Jüngere schneiden besser ab als Ältere

Bildungsstudie PIAAC untersucht erstmals Kompetenzen von Erwachsenen im internationalen Vergleich

Jüngere deutsche Erwachsene können besser lesen als ältere. Dies ist eines der Ergebnisse der Bildungsstudie „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“ (PIAAC), die heute in Berlin vorgestellt worden ist. Die Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersucht erstmals Kompetenzen von 16- bis 65-jährigen Erwachsenen im internationalen Vergleich. Getestet wurden die Lesekompetenz, die Fähigkeit, im Alltag mathematisches Wissen anzuwenden, und Kenntnisse im Umgang mit neuen Technologien wie Internet und E-Mail.

Die Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen, sagte zu den heute veröffentlichten internationalen PIAAC-Ergebnissen: „PIAAC zeigt, dass sich persönliche und staatliche Investitionen in Bildung rechnen. Die Ergebnisse belegen auch, dass die erhöhten Investitionen in Bildung und die angestoßenen Bildungsreformen in Deutschland wirken. Die jüngere Generation schneidet in den gemessenen Grundkompetenzen – Lesen, Mathematik und Umgang mit dem Computer - besser ab als die Generationen zuvor.“

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Gerd Hoofe, sagte: „PIAAC belegt die zentrale Bedeutung von Grundkompetenzen für den individuellen Arbeitsmarkterfolg, für qualifiziertes Arbeiten und Lernen an sich verändernden Arbeitsplätzen. Höhere Grundkompetenzen führen zu mehr Teilhabe am Arbeitsmarkt und höheren Einkommen. PIAAC bestätigt, dass wir mit unseren bisherigen arbeitsmarktpolitischen Initiativen mit frühzeitiger Intervention sowie stärkerer Qualifizierung den richtigen und jetzt verstärkt fortzusetzenden Weg eingeschlagen haben. Das führt zu mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit in der Gesellschaft.“

Der Vorsitzende der Amtschefkonferenz in der Kultusministerkonferenz, Sachsen-Anhalts Kultusstaatssekretär Jan Hofmann, sagte: „PIAAC zeigt deutlich, dass die entscheidenden Grundlagen in der Schule gelegt werden. Hier haben die Länder ihre gesamtstaatliche Verantwortung in den letzten Jahren auch mit erheblichen Investitionen wahrgenommen. Die wichtigsten Weichen sind richtig gestellt worden, wie z. B. bei der schulischen Integration. Hier zeichnet sich eine deutlich positive Entwicklung ab. Der Anteil der ausländischen Schülerinnen und Schüler, die die Schule mit einer (Fach-)Hochschulreife verlassen, stieg von 2005 bis 2010 deutlich an, und zwar um über ein Drittel auf insgesamt 15 Prozent aller ausländischen Jugendlichen. Der Anteil der ausländischen Absolventinnen und Absolventen ohne Schulabschluss sinkt. Unser Bildungssystem entwickelt sich in die richtige Richtung. Aber wir müssen weiter energisch in die Qualitätsentwicklung investieren, um für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen und die Perspektiven junger Menschen weiter zu verbessern. Da der Anteil jüngerer Menschen mit Migrationshintergrund an der Bevölkerung stetig zunimmt, werden wir der Bildungsbeteiligung und dem Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund weiterhin besondere Aufmerksamkeit schenken.“

PIAAC zeigt auch: Die berufliche Bildung hält Deutschland international wettbewerbsfähig. Staaten mit einer stärker allgemeinbildenden schulischen Orientierung und höheren Anteilen an Hochschulabsolventen haben keine wesentlichen Kompetenzvorteile oder schneiden zum Teil schlechter ab als Deutschland. Zusätzlich vermittelt das duale System berufspraktische Fähigkeiten. Die große Integrationskraft des dualen Ausbildungssystems zeigt sich nicht zuletzt an der geringen Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland (Quote: 8,1 Prozent in 2012; EU 22,8 Prozent in 2012). Dies ist ein weiterer Beleg, dass berufliche Bildung „Made in Germany“ über ein großes Potential verfügt, Jugendliche erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
 
Deutschland hat in den Jahren nach der ersten PISA-Studie 2000 verstärkt in den Ausbau des Bildungssystems investiert. PIAAC belegt, dass diese Investitionen wirken. Jüngere erreichen höhere Werte als Ältere. Während zum Beispiel etwa 30 Prozent  der 55- bis 65-Jährigen höhere Lesekompetenzen (ab Stufe III) aufweisen, sind dies bei den 16- bis 34-Jährigen bereits circa 60 Prozent.

Nach Ansicht von BMBF, BMAS und KMK sind die Ergebnisse der Studie auch eine Bestätigung der bisherigen Initiativen in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik. Dies gilt insbesondere für die mit der Qualifizierungsoffensive von Bund und Ländern sowie dem Fachkräftekonzept der Bundesregierung verfolgten bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Ziele. Hierzu gehört insbesondere, die Zahl der Schul- und Ausbildungsabbrüche weiter zu verringern, die jungen Menschen im Übergang von der Schule in den Beruf verstärkt zu begleiten, die Weiterbildungsbeteiligung zu erhöhen, berufliche Nachqualifizierungen zu verstärken und für ausreichend Studienplätze an den Hochschulen zu sorgen.

PIAAC zeigt aber auch, dass es in Deutschland noch besser gelingen muss, ältere, geringqualifizierte und langzeitarbeitslose Personen für Weiterbildung und nachzuholende Berufsabschlüsse zu gewinnen. Dies hilft langfristig auch, die Fachkräftebasis zu sichern.

In Deutschland wurde PIAAC im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und mit finanzieller Beteiligung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) von gesis – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften realisiert.

Mehr Informationen finden Sie im Internet unter:
http://www.gesis.org/piaac
http://www.oecd.org/berlin/presse/piaac.htm
http://www.bmbf.de/de/13815.php