Japan – seit vier Jahrzehnten ein starker Partner

Japan genießt als Forschungs- und Innovationsstandort in Deutschland hohes Ansehen. Beide Länder arbeiten auf vielen Gebieten zusammen - zum Beispiel in der Meeresforschung, den Lebenswissenschaften und der Umweltforschung.

Tokio ist mit mehr als neun Millionen Einwohnern das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Japans. © Thinkstock

Regelmäßiger Austausch festigt die Zusammenarbeit

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt seit mehr als 40 Jahren Kooperationen deutscher und japanischer Wissenschaftler. Grundlage der bilateralen Kooperation zwischen Japan und Deutschland ist ein Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit auf wissenschaftlich-technologischem Gebiet aus dem Jahr 1974. Vertragspartner sind das Bundesforschungsministerium und das japanische Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT). Wichtig für die Zusammenarbeit sind auch die dem MEXT untergeordneten Förderorganisationen Japan Science and Technology Agency (JST) und Japan Society for the Promotion of Science (JSPS). In regelmäßigen Abständen finden Sitzungen zwischen den beiden Ministerien unter Beteiligung deutscher und japanischer Forschungs-, Förder- und Mittlerorganisationen statt um die Ausrichtung der Kooperation und gemeinsame Aktivitäten zu bestimmen.

Viele deutsche Forschungsakteure sind in Japan aktiv

In Japan sind viele deutsche Forschungs- und Förderorganisationen mit eigenen Büros vertreten. Die Fraunhofer-Gesellschaft unterhält seit 2001 das Fraunhofer Representative Office Japan, um den Aufbau von strategischen Partnerschaften mit exzellenten Forschungseinrichtungen und die Förderung des Wissenschaftleraustauschs vor Ort zu unterstützen. Seit April 2009 ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft als Mittlerorganisation mit einem Büro in Tokyo vertreten und arbeitet eng mit der JSPS und der JST zusammen. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sieht großes Kooperationspotenzial mit japanischen Forschungseinrichtungen und eröffnete Ende Februar 2013 ein Büro in Tokyo.

Deutscher Forschungs- und Innovationspreis genießt hohes Ansehen

Seit 2010 erhalten jährlich exzellente japanische Nachwuchswissenschaftler unter der Schirmherrschaft der Bundesforschungsministerin für innovative Ideen und Forschungsprojekte den German Innovation Award (Gottfried-Wagener-Prize). Durch den Preis sollen langfristig Netzwerke und Partnerschaften mit japanischen Forschungsinstituten und Hochschulen gefördert werden. Erstmalig wurde in 2015 jeweils ein Gewinner aus den Bereichen Mobilität, Materialforschung, Lebenswissenschaften und Energie/Industrie ausgewählt. Neben einem Preisgeld von 2,5 Millionen Yen (etwa 19.000 Euro) erhielten die vier Preisträger Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für einen bis zu zweimonatigen Forschungsaufenthalt in Deutschland. Ausgewählt werden die Preisträger von einer Expertengruppe, die mit Vertretern der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan, Repräsentanten aus zwölf technologieorientierten deutschen Unternehmen und hochrangigen japanischen Wissenschaftlern besetzt ist.

Nagasaki, Chiba, Mainz und Bremen bilden ein stabiles Forschungsquartett

Dank des Förderprogramms des Bundesforschungsministeriums zur Entwicklung gemeinsamer Forschungsstrukturen in Asien konnte eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen der Universität Mainz, dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie Bremen, der japanischen Universität Nagasaki sowie dem National Institute of Radiological Sciences in Chiba aufgebaut werden. Ziel ist die gemeinsame Forschung in der Strahlenbiologie und -medizin. Die Partner haben einen Ländervergleich über die Auswirkungen computertomografischer Untersuchungen bei Kindern durchgeführt und insbesondere die Frage diskutiert, wie die Strahlendosis verringert werden kann. Aufgrund der guten Zusammenarbeit wurde der deutsche Projektkoordinator Hajo Zeeb (Universität Bremen) zum internationalen Berater für gesundheitsbezogene Folgestudien zu Fukushima ernannt.

Nachwuchswissenschaftler im Dialog

Durch das Junior Experts Exchange Programm, einer weiteren Konstante der japanisch-deutschen Kooperation, werden jedes Jahr jeweils vier bis acht junge deutsche und japanische Naturwissenschaftler aus Forschungsinstituten oder Forschungsabteilungen von Unternehmen zu einem mehrtägigen Aufenthalt ins andere Land eingeladen. In jedem Jahr wird ein anderer Forschungsbereich als Leitthema der Reise gewählt. Seit Beginn des Programms haben sich insgesamt mehr als 200 Nachwuchswissenschaftler an diesem Wissenschaftsdialog beteiligt.

Mit dem Programm unterstützen das japanische Außenministerium und das Bundesforschungsministerium den bilateralen Forschungs- und Wissenschaftsdialog. Während der Studienreise werden Forschungs- und Förderinstitutionen, Behörden und Unternehmen besucht, Gespräche mit Wissenschaftlern geführt und Kontakte für die zukünftige Zusammenarbeit geknüpft. Zum Beispiel besuchten die japanischen Nachwuchswissenschaftler im Jahr 2015, in dem das Thema Erneuerbare Energien gewählt wurde, verschiedene Forschungs- und Universitätsinstitute sowie Unternehmen und Cluster in ganz Deutschland. Das diesjährige Thema für den Wissenschaftleraustausch ist Ageing Society.