicht der eine beschritten ist, der schließlich in eine feste, nur noch wenig wandelbare Lebensbahn mündet. Für junge Menschen, die eine Karriere in der Wissenschaft anstreben, dauert diese Phase, jedenfalls in beruflicher Hinsicht, oft länger an als in vielen anderen Berufsfeldern. Dabei kann die häufig damit verbundene materielle Unsicherheit zur Belastung werden, gerade wo berufliche und familiäre Lebensentscheidungen auf einander treffen. Zugleich ist dies aber auch eine Chance und eine Bereicherung. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeichnen sich durch enormen Enthusiasmus, hohe intrinsische Motivation und nicht zuletzt Neugier und Offenheit aus.

Es ist Aufgabe der Forschungspolitik und v.a. auch der Hochschulen und Forschungseinrichtungen selbst, die Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs so zu gestalten, dass junge Talente den Winkel ihrer Entfaltung weit spannen und zur Gänze ausschreiten können, um damit ihr ganzes Potential zu entfalten. Ein zentrales Anliegen für die Max Planck Gesellschaft, weshalb die Nachwuchsförderung dieses Jahr Thema der Jahresversammlung ist.

Die besten Köpfe zu rekrutieren, junge Talente zu entwickeln und zu halten sind wichtige Daueraufgaben von Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen.

Die Max Planck Gesellschaft mit ihrer hohen nationalen und internationalen Sichtbarkeit steht dabei besonders im Fokus.

Dies nicht nur wegen der vielen exzellenten Forschungsleistungen, sondern auch wegen der einzigartigen Strukturen der MPG. Der Vertrauensvorschuss, Kernelement des Harnack-Prinzips, der den Forschenden entgegengebracht wird, ermöglicht die Freiheit und die langfristige Planungssicherheit, die gerade in der Grundlagenforschung unerlässlich sind, um neuen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen. Dennoch ist dies gerade international keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, sondern leider eher ein Luxus, um den Angehörige der Max Planck-Gesellschaft oft beneidet werden.

Freiheit ist aber nicht zu haben ohne Verantwortung:

Verantwortung gegenüber den Mitgliedern des eigenen Teams und gegenüber der MPG als Ganzes. Sie impliziert die Verpflichtung, von der Freiheit abzugeben und Verantwortung auch zu übertragen. Gemäß dem Harnack-Prinzip steht bei Berufungen die Person und ihr individuelles herausragendes Potential im Mittelpunkt, nicht abstrakte Programme und Strategien. Gut so. Gemeint sind damit aber nicht geniale Einzelkämpfer, die in „splendid isolation“ ihre Theorien entwickeln, sondern Teamplayer, die sich vernetzen, die in jungen talentierten Kolleginnen und Kollegen nicht künftige Konkurrenten, sondern wertvolle Diskussionspartner und legitime Erben ihrer Forschungsarbeiten sehen.

Die Förderinitiativen der Max-Planck-Gesellschaft für den wissenschaftlichen Nachwuchs sind ein Zeichen, dass sich die MPG auf allen Ebenen bewusst ist, welche zentrale Rolle die Nachwuchsförderung für die nachhaltige Sicherung und Entwicklung des deutschen Wissenschaftsstandortes und der besonderen Stellung der MPG haben.

Der weitere Ausbau der Promovierendenausbildung in den Max Planck Research Schools (IMPRS), die erst auf den zweiten Blick bedeutsame Neuformulierung in den Postdoc-Leitlinien mit der Betonung der wissenschaftlichen Selbständigkeit junger Forscherinnen und Forscher. und der besondere Fokus auf die unter dem Label „Established Researchers“ gefasste Gruppe von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf dem Weg zur Berufung zeugen von dem hohen Engagement der MPG.

In Planung ist derzeit noch eine weitere Initiative, um herausragenden angehenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine exzellente Ausbildungsmöglichkeit in Deutschland zu schaffen, die Max Planck Schools. In einer fünfjährigen Explorationsphase der Max-Planck-Gesellschaft gemeinsam mit der Hochschulrektorenkonferenz und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen sollen mit Beginn des kommenden Jahres drei vom BMBF geförderte Pilotschools an den Start gehen. Die Idee dabei ist, durch nationale Vernetzung eine kritische Masse an wissenschaftlicher Qualität auf Weltniveau zu erreichen. Gleichzeitig soll die klassische Verbindung von erkenntnisorientierter Grundlagenforschung und forschungsorientierter Lehre gestärkt werden. Da herausragende Lehre stets herausragende Studierende anzieht, lassen sich auf diese Weise international ‚Talente‘ gewinnen, für die das deutsche Wissenschaftssystem bislang nicht im Fokus stand.

Dem hohen Grad der Internationalisierung der Forschung in der Max-Planck-Gesellschaft entsprechend engagiert sie sich folgerichtig auch im Europäischen Forschungsraum bei der Nachwuchsförderung. Sie hat die entstehenden Lücken in den mittel-und osteuropäischen Ländern erkannt und wird mit dem Förderprogramm Dioscuri, das vom BMBF in einer Pilotphase mitfinanziert wird, einen Beitrag leisten um gegenzusteuern.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Gesamtpaket der Fördermaßnahmen für den wissenschaftlichen Nachwuchs gute Grundlagen für die effektive Forschungsarbeit junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geschaffen hat. Das Gerüst steht. Aufgabe wird es nun sein, die Leitlinien und Ideen mit Leben zu erfüllen.

Die Max-Planck-Gesellschaft soll als Flaggschiff der deutschen Forschungslandschaft auch hier Vorbild sein.

Mit Blick sowohl auf die nationale und internationale Perspektive als auch mit Blick auf die zentrale Rolle der Wissenschaftseinrichtungen in der Gesellschaft hat der Bund in den letzten Jahren sehr viel getan, um die Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, das Zukunftspotential der Hochschulen und Forschungseinrichtungen, entscheidend zu verbessern.

Die Karrierewege im Wissenschaftssystem werden durch das Bund-Länder-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses planbarer und transparenter. Mit 1.000 zusätzlichen Stellen, für die der Bund in den nächsten Jahren immerhin 1 Mrd. EURO zur Verfügung stellt, wird die Tenure-Track-Professur erstmals flächendeckend in Deutschland eingeführt. Zum Stichtag am 06. Juni sind Anträge von 75 Hochschulen aus 16 Ländern eingegangen.

Damit haben sich bereits in der ersten Bewerbungsrunde 80% der antragsberechtigten Universitäten beteiligt. Die gelegentlich geäußerte Kritik, das Programm habe mit 1000 geförderten Stellen einen zu geringen Umfang, um die Personalstruktur an den Hochschulen wirklich signifikant zu verändern, greift zu kurz. Voraussetzung für die Teilnahme am Programm ist, dass Personalentwicklung für den wissenschaftlichen Nachwuchs ein strategisches Handlungsfeld der Universität ist. Im Rahmen der Antragstellung wiederum haben die Universitäten Aussagen darüber zu treffen, wie die Karrierewege des wissenschaftlichen Nachwuchses insgesamt, insbesondere mit Blick auf die Tenure-Track-Professur, weiterentwickelt werden.

Die Anforderungen an den neuen Karriereweg der Tenure-Track-Professur wurden in der Verwaltungsvereinbarung sehr konkret vereinbart, so dass ein qualitativ hochwertiger, flächendeckend einheitlicher Karriereweg mit hohem Wiedererkennungswert entstehen wird.

Man greift deshalb deutlich zu kurz, wenn man die 1.000 Tenure-Track-Professuren als Solitär betrachtet, ohne zugleich die ganz wesentlichen Anforderungen an den mit dem Programm verbundenen Kultur- und Strukturwandel in den Blick zu nehmen.

Die Tenure-Track-Professur ist im Übrigen als Alternative zu den herkömmlichen Wegen zur Professur (Nachwuchsgruppenleitungen, Habilitation etc.) zu sehen. Sie soll die bisherigen Wege zur Professur ergänzen, nicht ersetzen.

Der neue Karriereweg zur Professur ist attraktiv für die besten Köpfe aus dem In- und Ausland und schafft frühe Planbarkeit über den dauerhaften Verbleib in der Wissenschaft. Wie zu hören ist, gibt es zwischen etlichen Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen bereits vielfach Pläne, solche Karrierewege gemeinsam zu gestalten. Das begrüße ich sehr.

Alle Anstrengungen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind meines Erachtens denknotwendig verbunden mit Konzepten der Gleichstellungspolitik einer Einrichtung. Nur wenn es uns gelingt, junge Frauen für die Wissenschaft zu begeistern und die Rahmenbedingungen einer Karriere in der Forschung so zu gestalten, dass sie in allen Stadien für Frauen und Männer gleichermaßen attraktiv ist, ermöglichen wir wirklich allen Talenten volle Entfaltung und sichern der Forschung in Deutschland all die Kreativität und intellektuelle Brillanz und Schaffenskraft, die sie braucht. Nur so fördern wir auch den weiblichen Führungsnachwuchs, der in Zukunft eine so wichtige Bereicherung und Impulsgeber in der Wissenschaft sein wird.

Dazu gehört auch, den erforderlichen Kulturwandel zu leben. Die Max-Planck-Gesellschaft hat sich hierzu auf den Weg gemacht, das zeigen die Fördermaßnahmen für Frauen bis in die Leitungsebenen. Vorbildlich ist das im Neudeutschen mittlerweile sprachlich verankerte Awareness Raising der Max-Planck-Gesellschaft, um den Kultur- und Bewusstseinswandel in den Instituten zu fördern. Die Veranstaltungsreihe „Career Steps Opportunities Roadshow“ in diesem Jahr war ein wichtiger Beitrag dazu.

An dieser Stelle gilt mein Appell explizit den Direktoren der Max-Planck-Institute. Lassen Sie nicht nach, Chancengleichheit umzusetzen und damit die Karrierechancen der Betroffenen zu verbessern, Arbeitsbedingungen für Forschende mit Familien attraktiv zu gestalten, damit diese Forschung und Familien in geeigneter Weise vereinbaren können. Dann halten wir nicht nur talentierte junge Frauen im Forschungsbetrieb, sondern sicher auch manchen engagierten jungen Vater.

Vor dem Hintergrund der diesjährigen Fortschreibung konkreter Gleichstellungsziele für verschiedene Karrierestufen bis zum Jahr 2020 möchte ich erinnern, dass Chancengerechtigkeit auch in Zukunft auf verschiedenen Ebenen vorangetrieben werden muss: der Forschungspolitik von Bund und Ländern, der Strategie der Max Planck-Gesellschaft und des Institutsmanagements. Gute Gleichstellungspolitik muss dabei immer auch gute Familienpolitik sein: Es geht nicht nur darum, wie und wo Kinder gut betreut werden können, sondern auch darum, dass Mütter und Väter genug Zeit für ihre Kinder haben. Lassen Sie Sie in Ihren bisherigen Anstrengungen nicht nach!

Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam nach guten Lösungen suchen, jeder in seiner Verantwortung: Mit realistischen, aber nicht zu kleinen Ambitionen und Transparenz bei den Ergebnissen.

Wissenschaft ist ein zentraler Schlüssel für den Fortschritt in unserer Gesellschaft. Nur ein Wissenschaftssystem, dass in der Breite und in der Tiefe gut aufgestellt ist, gesellschaftlich anerkannt ist und sich diese Anerkennung verdient, bringt auf Dauer exzellente Ergebnisse hervor. Grundlagenforschung und anwendungsnahe Forschung müssen Hand in Hand gehen und sich ergänzen. Es ist kontraproduktiv sie gegeneinander auszuspielen. Dies gilt auch für das breite Spektrum der Fächer und Disziplinen, auch und gerade der Kleinen unter ihnen.

Charakteristikum und explizite Stärke des Wissenschaftsstandortes Deutschland sind seine Vielfalt. Dabei ergänzen sich die verschiedenen Einrichtungen mit ihren spezifischen Missionen und Aktivitäten. Die vielfältigen Formen der Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft haben in den letzten Jahren an Gewicht gewonnen und sind heute Markenzeichen des deutschen Wissenschaftssystems. Dazu haben wir, Bund und Länder, eine ganze Reihe von komplementären Maßnahmen auf den Weg gebracht:

Wir haben den Pakt für Forschung und Innovation bis 2020 verlängert Das bedeutet auch für die Max-Planck-Gesellschaft Planungssicherheit und garantierte Budgetsteigerungen. Dieser stabile Aufwuchs seit 2006 ist international einmalig und hat die außeruniversitäre Forschung ganz erheblich gestärkt. Natürlich gibt es das nicht umsonst: Forschungspolitische Ziele und ein transparentes Monitoring sind integrale Bestandteile des Paktes. Besonders das Monitoring hatte und hat durch die Vergleichbarkeit von Anstrengungen zur effizienten Verwendung der Mittel im Kontext organisationsspezifischer Aufgabenstellungen zusätzliche Impulse gegeben. Diese Transparenz war neu und hatte einen guten Effekt in der institutionellen Förderung der außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Die erfolgreiche Exzellenzinitiative haben wir weiterentwickelt und starten im nächsten Jahr mit der Exzellenzstrategie. Ziel der Exzellenzstrategie ist die Stärkung der Universitäten durch die Förderung wissenschaftlicher Spitzenleistungen, Profilbildungen und Kooperationen im Wissenschaftssystem.

Die Max-Planck-Gesellschaft spielt durch ihre enge Zusammenarbeit mit Universitäten hier eine wichtige Rolle. Wir brauchen Exzellenz nicht nur an einzelnen Standorten, sondern im Verbund, regional und überregional. Die Max-Planck-Gesellschaft hat dies erkannt und strebt an, die talentiertesten deutschen Forscher der Universitäten in die Grundlagenforschung mit ihr einzubinden. Es geht eben nicht darum, Exzellenz in die Max-Planck-Gesellschaft zu Lasten der Universitäten zu ziehen, sondern das gemeinsame Forschungspotenzial in unterschiedlichsten Konstellationen zu nutzen und zu ergänzen.

Das BMBF richtet seinen Blick nicht nur auf die Missionen der einzelnen Forschungseinrichtungen, wir wollen das gesamte deutsche Forschungssystem flexibler und effizienter machen.

Mit der neuen Förderinitiative „Innovative Hochschule“ sollen insbesondere Fachhochschulen sowie kleine und mittlere Universitäten beim forschungsbasierten Ideen-, Wissens- und Technologietransfer gestärkt werden. Denn diese Hochschulen sind für ihre Region ein wichtiger Anziehungs- und Vernetzungspunkt. Wir wollen ihre strategische Rolle im regionalen Innovationssystem fördern und die „dritte Mission“ der Hochschulen im Dreieck – Bildung, Forschung und Innovation – in den Blick nehmen.

Die forschungspolitischen Maßnahmen der letzten Jahre - allen voran die Hightech-Strategie - zeigen, dass klassische Kategorien, wie Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung, die unterschiedlichen Aufgaben von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sich zunehmend relativieren. Zunehmende Vernetzung zwingt auch zu neuen Definitions- und Rollenverständnissen. Die Herausforderung besteht darin, den Forschungseinrichtungen dabei ihre Stärken nicht zu nehmen, sie gleichzeitig aber fit zu machen für neue Wege. Ein auf die Max-Planck-Gesellschaft bezogenes Beispiel ist die Überführung von exzellenter Grundlagenforschung in die Anwendung auch in Kooperation mit der Fraunhofer Gesellschaft. Dafür hat die Max-Planck-Gesellschaft ihre Standards und mit der Max Planck Innovation auch einen Ansprechpartner für die Institute und Forscher.

Eines ist klar. Innovation und Technologietransfer sind keine Zusatzeffekte der Grundlagenforschung mehr. Auch hier gilt: Wer das Anwendungspotenzial von wissenschaftlichen Erkenntnissen als erstes erkennt, wird auch in dessen Verwertung und Vermarktung vorn sein. Deshalb brauchen wir in den Max-Planck-Instituten dafür geeignete Strukturen und Verfahren, mit denen solche Möglichkeiten identifiziert werden können. Wenn ich dabei an die geistes- und sozialwissenschaftlichen Institute denke, hätte man sich mit Blick auf die Schärfe des Problems bei der Migrationsbewegung in den vergangenen zwei Jahren mehr Ideengebungen aus der Max-Planck-Gesellschaft wünschen können.

Die Anstrengungen der Forschungspolitik der letzten Jahre zahlen sich aus: Nie zuvor wurde in Deutschland so viel in Forschung und Entwicklung investiert. Staat und Wirtschaft haben zusammen das 3%-Ziel erreicht. Nicht nur im Hinblick auf die eingesetzten Mittel, sondern insbesondere mit Blick auf die Innovationskraft belegt Deutschland einen internationalen Spitzenplatz: In Europa ist Deutschland seit Jahren einer der Innovationsführer und erstmals seit der Finanzkrise 2009 ist es wieder unter den Top 10 im Global Innovation Index vertreten.

Deutschland ist ein attraktiver Standort und Anziehungspunkt für internationale Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt. Dazu tragen die außeruniversitären Forschungseinrichtungen und gerade die Max-Planck-Gesellschaft wesentlich bei. Die Bundesregierung wird auch weiterhin für Transparenz und Verlässlichkeit einer aufwachsenden Finanzierung stehen. Wir setzen uns weiter für Forschung frei von staatlicher Einmischung ein, zugleich aber für die wissenschaftlich getriebene Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Wir werden den Transfer von der Forschung in die Praxis stärken und die seit Jahren immer engere Zusammenarbeit von Außeruniversitären und Hochschulen. Wir tragen weiter ganz konkret dazu bei, dass jeder und jede, die studieren will, auch studieren kann, wenn er oder sie die Voraussetzungen dafür mitbringt, und wir werden Maßnahmen entwickeln, um die Qualität der Lehre zu verbessern. Wer erkennt, dass ein Hochschulstudium nichts für ihn ist, soll noch bessere Chancen als bisher in der beruflichen Bildung haben; und wen es als beruflich Gebildeter an die Hochschulen zieht, den werden wir bei entsprechender Eignung ebenfalls noch stärker unterstützen. Eine der großen Herausforderungen bleibt die Digitalisierung, gerade auch in der Wissenschaft: Nationale Dateninfrastrukturen, Hoch- und Höchstleistungsrechnen, Sicherheit, Digitalisierung von Sammlungen oder Open Access als freier Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen: Hier haben wir in den vergangenen Jahren vieles sehr konkret auf den Weg gebracht, und viele von Ihnen mit uns. Ich appelliere an Sie alle: Lassen Sie uns die Mammut-Aufgabe Digitalisierung nicht als schwierige, zuweilen gar lästige Aufgabe verstehen, sondern als große Chance für die Wissenschaft, für die Wertschöpfung und für die Gesellschaft, wenn wir es richtig angehen.

Die Wissenschaft steht heute nicht zum ersten Mal in der Geschichte vor der Herausforderung ihren Platz in der Gesellschaft zu behaupten: Der hohe Stellenwert von Wissenschaft und von wissenschaftlichem Fortschritt ist nicht mehr überall Konsens: Zum einen zeigt der Blick in die USA und auf die dort angestrebten Budgetkürzungen für die Forschung dies eindrücklich. Zum anderen macht mir die Verunglimpfung von „Experten“ durch populistische Parteien Sorgen.

Zugleich steht aber fest: unsere Gesellschaftsordnung ist geprägt durch den wissenschaftlichen Fortschritt der letzten Jahrhunderte. Nicht nur im Sinne technischer Errungenschaften. Das wissenschaftliche, das empirische Denken durchdringt unsere Gesellschaftsordnung, unsere Werte, unserer demokratisches Gemeinwesen. Ich möchte soweit gehen zu sagen, dass das aus den Naturwissenschaften stammende kritische Denken, die empirische Methode das Kennzeichen ist, das unsere moderne Gesellschaft von allen früheren und anderen Formen der Organisation des menschlichen Zusammenlebens am meisten unterscheidet.

Daraus und eben nicht nur aus der Verantwortung und der Expertise für neue Technologien ergibt sich eine Notwendigkeit und eine Verpflichtung der Wissenschaft, sich der gesellschaftlichen Debatte zu stellen und sie zu bereichern.

Dazu gehört gute Wissenschaftskommunikation. Verständnis und Interesse an Forschung zu wecken, die Begeisterung, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre Themen empfinden, auch den Außenstehenden zu vermitteln, ist eine vornehme Aufgabe von Wissenschaft. Es ist auch keine leichte Aufgabe. Gerade deshalb sollte sie auch in der wissenschaftlichen Community Wertschätzung erfahren. Je besser dies gelingt, umso höher die Chance, dass Wissenschaftler in ihrer Rolle als Expertinnen und Experten in der Gesellschaft auch akzeptiert und geschätzt werden. Umso höher auch die Chance, dass rationales Denken als solches prägend bleibt.

Am 22. April haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende und interessierte Menschen in aller Welt mit dem „March for Science“ ein Zeichen für die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre weltweit gesetzt. Im Umfeld dieser globalen Mobilisierung wurde zuweilen die Frage gestellt, ob und wie stark es zulässig und wünschenswert ist, dass sich Wissenschaft in die Tagespolitik einmischt. Die Antwort kann nur lauten: es ist nicht nur zulässig, nicht nur wünschenswert, sondern sogar geboten. Es ist vornehme Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen für das menschliche Gemeinwesen zu setzen und es liegt bei den gewählten Volksvertretern - und ausschließlich bei ihnen- politische Entscheidungen zu treffen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Dies ist Wesen der Demokratie. Aber die politische Debatte ist nicht etwas, was Politiker untereinander führen. Sondern sie geht jeden an und steht jedem offen. Dies ist das Wesen eines demokratischen Gemeinwesens. Wer sich in vornehmer Zurückhaltung übt, überlässt das Forum denen, die am lautesten schreien, nicht denen, die am meisten zu sagen haben.