"Jugend forscht" wird immer digitaler

Neues kommt von Neugier: Die Siegerinnen und Sieger des Nachwuchswettbewerbs „Jugend forscht“ sind in Paderborn für ihre ideenreichen Projekte ausgezeichnet worden. Der Trend in diesem Jahr: Apps und Software-Anwendungen.

Arbeitswelt, Technik, Mathematik, Physik, Biologie, Chemie sowie Geo- und Raumwissenschaften  – das sind die Kategorien, in denen jedes Jahr rund 11.000 junge Talente aus ganz Deutschland mit ihren klugen Ideen gegeneinander antreten. Nach einem dreitägigen Bundesfinale sind 13 Siegerinnen und Sieger im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn ausgezeichnet worden.

„Die beeindruckenden Wettbewerbsbeiträge dieses Jahres zeigen, dass sich der Einsatz für den Nachwuchs lohnt“, sagte Johanna Wanka, Bundesministe­rin für Bildung und Forschung und zugleich Kuratoriumsvorsit­zende der Stiftung Jugend forscht e. V. „Jugend forscht gibt Kindern und Jugendlichen seit vielen Jahren ein Forum, um eigene Ideen zu entwickeln und nach Antworten auf ungelöste Fragen zu suchen.“

191 junge Ta­lente haben sich mit 110 Projekten für das Finale von Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb qualifiziert.

Mit dem Preis der Bundesministerin für Bildung und Forschung für die beste interdisziplinäre Arbeit ist Alexander Rotsch (19) geehrt worden. Er hat herausgefunden, dass das Lichtspektrum, dem eine Pflanze ausgesetzt ist, deren chemische Abwehrkräfte stärker beeinflusst als bislang angenommen. Dazu hat er die Ackerschmalwand-Pflänzchen mit rotem und blauem LED-Licht bestrahlt. Die Beobachtung: Unter Blaulicht bilden sie mehr Substanzen, die schädliche Keime abwehren können.

Der Trend: Apps und Software

Die Wettbewerbsbeiträge lassen außerdem erkennen, was die jungen Forscherinnen und Forscher bewegt, nämlich die digitale Welt. Immer mehr Jungforscher – ganz unabhängig davon, in welcher Sparte sie antreten – programmieren selbst Apps und Software-Anwendungen als integralen Bestandteil ihres Projekts.

© BMBF

Beim diesjährigen Finale trifft das bereits auf mehr als ein Fünftel aller Projekte zu. Die jungen Talente verfügen also nicht nur über Wissen in ihrem Fach, sondern als „digital natives“ auch über eine breite Expertise im IT-Bereich.

Mit ihren Entwicklungen greifen sie dabei auch aktuelle Themen auf, wie beispielweise die Sicherheit von Daten im Internet. Der Bundessieger im Fachgebiet Mathematik/Informatik, Stefan Genchev (17), hat ein softwarebasiertes System zur Verwaltung von Zugangsdaten entwickelt. Seine Software bringt nicht nur Ordnung in das übliche Passwort-Chaos, sondern ermöglicht auch eine sichere Online-Kommunikation etwa mit Banken oder Behörden.

Für seinen Augmented-Reality-Projektor hat Tobias Gerbracht (18) den Bundessieg im Fachgebiet Arbeitswelt errungen. Der Projektor kann dreidimensionale Objekte virtuell im Raum schwebend darstellen. Für seine innovative Idee hat er bereits ein Patent angemeldet.

Mit Objekten im Raum hat sich auch Tassilo Schwarz beschäftigt: Der 17-Jährige hat ein umfassendes Überwachungssystem entwickelt, das kleine Flugdrohnen erkennen und ihre Position bestimmen kann, wenn die Flugobjekte in einen Luftraum eindringen. Dafür hat er den Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit gewonnen.

Erster Schritt in die Wissenschaft

Mit klugen Ideen wie diesen sind seit dem Start des Wettbewerbs im Jahr 1965 mehr als 240.000 Schülerinnen und Schüler gegeneinander angetreten. Für viele von ihnen ist die Teilnahme nicht nur ein Meilenstein ihrer persönlichen Entwicklung, sondern auch der Beginn einer vielversprechenden Karriere: Neun von zehn erfolgreichen Wettbewerbsteilnehmern studieren später ein mathematisches, naturwissenschaftlich-technisches oder medizinisches Fach. Im Anschluss an das Studium ist etwa die Hälfte der ehemaligen Bundessieger im Bereich Forschung und Entwicklung an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder in Unternehmen tätig.

"Hier in Ostwestfalen-Lippe wird der Grundgedanke von 'Jugend forscht' quasi wie in einem Brennglas fokussiert, was die Region insgesamt voranbringt", sagte Ministerialdirigent Stefan Luther zur Ehrung der Bundessiegerinnen und -sieger in Paderborn. Als weitere Beispiele neben "Jugend forscht" nannte er den Spitzencluster "it’s OWL" sowie den Studienfonds OWL, der sich beispielsweise intensiv um das Deutschlandstipendium kümmert. "Das alles kommt nicht von ungefähr, sondern nur, wenn sich Kreativität, Leidenschaft und Engagement zusammentun."

Weitere Bundesieger und -siegerinnen im Überblick

  • Technik: Lukas Lao Beyer (18) konstruierte ein sogenanntes Software Defined Radio, bei dem Funksignale digital verarbeitet werden. Die Leiterplatte produzierte er selbst im Backofen.
  • Physik: Ivo Zell (17 hat ein Flugzeug gebaut, das einen fließenden Übergang vom Rumpf zu den Tragflächen hat. Die Flugeigenschaften seines „Nurflügels“ hat er mit selbst entworfenen Messinstrumenten optimiert.
  • Biologie: Sara-Luisa Reh (16) und Anja-Sophia Reh (14) haben in einer Einzelfallstudie untersucht, inwiefern der Zyklus den Blutzuckerspiegel und die Insulinfreisetzung bei Diabetikerinnen beeinflusst.
  • Chemie: Christian Schärf (18), Paul Rathke (18) und Friedrich Wanierke (17) stellten mithilfe moderner materialwissenschaftlicher Synthesemethoden künstliche Rubine her.
  • Geo- und Raumwissenschaften: Tuan Tung Nguyen hat mit einer selbstgeschriebenen Software die innere Beschaffenheit zweier erdähnlicher Exoplaneten, also Himmelskörper außerhalb unseres Sonnensystems, analysiert.
  • Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit: Felix Mende (18) gelang es, mithilfe poröser metallischer Materialien gesundheitsschädliche Farbstoffe sowie ein Antibiotikum aus Abwässern herauszufiltern.

Unter dem Motto „Wir suchen die Forscher von morgen!“ rief Henri Nannen, damaliger Chefredakteur der Zeitschrift stern, 1965 zur ersten Wettbewerbsrunde von Jugend forscht auf. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert den Wettbewerb gemeinsam mit 250 Partnern aus der Wirtschaft.